Von Ankara bis Haag: Heuchelei ohne Ende

Erst Spanien, dann die Türkei und jetzt der Gerichtshof in Den Haag. Eine intensive Anti-Israel Verleumdung breitet sich in Europa langsam aber sicher aus…

Goren Albahari

Wie ein rot-braunes, stark antisemitisch angereichertes Geflecht verbindet es die linken mit den rechten Israel Hetzern. Während die Spanier Anklage erheben gegen den damaligen israelischen Verteidigungsminister Ben Eliezer, Bugi Yaalon, Avi Dichter und weitere israelische Offizielle bezüglich ihrer Verwicklung in die Tötung des hochrangigen Terroristenführers und vielfachen Mörder Salach Shade, bei dem, leider Gottes, auch unschuldige Personen ums Leben kamen, prüft der internationale Gerichtshof in Den Haag die Rechtmäßigkeit der israelischen Gaza Angriffe!

Damit dürfte ein neuer Höhepunkt der anti-israelischen Hexenjagd erreicht sein. Israel soll dafür bestraft werden, dass es sich gegen terroristische Anschläge wehrt. Denn das ist nicht nur spanisch-türkischer Meinung nach unmoralisch. Der Judenstaat darf sich nicht wehren, nicht einmal wenn er bombardiert wird, oder wenn sich Selbstmörder unter unschuldige Männer, Frauen und Kinder in die Luft sprengen, nur weil sie Juden sind. So will es das moralische Verständniss einiger europäischer Staaten.

Was sind schon ein paar Raketen, die täglich in Sderot und anderen Orten im Süden Israels landen, oder ein harmloser Selbstmordanschlag in einem Bus? Peanuts!
Wen interessiert es schon, dass seit 2000 die Hamas etwa 10.000 Raketen auf Israel abgefeuert hat und nach Israels Rückzug aus Gaza im Jahr 2005 die Raketenangriffe sogar noch intensiviert hat. Sicher nicht die Spanier, anscheinend auch nicht den Gerichtshof in Den Haag und bestimmt nicht die Türkei, die lautstark eine Anerkennung der Hamas und Hizbollah fordert.

Dabei stellt das 4. Genfer Abkommen (Artikel 28) über den Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten ziemlich deutlich fest, dass die Anwesenheit einer geschützten Person (hier: Zivillist) nicht bedeutet, dass ein bestimmter Ort vor militärischen Operationen geschützt ist. Mit anderen Worten, Israel hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, seine Bürger vor jeglichen Angriffen zu schützen und bei einem Beschuss seitens der Hamas auch in Richtung Schussquelle zurückzuschießen.

Anstatt aber die Hamas, die skrupellos Frauen und Kinder als „Waffen“ eingesetzt hat und sich noch dessen rühmt, an den Pranger und vor Gericht zu stellen, beschuldigt man Israel, Kriegsverbrechen begangen zu haben. So wird internationales Recht zu internationalem Unrecht degradiert sowie Ursache und Wirkung vertauscht.
Wehe dem europäischen Staatenbündniss, das solche heuchlerischen Verfälschungen von Tatsachen widerstandslos akzeptiert und ihre Verbreitung kommentarlos zulässt.

157 Kommentare zu “Von Ankara bis Haag: Heuchelei ohne Ende

  1. @ willow
    …wollte nur mal sehen, was Du noch aus dem Ärmel schüttelst…
    Aber, um Deine Frage zu beantworten: Unter einer unabhängigen Quelle verstehe ich v.a. eine, die keiner der Kriegsparteien angehört oder ihr zuzuordnen ist. Dazu zähle ich durchaus humanitäre NGO’s wie ai oder HRW, die ja, wie Du sicher weißt, in ihren Pressemitteilungen bzw. Berichten auch die Hamas wegen ihrer Folterungen und Morde an „Kollaborateuren“ kritisiert haben. Ebenso kann ich bei seriösen westlichen Massenmedien kein Eigeninteresse daran erkennen, einen potentiellen Skandal bei der UN unter den Teppich zu kehren – ganz im Gegenteil. Die UNRWA wäre – wie die israelische Armee – zur Aufklärung eigener Fehler/ Vergehen/ Verbrechen sicherlich nur bedingt geeignet… anders als der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag, der m.E. über jeden Zweifel erhaben ist.

