70 Länder wollen Gaza wieder aufbauen

Die halbe Welt traf sich in Scharm A Scheich um den Klingelbeutel herumgehen zu lassen. Mit der gesammelten Kollekte von mehreren Milliarden Euro sollen im Gazastreifen die Kriegsschäden wieder behoben werden. Ein ehrenwertes Vorhaben mit einigen Haken!…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 2. März 2009

Gewiss ist es nicht falsch, dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak den Rücken zu stärken, indem man ihm die Ehre erweist. Die Machthaber im Gazastreifen waren freilich nicht eingeladen. Die Hamas-Führung musste sich damit begnügen, die Beratungen im Fernsehen zu verfolgen.

Großes Kopfzerbrechen bereitete nicht so sehr das Sammeln der Gelder. Unlösbar war vielmehr die Frage, wie das viele Geld in den Gazastreifen fließen sollte, ohne die Hamas zu bereichern und politisch von der Spendenflut profitieren zu lassen. Der Wiederaufbau soll der Autonomiebehörde von Mahmoud Abbas in Ramallah den Weg zurück nach Gaza bahnen. Doch ob es wirklich gelingt, die Hamas zu kaufen oder gar zu entmachten, wurde natürlich nicht offen diskutiert, stand aber im Raum der ratlosen Geldgeber. Denn weder Ägypten noch die Saudis oder gar die Amerikaner wollen der Hamas helfen, weil sie am Tropf des Iran hängt oder halt eine verbannte Terrororganisation ist.

Die Welt glaubt zudem mal wieder, zwischen einer notleidenden Bevölkerung und ihren Herrschern trennen zu können. Es ist wohl unschicklich, ausgerechnet jetzt daran zu erinnern, dass eine Mehrheit der Palästinenser die verschmähte Hamas demokratisch gewählt haben und laut Umfragen durchaus eine Fortsetzung des gewaltsamen „Widerstandes“ gegen Israel begrüßen.

Problematisch ist mal wieder die Methode, Milliardenbeträge in die Palästinensergebiete zu pumpen, ohne den Empfängern gebührende Bedingungen zu stellen. Denn welchen Sinn macht es, die Labors der islamischen Universität wieder aufzubauen, in denen angeblich die Treibstoffe für die Kassamraketen entwickelt und gar hergestellt wurden, oder die vielen Metallwerkstätten, die Israel gezielt zerstört hat, weil dort die Raketen zusammengeschweißt wurden. Warum sollte der europäische Steuerzahler für die Moscheen aufkommen, in deren Kellern nachweislich Waffen und Sprengstoff gelagert waren. Und welchen Sinn macht es, jetzt Gelder in den Wiederaufbau zu investierten, während die Hamas oder von ihr geduldete Organisation weiterhin Israel mit Raketen beschießen, während die Israelis als Reaktion darauf mit harten Schlägen drohen.

Noch geht der Krieg also weiter. Nicht einmal ein Waffenstillstand konnte bislang ausgehandelt werden. Da muss man sich fragen, welchen Teufel die halbe Welt reitet, mitten in einem noch nicht beendeten Krieg mal wieder Milliardensummen zu verpulvern, während es doch genügend andere von Krieg und Bürgerkrieg verwüstete Landstriche gibt, in denen diese Gelder dringender benötigt werden, zum Beispiel in Darfur, Sri Lanka, Georgien oder Irak.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com

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