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Livni zum 30. Jahrestag des israelisch-ägyptischen Friedens

Israels Außenministerin Tzipi Livni hat am Mittwochabend auf einer Konferenz an der Hebräischen Universität Jerusalem zum 30. Jahrestag des Friedensvertrags zwischen Israel und Ägypten eine Ansprache gehalten…

„Wenn wir an den Frieden mit Ägypten denken, erscheinen zwei Bilder vor unseren Augen. Das eine ist die Ankunft von Präsident Sadat in Ägypten. Das zweite ist der gemeinsame Händedruck von Ministerpräsident Begin und Präsident Sadat mit dem damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter in dem Versprechen, den Nahen Osten zu verändern.

Da ist auch eine Stimme, die wir hören, die Stimme Menachem Begins, der erklärt: „Kein Krieg mehr, kein Blutvergießen.“

Präsident Sadats Besuch in Jerusalem und die anschließende Unterzeichnung des Friedensvertrags waren nicht einfach zwei Momente in der Zeit, zwei Fotogelegenheiten. Sie waren spezifische Zeitpunkte, die Teil eines langfristigen Prozesses waren.

Besonders heute denke ich darüber nach, was ein Politiker tun muss, um die tiefe Kluft zwischen Nationen zu überbrücken, eine Hand zum Frieden auszustrecken und einen Preis auf nationaler Ebene zu zahlen, territorial oder sonst wie.

Vor allem anderen müssen wir wirklich verstehen, dass der Status Quo vor Ort, selbst wenn er gewaltfrei und scheinbar günstig ist, plötzlich vor unseren Augen explodieren kann. Das kann zu erbitterten Gefühlsausdrücken der Feindschaft und des Hasses zwischen Völkern führen, zwischen denen noch kein Frieden herrscht, insbesondere zwischen solchen, die in einem Konflikt stehen, der in der Vergangenheit zu blutigen Kriegen geführt hat.

Politische Führung sollte den Frieden nicht nur als einen Slogan suchen, sondern als genuines persönliches und nationales Bestreben betrachten. Erst danach sollte der Politiker tief in sich gehen und den Preis begreifen, der erforderlich ist, um in Frieden zu leben, und verstehen, dass der Preis niedriger – viel niedriger – ist als die Vorzüge des Friedens.

Lange bevor der Frieden im In- und Ausland Applaus erhält, lange bevor er zu einem Anwärter auf den Friedensnobelpreis wird, ist er ein Kampf im Innern des Landes. Ein politischer Führer muss bereit sein, seine Unterstützer herauszufordern, selbst mit dem Risiko, dass sie seine Gegner werden; er muss bereit sein, mit Kritik umzugehen, aber das Äußerste tun, um seine Kritiker zu überzeugen.

Der Kampf für den Frieden ist ein innerer Kampf, die Debatten und Meinungsverschiedenheiten bedeuten nicht, dass die Menschen den Frieden nicht wollen; jedes Volk strebt nach Frieden. Insbesondere wir hier in Israel, die vor und nach der Gründung des Staates nie einen Moment der Ruhe in unserem Land erlebt haben. Es ist ein Kampf, da die Menschen nicht glauben, dass es möglich ist, weil der Preis zu hoch ist, weil es hohe Risiken gibt.

All dies sind gute, logische und überzeugende Gründe für jene, die selbst nicht ausreichend überzeugt und bereit sind aufzugeben.

In dieser Region können wir uns keine politische Führung leisten, die den Frieden aufgibt.

Während die historischen Bilder und Stimmen des israelisch-ägyptischen Friedensvertrages solche von politischen Führern sind, würde ich gerne sehen, dass der assoziative Kontext der Wörter ‚Frieden mit Ägypten’ sich nicht nur auf Stimmen aus der Vergangenheit bezieht. Ich würde auch gerne sehen, dass sich ‚Frieden mit Ägypten’ für jeden Israeli mit Bildern des heutigen Ägyptens verbinden, Stimmen von Gesprächen mit Ägyptern, Geschmäckern und Aromen von Gerichten, Ansichten und Klängen von Orten. Ebenso würde ich gerne sehen, dass ‚Frieden mit Israel’ sich für die Ägypter mit Bilder von Tel Aviv und Jerusalem verbindet und Telefonnummern von ihren Freunden in Israel.

Bedauerlicherweise sind wir dorthin noch nicht gelangt.

Meine Damen und Herren,
Frieden zwischen Israel und Ägypten, dem Führer der arabischen Welt, und die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind von strategischer Bedeutung – für beide Seiten. Ich bin überzeugt, dass die Tatsache, dass unsere Beziehungen trotz einiger Schwierigkeiten in den vergangenen 30 Jahren solide und stabil sind, für sich spricht.

Es gibt noch immer viel zu entdecken und zu erreichen in unseren Beziehungen, vor allem anderen die Sehnsucht der israelischen Öffentlichkeit, die Öffnung des großen ägyptischen Volkes uns gegenüber zu erleben. Wir wünschen uns normale, freundliche und echte Beziehungen zwischen zwei benachbarten Völkern, Beziehungen, die die guten und freundlichen ergänzen, die zwischen den staatlichen Einrichtungen und den politischen Führern bestehen.

Auf regionaler Ebene kann Zweifel an der wichtigen und zentralen Rolle bestehen, die Ägypten mit seinen Bemühungen um einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern und der gesamten arabischen Welt spielt.

Meine Damen und Herren,
Am Ende des Tages kann kein Zweifel bestehen, dass die übergreifenden Interessen, die von Israel und Ägypten geteilt werden, sehr viel größer sind als die Unterschiede, die sie trennen.

Wir müssen weiter daran arbeiten, unsere Kooperation zu konsolidieren und das Beste aus dem existierenden Potential zu machen, zum Wohle unserer Länder und Völker. Die israelische Verpflichtung demgegenüber ist total.

Wir wollen nicht für einen einzigen Moment vergessen, dass wir im Rückblick sehr stolz auf das Erreichte sein können und sein sollten, aber gleichzeitig müssen wir danach streben, noch mehr zu erreichen.

Danke.
Shalom, Salaam.“

Außenministerium des Staates Israel, 25.03.09