    Irgendwie scheinst Du immer noch recht seltsame Vorstellungen von dem zu besitzen, was ich alles „glaube“… Daß sich die israelische Armee um die Aufklärung von Fehlern bemüht, weiß ich durchaus zu würdigen und es führt bei mir auch keineswegs zu dem Reflex, alles, was dabei aufgedeckt wird, als Beweis für die „Bösartigkeit“ Israels zu werten. Es ist immerhin besser als nichts und sicherlich mehr als das, wozu Diktaturen oder Terrororganisationen imstande sind. Aber es kann immer nur zu einem Freispruch zweiter Klasse führen…

    Jedem, der bis drei zählen kann, sind doch wohl die Mängel eines solchen Verfahrens bewußt: Eine der wesentlichen Gefahren besteht darin, daß man die kleinen „Fehler“ zugibt, um die großen zu vertuschen, zu verschleiern oder von ihnen abzulenken. Außerdem kann es leicht zur Masche werden, Unrecht zu begehen, es „vorbehaltlos“ aufzuklären und zu meinen, die Sache sei damit erledigt.

    Und was den an die „Weltöffentlichkeit“ gerichteten (pro)israelischen Vorwurf betrifft, sie würde anklagen, ohne über die entsprechenden Beweise zu verfügen: Es zeugt schon von einer ganzen Menge „Chuzpe“, ein Argument verwenden zu wollen, das man sich selber aus der Hand geschlagen hat! Israel hat alles dafür getan, die Zahl der potentiell neutralen und objektiven Zeugen (internationale Presse, UN-Beobachter, sonstige westliche Ausländer) während des Gaza-Krieges auf ein Minimum zu beschränken. Die internationalen Medien, NGO’s usw. konnten daher nur auf die Quellen zurückgreifen, die ihnen eben zur Verfügung standen – mit allen Vorbehalten und Einschränkungen… oder sie wären gezwungen gewesen zu schweigen (was Israel offensichtlich lieber gewesen wäre, aber ziemlich unrealistisch). Auch nach dem Krieg ist mir die offizielle israelische Kooperationsbereitschaft zur Offenlegung/ Überprüfung von Quellen irgendwie entgangen…

  2. Was verstehst du denn bitteschön unter einer unabhängigen Quelle!?

    Die Quellen, die uns immer von israelischen Massakern und Menschenrechtsverletzungen erzählen, meist ohne Beweise, nur auf Basis von Hörensagen, wie damal in Jenin und heute in Gaza!? Also im Vergleich dazu sind die etablierten israelischen Zeitungen (aber auch die Sprecher von Armee und Regierung) *extrem* glaubwürdig. Auch und gerade, wenn es (auch wenn du das nicht glauben magst) um das Eingestehen von Fehlern geht:

    http://wahrheitgraben.wordpress.com/2009/04/26/israel-gesteht-fehler-ein/

  3. @ willow
    Danke für Deine Links, die ich – in der gebotenen Kürze – kommentieren möchte, da sie mir doch etwas einseitig eingefärbt zu sein scheinen…

    Ein Artikel der Jerusalem Post, der auf einer Untersuchung der israelischen Armee basiert… na ja, unter einer unabhängigen Quelle verstehe ich ein bißchen was anderes: Neben der Skrupellosigkeit der Hamas bestätigt er v.a. meine These, daß die praktisch generalstabsmäßige Übernahme einer ganzen Station des Shifa-Krankenhauses durch die Hamas in keinem Fall zu verhindern gewesen wäre (mit oder ohne Deinen Lieblingsfeind Mads Gilbert). Insofern reduziert sich alles auf die von Dir ja halbwegs beantwortete Frage, ob die Israelis hier dem humanitären vor dem militärischen Aspekt den Vorrang hätten geben sollen.

