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Verhältnismäßig

Vielleicht kein anderes Wort wird diese Tage soviel benützt wie „verhältnismäßig“, das in der Regel unmittelbar vor der Bilanz der Toten und Verwundeten steht. Immer wieder kommt die Beschuldigung, Israel würde unverhältnismäßig reagieren und manchmal vorwurfsvoll, dass Israel so viel weniger Tote zu beklagen hat…

Von Karl Pfeifer

Wäre ich zynisch, dann würde ich sagen, dass man Israel auch dann einen Vorwurf machen würde, wenn es auf jede blinde Rakete, die aus Gaza abgefeuert wird mit einer ebensolchen reagieren würde.

Ich aber benütze dieses Wort im österreichischen Zusammenhang. Ist denn die hier laut werdende (Schmäh-)Kritik an Israel verhältnismäßig? Warum gab es so viel weniger Schmähungen und Kritik am Vorgehen der vom Sudan vor geschickten muslimischen Reitermilizen in Darfur, warum hatten wir hier keine großen Demonstrationen als die russische Armee Grosny in Asche und Trümmer legte. In beiden Fällen waren und sind die Opfer zumeist Muslime.

Die Frage muss auch gestellt werden, weshalb die Funktionäre der Islamischen Glaubensgemeinschaft keine Solidaritätsdemonstration mit den zweihunderttausend muslimischen Opfern, die in Darfur von Muslimen umgebracht wurden, veranstaltete.

Edward N. Lutwak erklärt dazu: „Muslimen ist Darfur gleichgültig, weil ihre Wut nicht humanitär, sondern theologisch ist – dem Koran zufolge sind die Juden angeblich schwach und feige, sodass Israels militärische Überlegenheit grässliche Zweifel an der Wahrhaftigkeit der islamischen Religion selbst schürt. Zwar sind die Opfer in Darfur auch Muslime, das gleiche jedoch gilt für ihre Mörder, folglich wurde von muslimischer Seite nie protestiert.“

Viele Liberale und Linke weigern sich beharrlich diese theologische Seite des Problems zur Kenntnis zu nehmen. Wer trotzdem solche Gedanken ausspricht, der bekommt zu hören, dass doch die Juden aus ihrer Verfolgung hätten lernen müssen und oft genug wird die Lage in Gaza mit dem Warschauer Ghetto verglichen. Woher kommt dieser Drang so vieler, das israelische Vorgehen mit dem der Wehrmacht und der Waffen SS gleichzusetzen?

Ob dieses tiefe psychologische Bedürfnis entstanden ist, weil man weiß, dass die Juden als sie vollkommen schutzlos waren, in der Regel im Stich gelassen wurden, dass man sie nicht verteidigt hat und man es ihnen jetzt übel nimmt, dass der jüdische Staat sich verteidigt? Wie heuchlerisch, wie falsch klingen die Behauptungen, man müsse eben wegen des Holocausts solidarisch sein mit den Palästinensern (die jetzt wegen der Hamas in Gaza leiden). Während der nationalsozialistischen Herrschaft konnte Solidarität mit Juden das Leben kosten oder die Verschickung in ein KZ bedeuten. Heute ist die lautstarke „Solidarität“ ein Geste, die nichts kostet und noch dazu das gute Gefühl vermittelt, jetzt könne man – wenn man nur anstatt dem Wort Jude, das Wort Zionist oder Israeli benützt – den Vorhalt machen, die Palästinenser würden das gleiche Schicksal erleiden wie die Juden unter den Nationalsozialisten.

Und wenn schon von Verhältnismäßigkeit die Rede ist, dann frage ich, weshalb die österreichische Demokratie 64 Jahre nach dem Krieg es nicht fertig bringt, den slowenischen Österreichern ihre Rechte zu gewähren, weshalb gibt es im von so vielen verteufelten Israel zwei und dreisprachige Orts- und Straßentafeln und weshalb ist das in Kärnten, wo seit vielen Jahrzehnten tiefer Frieden herrscht, nicht möglich?

heinestr