- haGalil - http://www.hagalil.com -

ZfA: Kritik am Umgang mit Kritikern

In einer Presseerklärung moniert eine internationale Wissenschaftlervereinigung den Umgang des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung mit seinen Kritikern…

Genauer, die deutsche Sektion von „Scholars for Peace in the Middle East“ – ein internationales Netzwerk von über 20.000 Wissenschaftlern (www.spme.net)  – kritisiert den unsachlichen und diffamierenden Tonfall, mit dem das Zentrum für Antisemitismusforschung auf die Kritik an seiner Tagung „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“ bis heute reagiert.

Laut PM der Vereinigung wurde diese Kritik u.a. auch von dem Nobelpreisträger Elie Wiesel, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann und dem Holocaustforscher Daniel Jonah Goldhagen formuliert. Die deutsche Sektion von „Scholars for Peace in the Middle East“ erwartet, dass das Zentrum die wissenschaftliche Kontroverse über Antisemitismus und Islamfeindlichkeit fördert, anstatt sich abzuschotten und Diskursteilnehmer anzugreifen, so die Pressemitteilung.

Dieser PM lag bei:

Pressemitteilung
AKADEMIKER FÜR FRIEDEN IM NAHEN OSTEN – SEKTION DEUTSCHLAND

SPME-GERMANY e.V. fragt: „Ist das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung zu einer ernsthaften Auseinandersetzung bereit?“

Presseerklärung: Im Dezember 2008 löste die vom Berliner „Zentrums für Antisemitismusforschung“ veranstaltete Konferenz „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“ sowie das dazugehörige „Jahrbuch für Antisemitismusforschung“ eine große öffentliche Debatte aus. Der Potsdamer Rechtsanwalt und ehemalige Staatssekretär Klaus Faber sprach von einem „neuen Antisemitismusstreit“.

Zu den Themen dieser bis heute nicht beendeten Diskussion gehört die Frage

In Deutschland wurde diese Diskussion im öffentlichen Fernsehen, in öffentlichen Radiosendern und in zahlreichen überregionalen Tageszeitungen geführt. Auch international erschienen hierüber Artikel und Kommentare in Zeitungen wie dem „Wall Street Journal“, der „Jyllands Posten“ dem „Nederlands Dagblad“, der „Haaretz“ und der „Jerusalem Post“.
Gleichzeitig meldeten sich prominente Juden wie der Holocaustüberlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel, der Buchautor Daniel Jonah Goldhagen, der Vorsitzende des Jerusalem Center For Public Affairs, Dr. Manfred Gerstenfeld und der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, zu Wort.

Die internationale Organisation „Scholars for Peace in the Middle East” setzt sich für die wissenschaftliche Fundierung der Diskussion um Antisemitismus und Anti-Israelismus ein und möchte eine offene und angemessene Diskussionskultur fördern. Wir betrachten es deshalb als bedauerlich und inakzeptabel, dass das „Zentrum“ in seinem „Newsletter“ Nr. 37 von Januar 2009 die oben skizzierte Auseinandersetzung pauschal als „politische oder moralische Kampagne“, als „Verleumdung“ oder als „Verteidigung manichäischer Weltbilder“ abqualifiziert. Wir sind befremdet, dass dem Deutschlandkorrespondenten der Jerusalem Post in diesem Zusammenhang Hass, Rachegefühle und monetäre Interessen unterstellt werden.

Das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung ist ein weltweit renommiertes Forschungszentrum und eine bedeutende öffentliche Institution. Seine Arbeit ist heute wichtiger denn je. Wir hoffen, dass das „Zentrum“ die grundsätzliche Berechtigung und Notwendigkeit dieser Diskussion anerkennt. Wir erwarten, dass es die wissenschaftliche Kontroverse über Antisemitismus und Islamfeindlichkeit fördert, anstatt sich abzuschotten und Diskursteilnehmer anzugreifen.