    Mag sein, daß Dir dieser Einfall immer noch etwas weltfremd erscheint – Krieg ist Krieg, das ist mir auch klar und dabei kann auch mal das UN-Vorratslager abbrennen. Mir geht es hier nicht um den Einzelfall, sondern darum, daß eine rote Linie überschritten wurde, weil Vorfälle dieser Art viel zu häufig und v.a. viel zu selbstverständlich passiert sind. Wenn Du aber wissen willst, was *ich* für weltfremd halte: zu glauben, man könne jeden UN-Mitarbeiter so überprüfen, daß es ausgeschlossen wäre, daß er nicht zu Hause in seinem stillen Kämmerchen Bomben bastelt. DAS ist unrealistisch!

    Was Deinen nbfs-Link betrifft: Da hast Du ja glatt mal einen Fall gefunden, wo die UN die Hamas kritisiert! Aber, Scherz beiseite, das ist natürlich ein merkwürdiger Vorgang… Normalerweise würde ich eine Website mit einem solchen Titel wegen mangelnder Seriosität gar nicht weiterlesen und gleich ins Museum für Ewiggestriges befördern. Immerhin wiegt der Witz mit dem Bären und dem Honigtopf die Sache einigermaßen wieder auf und ich gehöre zu denjenigen, die eine gelungene Pointe gerne dem kleinlichen Hickhack vorziehen, das sonst so veranstaltet wird.

    Zumeist ist die proisraelische Seite ja so fixiert darauf, sich keine Blöße zu geben, daß sie gar nicht bemerkt, daß genau das ihre Blöße ist: Auf den Außenstehenden wirkt das in weiten Teilen wie Indoktrination und Propaganda und überzeugt leider keinen, der nicht von vornherein sowieso schon der gleichen Meinung war. Denk mal darüber nach…

    Hasta la vista, Willow!

  4. Ehrlich gesagt erschlagen – ich müßte ja für eine ausführliche Antwort ebensolche ellenlangen Texte „verbrechen“, eher noch viel längere, wenn ich auf alles eingehen würde….

    Aber auf konkrete Fragen zu antworten ist weniger anstrengend 😉 und sprengt auch nicht so den Rahmen.

    Im Westen das ja interessanterweise nicht so thematisiert, aber die Hamas-Führung hat sich ausgerechnet ein Krankenhaus zum Hauptquartier gemacht – angeblich befand sich der Kommandobunker unter der Säuglingsstation… wie auch immer, das mit dem Krankenhaus ist jedenfalls unstrittig.

    http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1239710759267&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

    Wenn du jetzt einfach mal nach „Mads Gilbert Gaza“ suchst, findest du einen engagierten Mediziner, der immer wieder in den Medien auftaucht und sehr dramatisch die Verbrechen der Israelis anprangert. Rate mal, in welchem Krankenhaus der arbeitet…

    ***

    http://www.welt.de/politik/article1980432/UN_Schulrektor_baute_nachts_Bomben.html
    http://www.reuters.com/article/middleeastCrisis/idUSL05686115

    hier etwas älter, dafür auf Hagalil: http://www.nahost-politik.de/un/ambulanzen.htm

    wobei dieser hier auch gut demonstriert, wie UNRWA „tickt“:  … http://nbfs.wordpress.com/2009/02/17/am-abgrund-der-dummheit/

  5. Na, Willow? Bist du erschlagen von meinen seitenlangen Monologen oder überzeugt von meinen Argumenten oder steigst Du einfach nur aus, wenn die Antworten der anderen nicht Deinen Wünschen und Erwartungen entsprechen? …In einem dieser Punkte gelobe ich Besserung!

