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Aus aktuellem Anlass: Eine Chronik der Katholischen Kirche am Bsp. Bayern

Eugenio Pacelli, der als Papst Pius XII. auch in die Geschichte des Antisemitismus, aber auch z.B. des Antiziganismus, eingegangen ist, soll in Kürze „heilig“ gesprochen werden. Dieser kirchliche Akt liegt Benedikt XVI, ‚unserem‘ bayerischen Papst, ganz besonders am Herzen und soll möglichst rasch und ‚reibungslos‘ durchgeführt werden. Aus diesem Grunde findet derzeit im Berliner Schloß Charlottenburg und demnächst auch in München eine Ausstellung statt, in der ein über alle Zweifel erhabener, ‚reingewaschener‘ Pius präsentiert wird…

Im Hinblick auf die in Kürze zu erwartende Heiligsprechung von Papst Pius XII beginnen wir nun mit einer „Kleine Chronik der katholischen Kirche in Rom und Bayern“.

Von Robert Schlickewitz, Deggendorf/Ndb. 2009

Um jene Episoden seiner Amtszeit, die in der oben angesprochenen Ausstellung nicht zur Sprache kommen, sowie um uns die Zeit vor und nach Pius XII. ins Gedächtnis zu rufen, hat Robert Schlickewitz aus seiner noch unveröffentlichten „Ehrlichen Chronik Bayerns“ sowie aus „Sinti, Roma und Bayern“ (Deggendorf 2008) alle hierzu relevanten Beiträge zu einem eigenen Dokument zusammengefasst, das wir nun allen Interessierten zur Lektüre vorlegen. Gewiss kann diese Chronik keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, als kleine Erinnerungsstütze mag sie indes von Nutzen sein.

Aus der 2. Auflage, Robert Schlickewitz, im Eigenverlag, Deggendorf/Ndb. 2009

CHRONIK Teil 1.

ca. 7 v. d. Ztr.
Der spätere Wanderprediger und Prophet Jesus (hebr. Jeshu‘a) wird als Kind jüdischer Eltern in einer Region, die heute zum Staat Israel gehört, geboren; im Zeitraum zwischen 26 und 36 nach der Zeitrechnung wird er unter dem römischen Prokurator Pontius Pilatus als staatsgefährlicher Revolutionär verurteilt und hingerichtet; die Christen betrachten ihn als den Stifter ihrer Religion

11 v. d. Ztr.
Als Hauptstadt der römischen Provinz Raetien wird Augsburg (Augusta Vindelicorum) als Militärkolonie gegründet

16-5 v. d. Ztr.
Die Römer dringen bis zur bayerischen Donau vor; die Kelten der Reiche Raetien und Noricum ergeben sich

99
Die Römer sichern durch Verträge mit den Germanen die Donaugrenze

172
Für das Christentum in römischen Donaulagern liegen Belege vor

4. Jh.
Hieronymus übersetzt das Alte Testament in die lateinische Sprache; es enthält folgende Aussage (Lev 19,33): “Unterdrückt nicht die Fremden, die in eurem Land leben, sondern behandelt sie genau wie euresgleichen. Jeder von euch soll seinen fremden Mitbürger lieben wie sich selbst. Denkt daran, dass auch ihr in Ägypten Fremdlinge gewesen seid.“; eine entsprechende Passage kennt auch das Neue Testament (Gal 3, 28): “Da ist nicht mehr Jude noch Grieche, nicht mehr Sklave noch Freier, nicht mehr Mann noch Frau, denn ihr alle seid einer in Christus Jesus“; bedauerlicherweise enthält jedoch das gleiche Neue Testament auch zahlreiche Stellen, die geeignet sind den Hass auf eine Minderheit zu projizieren: “(Die Juden) haben sogar Jesus, den Herrn und die Propheten getötet; auch uns haben sie verfolgt. Sie missfallen Gott und sind Feinde aller Menschen“ (Paulus, 1. Thessalonicher-Brief, Kap. 2, Vers 15 u. v. a.)

um 350
Juden kommen entlang der Handelswege der Donau nach Bayern und siedeln sich an

450-488
Ständige Einfälle germanischer Stämme veranlassen die Römer ihre Provinz Raetien aufzugeben; gleichzeitig wandern Alemannen, Elbgermanen und andere Stämme zu; 488 endet nach einem halben Jahrtausend in Bayern die Römerherrschaft

493-526
Der raetische Raum wird von den Ostgoten unter Theoderich beherrscht; aus der illyrisch-keltisch-römischen Mischbevölkerung und den zuwandernden Sueben, Alemannen, Markomannen, Thüringern u. a. formiert sich allmählich der Stamm der Bajuwaren; der bayerische Schriftsteller Carl Amery stellt in “Was ist bayerisch?“ (1980) die Abkunft seiner Landsleute so dar: “Denn von Germanentum kann in Bayern keine Rede sein – oder doch nur in einer kläglich verdünnten Lösung. Romanisches gibt es mehr (…), Slawisches, Awarisches, aus Böhmen mitgebracht, ganz alte Völkerschaften wie etwa die Narisker, die in der heutigen Oberpfalz saßen (…). Aber das meiste, das allermeiste in unserem Gen-Bestand wird doch keltisch sein. Leider sind sie etwas in Mode gekommen, die Kelten, sind “in“ wie man so sagt. Aber die Evidenz ist dennoch erdrückend: Nirgends sonst in deutschen Landen ist ihr Charakter so dominierend.“

534-554
Die Bewohner des bayerischen Raumes stehen in Abhängigkeit vom fränkischen Merowingerreich

um 551
Der Volksnamen Baibari (für Bayern) wird beim gotischen Geschichtsschreiber Jordanes erstmals genannt

555
Als erster belegter Stammesherzog regiert Garibald I.; seine Residenz hat er in Regensburg, das bis 1255 Hauptstadt des Herzogtums bleibt

565
Zum ersten Mal werden die Baiern in historischen Quellen erwähnt.