Raubmord: Varianten zur Umrechnung von RM in DM und Euro

Den Zwangsarbeitskräften in deutschen Betrieben wurden Löhne in Höhe von insgesamt 20,5 Milliarden Reichsmark vorenthalten. Um diesen Betrag in D-Mark umzurechnen, ist ein Preisindex vonnöten, mit dessen Hilfe Einkommen umgerechnet bzw. deflationiert werden können…

Aus „Brosamen vom Herrentisch“ von Thomas Kuczynski

Nun sind aber Löhne ein sehr spezifischer Preis, erst recht vorenthaltene Löhne, bei denen zumindest die Frage zu stellen ist, ob sie nicht, dem allgemeinen Schuldrecht entsprechend, mit Zins und Zinseszins zu erstatten sind.
Diese Frage ist nicht von der Statistik zu beantworten, wohl aber jene, wie in RM vorenthaltene Löhne in DM auszuzahlen sind. Dafür bietet die amtliche Statistik zwei Möglichkeiten der Umrechnung an, den Lohnindex selbst und den Index der Lebenshaltungskosten. 230

Lohnindex und Lebenshaltungskosten

Wenn wir den Lohnindex von 1940-1944 bei 100 ansetzen, beträgt er im Jahre 1999 2.192. Die Löhne betrugen also 1999 rund das 22fache von denen, die während des Krieges gezahlt wurden. Als Gesamtsumme nachzuzahlender Löhne hätte sich dementsprechend ein Betrag von rund 450 Milliarden DM ergeben.
Der Lebenshaltungskostenindex stand, 1940-1944 = 100 gesetzt, 1999 bei 564, und daraus hätte sich als Gesamtsumme nachzuzahlender Löhne ein Betrag von rund 115 Milliarden DM ergeben.

Beide Umrechnungsfaktoren haben ihre gravierenden Nachteile. Der Lebenshaltungskostenindex projiziert nämlich den Kriegsstandard in die Gegenwart; ihn zugrunde zu legen, wäre jenen gegenüber, denen die Löhne über fünfzig Jahre lang vorenthalten worden sind, ein höchst ungerechtes Verfahren gewesen, insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass mit den vorenthaltenen Löhnen über fünfzig Jahre lang höchst gewinnträchtig gewirtschaftet worden ist. Dagegen projiziert der Lohnindex den Gegenwartsstandard in die Vergangenheit, was eine ebenso falsche Berechnungsgrundlage gewesen wäre, da der Lebensstandard von 1999 eben nicht der der deutschen Zivilarbeitskräfte während des Krieges war.

Zwischen diesen Extremen angesiedelt ist das geometrische Mittel beider Indizes, also ein Umrechnungsfaktor von 11,121:1 oder 100 : 9 (wobei der Kriegsstandard das doppelte Gewicht des Gegenwartsstandards hat.231

Das ist wohl die „am wenigsten unbrauchbare“ Variante der Umrechnung. Ihr entsprechend wären den ehemaligen Zwangsarbeitskräften insgesamt 228 Milliarden DM an vorenthaltenen Löhnen nachzuzahlen gewesen, d.h. ein wenig mehr als 15.000 DM pro Kopf. Das ist das Anderthalbfache dessen, was vor Verhandlungsbeginn (1998) von den Opfern als Minimum des Anstands bezeichnet worden ist.

Anm. (Red. haGalil): Dieser Betrag enthält keinerlei Verzinsung bzw. Kompensation für die Tatsache, dass die Lohnzahlungen über ein halbes Jahrhundert lang verweigert worden waren. Ein Verzinsung (inkl. Zinseszins) würde ein vielfaches dieses Betrags ergeben und wäre nur gerecht.

Nach dem größten Massenraubmord der Geschichte:
Ausgeplündert und auf Almosen angewiesen

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