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Bester Film 2008: „Waltz With Bashir“

US-Filmkritiker haben den dokumentarischen Trickfilm „Waltz With Bashir“ des israelischen Produzenten Ari Folman zum besten Film des Jahres 2008 gekürt. Das gab das Magazin „Variety“ bekannt…

NEW YORK (inn) – Der Film ist eine israelisch-deutsch-französische Koproduktion. Er gilt als das außergewöhnlichste Kinoereignis des vergangenen Jahres. In dem animierten Dokumentarfilm begibt sich Folman auf eine Reise in seine Vergangenheit während des ersten Libanonkrieges 1982.

Die Auszeichnung wurde von der US-amerikanischen „National Society of Film Critics“ (NSFC) verliehen. Der 1966 gegründeten Gesellschaft gehören etwa 60 namhafte Filmkritiker an. Sie vergeben jährlich den „National Society of Film Critics Award“ für verschiedene Kategorien. Der Preis gilt neben dem „Oscar“ und dem „Golden Globe Award“ zu den begehrtesten Filmpreisen.

Ari Folman: Nachdem Ari Folman Mitte der achtziger Jahre seinen Militärdienst abgeleistet hat, erfüllt er sich seinen Traum, mit dem Rucksack auf dem Rücken einmal um die ganze Welt zu reisen. Zwei Wochen und zwei Länder später jedoch kommt er zu dem Schluss, dass Reisen seine Sache nicht ist. Also mietet er sich in Südostasien in ein Gästehaus ein und schreibt Briefe an seine Freunde zu Hause – Briefe, in denen er den perfekten Trip von A bis Z erfindet. Nachdem er ein Jahr lang an einem Ort geblieben ist und die Früchte seiner unbändigen Fantasie niedergeschrieben hat, kommt er zu der Überzeugung, es sei an der Zeit, nach Hause zurückzukehren und Film zu studieren.

Zur Produktion: Am Anfang war die Recherche. Das Hauptkonzept bestand darin, ein einzelnes Ereignis aus dem Libanon-Krieg 1982 zu analysieren. Autor und Regisseur Ari Folman war damals ein junger Mann von 19 Jahren und Sergeant in der Infanterie der Israelischen Armee. Er nahm an einigen harten Kämpfen an der libanesischen Westfront teil. Bei der ursprünglichen Recherche wurde versucht, ein vorläufiges Mosaik über eine Woche dieses Kriegszugs zu erstellen, von Anfang an mit dem klaren Ziel vor Augen, das Material als Animationsfilm „rüberzubringen“.
Je länger die Recherche andauerte, umso mehr erkannte Folman, dass er ein persönliches Konzept erschaffen musste, um dem gefundenen Material eine Form zu geben, die sich für die Handlung eines Spielfilms eignen würde. Nach und nach bildete sich die Idee heraus, die Struktur des Films nach Aris persönlicher Geschichte zu gestalten – einer Geschichte, die in seiner Erinnerung nicht mehr vorhanden war. Das Ziel des Films würde sein, die verloren gegangene Erinnerung durch die Reisen zu den Menschen, mit denen er im Krieg gedient hatte, wiederzubeleben.
Die seltene Form eines animierten Dokumentarfilms wurde in der Tat für WALTZ WITH BASHIR erfunden. Auf der Grundlage der Recherchen wurde zunächst ein vollständiges Drehbuch geschrieben. Dieses Drehbuch wurde in einem Studio auf Video verfilmt. Es beinhaltete Interviews mit den Figuren des Films und Dramatisierungen der Geschichten, die sie in den Interviews erzählten. Dies diente später den Animatoren als Vorlage für ihre akkurate Arbeit. Innerhalb von acht Monaten wurde der Film geschnitten. Nach Testvorführungen und Abnahme des fertigen Videofilms wurde an Hand der Videoversion ein detailliertes und präzises Storyboard erstellt. Aus den Zeichnungen des Storyboards wurde dann ein Videoboard erstellt – in der Fachsprache „Animatic“ genannt.
Die Animatic wurde geschnitten und auf eine große Leinwand projiziert, um zu prüfen, ob das Thema des Films und die Essenz des Dramas den Vorgaben und Vorstellungen entsprachen. Nach Abnahme der Animatic entstanden daraus dann einzelne Illustrationen, die von führenden israelischen und ausländischen Illustratoren gezeichnet wurden. Die fertigen Illustrationen wurden schließlich animiert, und sie sind es, die WALTZ WITH BASHIR zur ersten animierten Dokumentation der Filmgeschichte machen. Dieser ganze Prozess ist eine wahrhaft anstrengende Sisyphos-Arbeit. Es gibt jedoch keine Möglichkeit, das alles abzukürzen, wenn man ein Endergebnis anstrebt, das qualitativ hochwertige Animation und ungewöhnlich glaubwürdige erzählerische Präzision miteinander verbindet. Eine Animatic, auch Story Reel genannt, ist ein gefilmtes Storyboard. Dabei werden die Einzelbilder des Storyboards zusammengeschnitten und gegebenenfalls rudimentäre Dialoge und ein Soundtrack hinzugefügt. Damit kann zum einen geprüft werden, ob das Timing der Dramaturgie im fertigen Film stimmt, und zum anderen, ob Soundtrack und Film zusammen passen.

http://waltzwithbashir.com