Wir empfehlen dem „Zentrum“,

Das „Zentrum“ ist nicht nur ein öffentliches Forschungsinstitut sondern zugleich eine Lehranstalt, die über 50 Doktoranden betreut. Es steht in der Verantwortung, einen guten wissenschaftlichen Stil vorzuleben.

Der Vorstand von SPME-Germany e.V.
gez. Prof. em. Dr. Diethard Pallaschke

Zitate:

Dieter Graumann:
„Antisemitismus und Islamophobie sind NICHT gleichzusetzen – die Unterschiede sind gewaltig und monströs und grausam: Sowohl was das rassistische Element angeht, wie die schreckliche Geschichte, wie den ausdrücklichen eliminatorischen Hass – damals von den Nazis ausgehend und heute von erklärten Islamisten wie dem iranischen Präsidenten. Wer das alles einfach ignoriert und pauschal gleichsetzen will – der deutet sich naiv die Welt schön, betreibt träumerische Realitätsverweigerung und lebt im Fantasialand seiner wolkigen Wunschträume.“
(Quelle: Jerusalem Post, 10.12.2008)

Daniel J. Goldhagen:
„In der muslimischen Welt breitet sich ein wilder Antisemitismus zügellos aus. Viele politische Führer äußern sich mit genozidalen Bedrohungen. Die nukleare Gefahr überschattet die jüdische Gemeinschaft in Israel mit der Möglichkeit eines anderen Holocaust. Dennoch weigert sich das Berliner ,Zentrum für Antisemitismusforschung’, eine Petition zum Stop jener Bombe zu unterschreiben, die zu benutzen der ehemalige iranische Präsident Rafsandjani mit den Worten, sie würde Israel zerstören, in Erwägung zog. Stattdessen nimmt das „Zentrum“ die politischen Islamisten in Schutz, indem es das Darlegen dieser Fakten über den politischen Islam mit dem halluzinatorischen Hass, den man Antisemitismus nennt, gleichsetzt.“
(Quelle: Jerusalem Post, 10.12.2008)

Elie Wiesel:
„Falls das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung die antisemitische iranische Bedrohung tatsächlich herunterspielte, wäre dies ungeheuerlich.“
(Quelle: Jerusalem Post, 10.12.2008)

Zentrum für Antisemitismusforschung:
Newsletter Nr. 37, Januar 2009: Wissenschaft als Ärgernis

Eine Konferenz des Zentrums am 8. Dezember 2008 unter dem Titel „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“, in deren Mittelpunkt die wachsende Feindschaft gegen Muslime in Deutschland stand, erregte bereits im Vorfeld viele Gemüter. Zuvor waren einige Beiträge aus dem Zentrum zu diesem Thema im Jahrbuch für Antisemitismusforschung erschienen, die Emotionen bei denen auslösten, die zwischen Wissenschaft einerseits und politischer und moralischer Kampagne andererseits nicht unterscheiden wollen.
Auf der Bloggerszene wurde mit großer Wut (und weitgehend unter Verzicht auf Anstandsregeln) gekämpft. Viele, vielleicht die meisten Internet-Autoren, haben die inkriminierte Veranstaltung gar nicht besucht. Offensichtlich ging es nicht um den Austausch von Argumenten, sondern um die Verteidigung manichäischer Weltbilder.
Man muss die Bloggerei nicht so ernst nehmen, zumal der Zeitaufwand den Ertrag der Lektüre nicht rechtfertigt. Die seriösen Medien berichteten objektiv. Zwei israelische Zeitungen – die Jerusalem Post und Haaretz – haben allerdings Hasstiraden publiziert, die ebenso infame wie obskure Verdächtigungen gegenüber dem Zentrum für Antisemitismusforschung enthalten. Die Motive des Autors erklären sich aber wohl aus der Tatsache, dass es sich um einen ehemaligen Doktoranden des Zentrums handelt, den die Aufforderung einer Stiftung verdross, empfangene Stipendiengelder zurückzuzahlen, da er keine Leistung als Gegenwert der Förderung erkennen ließ. Dass die genannten Zeitungen die Verleumdungen druckten, hat auch Leser in Israel erstaunt.