    Im übrigen ist mir klar geworden, wie sehr Dir das mit der UN und den NGO’s am Herzen liegt. Es ist nicht so, daß das an mir einfach nur abperlt, so als hättest Du nichts gesagt… Daß in Krankenwagen Waffen und Kämpfer der Hamas transportiert wurden, ist so naheliegend, daß ich das selber auch glaube – so etwas brauchst Du mir nicht zu beweisen. Daß aber UN-Einrichtungen z.B. zur Waffenproduktion genutzt worden sein sollen – ein Vorgang, der sich zumindest über Wochen oder Monate erstreckt haben muß – und dies auch noch mit Billigung der Verantwortlichen: Dafür hätte ich schon ganz gern Belege. Also, wenn Du hier über halbwegs unabhängige Quellen verfügst (irgendwelche Kronzeugen/ Aussteiger aus dieser Szene wird’s ja wohl geben) – dann her damit!

    Willow, Du kannst nicht von mir erwarten, daß ich meine Position zur UN und *sämtlichen* NGO’s von heute auf morgen um 175 Grad ändere – genauso wenig, wie ich offensichtlich von Dir erwarten kann, daß Du auf einmal anfängst, die israelische Führung zu kritisieren. Immerhin halte ich Deinen Standpunkt nicht für völlig abwegig – er ist vertretbar, legitim. Und ich denke auch darüber nach… Allerdings könntest Du mir in Zukunft die Sache sehr erleichtern, wenn Du das, was ich sage, auch in irgendeiner Form reflektieren würdest und Deinen Diskussionspartnern nicht das Gefühl gibst, gegen eine Wand zu reden.

  6. @ willow
    Einer der Hauptgründe für meine „vielenvielen“ Worte liegt in dem Umstand, daß ich ständig damit beschäftigt bin, alle möglichen Mißverständnisse und Fehlinterpretationen Deinerseits (und anderer, die dies hier lesen) von vornherein zu vermeiden. Wenn Du nur die geringste Möglichkeit hast, etwas falsch zu verstehen, dannn tust Du das häufig auch… scheint auch eines von Murphy’s Gesetzen zu sein – unten liefere ich Dir noch ein schönes Beispiel dafür!

    Was meine Antwortbereitschaft auf Deine Fragen betrifft, so habe ich mich bisher nur bei einer einzigen eher bedeckt gehalten – nämlich die nach der tatsächlichen Neutralität von UN- und NGO-Hilfseinrichtungen… und das aus gutem Grund: Ich verfüge nicht über genügend unabhängige Informationen, um dies zufriedenstellend beantworten zu können. Wenn Du aber unbedingt meine *Meinung* dazu wissen willst: Internationale Hilfsorganisationen operieren fast immer in Krisengebieten, in denen sie gezwungen sind, sich irgendwie mit den jeweiligen Machthabern zu arrangieren, damit sie überhaupt ihre Arbeit leisten können. Bis zu einem gewissen Grade sind sie dadurch erpressbar – es gibt genug Regime, die ihre eigene Bevölkerung lieber umkommen lassen, bevor sie bereit wären, Hilfe (und Einfluß) von außen anzunehmen, s. Birma. Das ist eine Gratwanderung, bei der auch die UN und NGO’s Fehler machen… es bedeutet aber nicht, daß die UN gegen Israel „kämpft“ – sie verhindert nur nicht immer den Mißbrauch ihrer Einrichtungen, weil die Versorgung der Zivilbevölkerung eine höhere Priorität besitzt. Allerdings erfordert die Wahrung der Neutralität natürlich eine generelle Konfliktbereitschaft gegenüber allen, die sie bedrohen und selbstverständlich bin ich bereit, dies genauer zu überprüfen – mehr kann ich Dir im Moment in diesem Punkt aber nicht bieten.

    Dein Einwand, daß die Hamas alle lukrativen UN- und NGO-Posten besetzt hätte, entkräftet meine Argumentation nicht im geringsten: Selbst wenn sämtliche Mitarbeiter dieser Einrichtungen Hamas-Mitglieder wären, überwiegt die humanitäre Bedeutung den militärischen Mißbrauch bei weitem.

