Trotz aller Miesmacherei: Ein Grund zum Feiern!

In einem Leitartikel bei Jedioth achronoth, Israels auflagenstärkster Tageszeitung, feiert Smadar Peri den 30-jährigen Frieden mit Ägypten und schreibt einen Brief an den Raís Husni Mubarak…

EIN BRIEF AN DEN PRÄSIDENTEN VON ÄGYPTEN

Shalom, sehr geehrter Herr Präsident Mubarak!

Zuerst einmal möchte ich Ihnen, trotz der Kritik, die bei uns und bei Ihnen an den Friedensabkommen zwischen uns geübt wird, persönlich gratulieren.

Wir haben einen gelungenen Frieden gemacht. Denn, … lassen Sie uns eine einfache Rechnung machen: 31 Jahre lang haben wir blutige Kriege durchgemacht. Und seitdem, seit genau 30 Jahren, leben wir das Gegenteil.

Die Eigenschaftsworte, die diesen Abkommen angeheftet wurden – „kalter Frieden“ und „entfremdeter Frieden“ (auf unserer Seite) und der „verhasste Frieden“ oder auch das Reden vom „Scham-Abkommen“ (auf Ihrer Seite) – ignorieren den Stand der Dinge: In den drei vergangenen Jahrzehnten kann man die Zahl der getöteten Soldaten an einer Hand abzählen. Und an den Fingern der anderen Hand kann man die Anzahl der Zivilisten zählen, die bei uns oder bei Ihnen, wegen eines direkten Konflikts getroffen wurden.
Es gibt keinen wichtigeren Gewinn.

Aber natürlich, es stimmt schon, Herr Präsident, dass wir den Beziehungen mehr Schwung hätten geben können. Wir hätten viel mehr wirtschaftliche Erfolge aus dem Frieden ziehen können. Der Tourismus ist sehr schwach, die Geschäfte blühen nicht wirklich. Aber wir haben Botschaften eingerichtet, Fluglinien, ein israelisches akademisches Zentrum in Ägypten …

… Die Intellektuellen in Kairo werden Ihnen sagen, es sei „nur ein Frieden zwischen Leadern“, aber passen Sie auf, Herr Präsident, in dem ganzen Aufruhr, der bei Ihnen um die Ernennung von Liebermann zum Außenminister ausgebrochen ist, bin ich bereit zu schwören, dass Sie keinen bequemeren israelischen Außenminister finden werden. Netanjahu und Liebermann haben die Identität der gemeinsamen Interessen schon verinnerlicht, und an deren Spitze steht der drohende Schatten des Iran.

Also wünsche ich Ihnen, Herr Präsident, noch einmal ganz herzlich „Shalom“, und vielleicht wird es Sie freuen zu hören, dass Ägypten für Israel heute nicht weniger wichtig ist, als an dem Tag, an dem das Friedensabkommen zwischen uns unterzeichnet wurde.

Auf die nächsten dreissig Jahre, Schalom alekhem, ‚Salamu alejkhum!