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Bruno Schulz: Sklavenkunst

Bruno Schulz, 1892 Drohobyez in der Provinz Galizien in KUK Österreich-Ungarn geboren, wurde am 19. November 1942 bei Pogromen in seinem Dorf von einem SS-Offizier erschossen, „nur weil er Jude war“…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 9. März 2009

Aufgewachsen in einer assimilierten jüdischen Familie, war Schulz in den dreißiger Jahren ein anerkannter Kunstkritiker und gilt als einer der großen Schriftsteller Polens. Sein Heimatort wurde nach dem ersten Weltkrieg Polen zugeschlagen, liegt aber seit dem Zweiten Weltkrieg in der Ukraine.

Schon als Kind interessierte sich der Sohn eines jüdischen Seiden- und Textilwarenhändlers für Kunst. Er studierte in Lwow (Lemberg) und zeitweilig in Wien.

Nach dem Ersten Weltkrieg, aus der österreichischen Armee ausgemustert, verdiente er seinen Lebensunterhalt als Lehrer in seinem Heimatort und begann gleichzeitig eine Karriere als Schriftsteller und Maler. Er half seiner Verlobten bei der Übersetzung von Franz Kafkas „Prozess“ ins Polnische und schrieb eigene Bücher. Einige wurden später verfilmt.

Nach dem Einmarsch der Roten Armee im September 1939 in Ostpolen malte Schulz für die kommunistischen Machthaber propagandistische Bilder. Als die deutsche Wehrmacht bis nach Galizien vordrang, musste Schulz 1941 in das Drohobyczer Ghetto übersiedeln. Der SS-Hauptscharführer Felix Landau „entdeckte“ den begnadeten Maler und Zeichner und befahl ihm, die von ihm beschlagnahmte Villa mit Fresken zu bemalen. Das war reine Sklavenarbeit für den deutschen Besatzer. Doch für Schulz war diese Arbeit keine Überlebensgarantie. Am 19. November 1942, kurz vor seiner geplanten Flucht aus dem Ghetto, wurde Schulz auf offener Straße von einem Mitglied der Gestapo erschossen. Der genauen Umstände seiner Ermordung lassen sich wegen widersprüchlichen Zeugenaussagen nicht genau ermitteln. Offenbar wurde Schulz auf dem jüdischen Friedhof begraben, doch der wurde nach dem Krieg zerstört um Platz für eine Neubausiedlung zu machen.

Im Jahr 2001 entdeckte der deutsche Dokumentarregisseur Benjamin Geissler die von Schulz gemalten Fresken, inzwischen in einem schlechten Zustand. Die Jerusalemer Holocaustgedenkbehörde Jad Vaschem interessierte sich für die Fresken und wollte sie in ihr Museum für Holocaust-Kunst integrieren. Die Familie, in deren Haus sich die Fresken befanden, stimmten dem Transfer der Wandmalereien zu.

Dennoch kam es zu einer monatelangen öffentlichen Kontroverse zwischen Israel und der Ukraine. Die Ukraine behauptete, dass die Fresken illegal und ohne Exportgenehmigung nach Israel gebracht worden seien, während Jad vaschem behauptete, sie legal erworben zu haben. Die in der Villa zurückgebliebenen Fragmente wurden inzwischen restauriert und werden in polnischen Museen ausgestellt. Sie sind heute Teil des Sammlung des Bruno Schulz Museums in Drohobycz. Es folgten schwierige Verhandlungen mit der Ukraine, die erst am 28. Februar mit einem feierlich in Jerusalem unterzeichneten Vertrag endeten. Israel und die Ukraine einigten sich auf eine Leihgabe der Fresken für zwanzig Jahre. Der Vertrag könne automatisch jeweils um fünf Jahre verlängert werden. Die in Jerusalem aufbewahrten Kunstwerke von Bruno Schulz gelten weiterhin als das Kulturerbe der Ukraine.

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Experten der Gedenkstätte hatten die 2001 die von den Wänden abgelösten Fresken in Jerusalem mit großem Aufwand restauriert. Sie hängen in einem leicht abgedunkelten Saal im Kunstmuseum und sind mit einer separaten Alarmanlage geschützt. Um den Farben nicht zu schaden, dürfen sie nur ohne Blitzlicht und mit einer Spezialgenehmigung fotografiert werden.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com