    Die Frage, warum UN und Weltgemeinschaft die Hamas-Regierung nicht stärker für die Raketenangriffe kritisieren, würde von mir einen weiteren (mit ziemlich viel Spekulationen angereicherten) Essay erfordern… Ich will mal drei Aspekte – von geschätzten 42 – herausgreifen: Wenn es keine einschlägigen UN-Beschlüsse gibt, liegt das wohl an den schon besprochenen Mehrheitsverhältnissen – wobei ich die UN nicht als den monolithischen Block betrachte, für den Du sie hältst. Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, daß der UN-Generalsekretär noch nie etwas zu diesem Thema gesagt hat. Zudem ist die Hamas keine offiziell anerkannte Regierung eines offiziell anerkannten Staates, sondern eher ein kurzfristig existierender lokaler Machtfaktor und insofern als Adressat einer Kritik nur schwer faßbar. Im übrigen sind 32 Opfer in knapp 8 Jahren, d.h. durchschnittlich 4 Tote pro Jahr, nicht sonderlich spektakulär – leider reißt so etwas die Welt-Medienöffentlichkeit nicht gerade vom Hocker (es liegt unterhalb einer gewissen Wahrnehmungsschwelle)… Hier spielen also eine Menge Faktoren eine Rolle und beweisbar ist letztlich fast nichts.

    Willow, wie kommst Du eigentlich darauf, daß ich mich monatelang in den besetzten Gebieten aufgehalten hätte? Ich war fast ausschließlich im israelischen Kernland… Mit den jüdischen Israelis habe ich dabei nur positive (oder neutrale) Erfahrungen gemacht, mit den muslimischen Arabern (bis auf zwei, drei Ausnahmen) sehr schlechte – mit den Beduinen dagegen sehr gute (weiß nicht, ob das Zufall war, jedenfalls ist ihnen auf diese Weise die Ehrenrettung des Islam gelungen). Allein, wenn ich an meine persönliche Bewegungs- und Handlungsfreiheit denke, muß ich keine Sekunde lang überlegen, ob mir ein Israel unter jüdischer oder unter muslimisch-arabischer Führung lieber wäre – nur, unter einer besseren jüdischen Führung wäre es mir eben *wesentlich* lieber! Und im übrigen ist irgendwann der Punkt erreicht, wo es nicht mehr um meine persönlichen Vorlieben und egoistischen Interessen geht…

    An Jericho bin ich übrigens nur vorbeigefahren. Und weißt Du, welche Erinnerungen ich mit Jericho verbinde? Dort gab (gibt?) es einen ziemlich abschüssig verlaufenden, kleinen Bewässerungskanal, der in ein Wassersammelbecken mündet – die genialste Wasserrutsche der Welt! Da sie eigentlich keinen Anfang besitzt und eine beachtliche Strömungsgeschwindigkeit herrscht, kann man sich nicht hineinsetzen – man muß sich fallenlassen… ein Heidenspaß jedenfalls. Im Wasserbecken landet man dann in einem Strudel, aus dem es gar nicht so einfach ist herauszukommen. Aber es gibt genug helfende Hände, die einen notfalls herausziehen, falls man es selber nicht schafft. Das ganze geht so lange, bis die Hose, die man anhat, durchgescheuert ist – auch bei Jeans ist das leider ziemlich schnell der Fall… Ja, das waren noch friedliche Zeiten! Seitdem habe ich mich mit ganz anderen Dingen beschäftigt als mit Israel und dem Nahostkonflikt… Umso schockierender ist es für mich, aus dieser zeitlichen und räumlichen Distanz heraus mal wieder einen Blick darauf zu werfen und zu sehen, was mittlerweile alles schiefgelaufen ist.

    Willow, ich weiß es wirklich zu schätzen, daß Du zum ersten Mal überhaupt zwei meiner Fragen beantwortet hast – und von einem „verlorenen Krieg“ zu sprechen, fällt Dir sicherlich nicht leicht. Trotzdem kann ich Deine Antwort nicht einfach so stehen lassen… Du argumentierst aus der Sicht des einzelnen Soldaten, womit Du bei mir prinzipiell offene Türen einrennst: Ich bin die letzte, die auf einem jungen Soldaten oder Wehrdienstleistenden, der sich in einer tatsächlichen oder vermeintlichen Notwehrsituation befindet, herumhacken würde. Und solange er nicht innerlich dazu bereit ist, jedem Zivilisten einen Sprengstoffgürtel anzudichten, um ihn anschließend zum Freiwild zu erklären, werde ich mich mit Vorwürfen zurückhalten. Er ist, wie schon gesagt, nur das letzte Glied in der Kette.

