- haGalil - http://www.hagalil.com -

Macho-Gehabe: Zipi Livni wehrt sich

Während die Umfragewerte der Mitte und bei den Sozialdemokraten immer weiter in den Keller sinken, erkennt Yuval Karni (Jedioth achronoth) einen Wandel in Zipi Livnis Wahlkampfstartegie. Kurz vor der Zielgeraden zieht die Kadima-Chefin das feminine Ass aus dem Ärmel und klagt an: Man begegnet mir chauvinistisch…

Dies bemerkten zwar schon zahlreiche Kommentatoren, die das Macho-Gehabe Netanjahus, aber auch Baraks, verurteilten. Livni selbst schloss den „Kampf der Geschlechter“ aber aus dem Wahlkampf aus. Auch als Barak sie „Ziporah“ nannte und Netanjahu erklärte, das Amt sei einfach „eine Nummer zu groß für sie“, schwieg sie. Aber jetzt hat sie verstanden, dass die Unentschlossenen zum Großteil Frauen sind, und setzt dies als Waffe ein: „Man lehnt mich ab, weil ich eine Frau bin.“

Ariana Melamed kommentiert dazu (ebenfalls in Jedioth): Zipi hat recht. Auf der einen Seite die Likud-Parole „Zu groß für sie“, auf der
anderen die Polemik Baraks, der erklärt, wer keine Waffe getragen habe, könne keine militärischen Entscheidungen treffen. Acht Tage vor den Wahlen hebt der hässliche Chauvinismus der israelischen Politik wieder mit beispielloser Frechheit das Haupt und beleidigt 50% der Bevölkerung, die Wählerinnen, sowie die einzige und erste Frau, die es wagt, für das Amt des MP zu kandidieren (Golda Meir wurde nicht gewählt sondern eilig ernannt, nachdem Levy Eshkol gestorben war).
Dabei betont Melamed, dass allein die Tatsache, dass Livni eine Frau ist, sicher nicht garantiert, dass sie den Staat führen kann. Allerdings sind ihre beiden Rivalen Männer, die bereits an der Reihe waren. Und jeder von ihnen ist an der an der Staatsführung fulminant gescheitert. Es reizt zu sagen, sie sind gescheitert, weil sie Männer waren. Aber begeben wir uns lieber nicht auf dieses
Niveau. Zippi Livni, ihre Wähler und die Wähler aller Parteien haben vor den Wahlen würdigere öffentliche Diskussionen verdient. Zumindest bei diesen Diskussionen haben die Männer bereits verloren.

In M’ariw empfielt man Zipi Livni unterdessen das Beispiel der deutschen Kanzlerin: „Frau Merkel bringt die neue Modetendenz von Frauen in der Politik ausgezeichnet zum Ausdruck. Merkel trägt die zu ihr passenden Farben, ihre Frisur sitzt immer tadellos und hellt ihr Gesicht auf, und man hat sofort das Gefühl, dass sie von einem professionellen Stylisten betreut wird.“