    Die Entscheidung, das UN-Vorratslager und die Krankenhäuser zu beschiessen, ist jedoch keine, die nur auf operativer oder taktischer Ebene getroffen worden sein kann… von irgendwelchen Soldaten in der „Hitze des Gefechts“. Dafür geschah die Beschiessung der internationalen Hilfseinrichtungen viel zu häufig (wäre ich böswillig, müßte ich sagen: viel zu systematisch). Es muß zumindest von höherer militärischer und politischer Stelle eine generelle Freigabe dafür gegeben haben, Hilfseinrichtungen, in denen sich Hamas-Stellungen befinden, so zu behandeln, wie jedes x-beliebige andere militärische Ziel – unabhängig von ihrer humanitären Bedeutung. Offensichtlich hat die israelische Führung keinerlei Anweisungen erteilt, diese Ziele – nach Möglichleit – auszusparen: Und das ist nicht nur ein propagandistischer Fehler, den die Hamas ausschlachten konnte – es ist ein moralischer, weil es zu einer unnötig hohen Zahl an zivilen Opfern geführt hat!

  7. @ Andy
    Ich antworte Ihnen, weil Sie offensichtlich wirklich glauben, was Sie da über mich schreiben… Vielleicht haben Sie nicht gelesen, daß es mir keineswegs darum geht, Israel alle möglichen Reglementierungen oder Beschränkungen aufzuerlegen, bis es verteidigungsunfähig wäre – auch meine Argumentation läuft nicht darauf hinaus: Ich spreche Israel weder das Existenz- noch das Selbstverteidigungsrecht ab und habe auch ein gewisses Verständnis für den gegebenen Kriegsgrund.

    Alles, worüber wir hier sprechen, sind *einzelne Aspekte* der Kriegsführung – insbesondere, ob die israelische Seite auf den Beschuß des UN-Vorratslagers und der Krankenhäuser hätte verzichten können/ sollen:
    1. Dies ist überhaupt keine „Glaubensfrage“, zu der Sie das Ganze hier hochstilisieren wollen.
    2. Es handelt sich auch nicht um einen Punkt, der kriegsentscheidend gewesen wäre, also über Sieg oder Niederlage entschieden hätte.
    3. Außer Ihnen spricht hier auch niemand von Kriegsverbrechen – ich habe bereits festgestellt, daß die israelischen Soldaten selbstverständlich in dieser Situation das Recht hatten zurückzuschießen (wobei wir die Frage nach der Legitimität des Kriegsgrundes ausgeklammert haben).
    4. Ich glaube lediglich nicht, daß es Bestandteil des „zionistischen Projekts“ ist, Zivilisten zu töten – soweit dies in einem asymmetrischen Krieg mit vertretbaren Risiken für die eigene Seite vermeidbar ist und nur darum geht es.

    Haben Sie schon vom Unterschied zwischen destruktiver und konstruktiver Kritik gehört? Die eine schwächt – die andere macht stärker… vielleicht sollten Sie es auch mal mit konstruktiver Kritik versuchen: wahlweise bei mir, bei Israel oder bei sich selber! Glauben Sie ernsthaft, daß ich mir so viel Mühe geben würde, meine Ansichten zu begründen und meine Gesprächspartner von meinen Argumenten zu überzeugen, wenn es mir nur darum ginge, zu verletzen und zu zerstören?

    Jeder Prozeß des Nachdenkens löst eine gewisse Verunsicherung aus – das ist aber auch wirklich die einzige Art von „Verunsicherung“, die von mir ausgeht und der ich mich selber ja ebenso stelle… So etwas muß man nicht mitten in einem Krieg tun: Aber der Krieg ist vorbei, Andy – vielleicht könnten auch Sie sich dazu durchringen, ihn nicht bis in alle Ewigkeit fortzusetzen!

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