Vatikan und Pius XII.: Der Papst, der schwieg

Papst Pius XII. ist noch immer hochumstritten: Von 1939 bis 1958 im Amt, prangerte er nie den Holocaust an. Der Vatikan will ihn trotzdem seligsprechen, eine Berliner Ausstellung dient diesem Ziel…

Von Philipp Gessler, taz v. 22.01.2009

Diese Ausstellung ist ein Skandal. Und sie zeigt, wie die Reaktionäre im Vatikan triumphieren.

Man könnte beides auch vorsichtiger formulieren, diplomatischer sozusagen. Oder ganz vornehm öffentlich schweigen, weil das Thema etwas Unangenehmes hat und man sich so Feinde schafft. So wie Papst Pius XII. das zu machen pflegte – ad maiora mala vitanda, um Schlimmeres zu verhindern. Womit wir mitten im Thema wären: bei einer Ausstellung des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften. Sie ist ab dem Freitag im Neuen Flügel des Berliner Schlosses Charlottenburg zu sehen und zeigt das Leben des umstrittensten Papstes der letzten hundert Jahre: Pius XII.

Eugenio Pacelli, so der bürgerliche Name von Pius XII., lebte von 1876 bis 1958 – in seinen letzten 19 Jahren saß er auf dem Thron Petri. Pacelli soll selig gesprochen werden, es ist die Vorstufe zur Heiligsprechung. Der heutige Papst Benedikt XVI. hat das Dekret zur Seligsprechung des asketischen Intellektuellen schon unterschriftsreif auf seinem Schreibtisch, wenn man richtig deutet, was sein Sprecher Federico Lombardi jüngst gesagt hat. Doch Joseph („Wir sind Papst“) Ratzinger zögert noch, braucht noch Zeit „zur Vertiefung und zur Reflexion“, so Lombardi. Der Grund ist klar: Kann man einen Papst seligsprechen, der zum Holocaust schwieg?

Hoppla, das ist jetzt rausgerutscht! Die Berliner Ausstellung besagt dagegen: „Pius XII. hat zum Holocaust nicht geschwiegen“, so die Ausstellungsmacher in einem Begleittext. „Jeder, der die biografische Ausstellung über Pius XII. ohne ideologische Scheuklappen betrachtet, wird feststellen, dass der Vatikan hier nicht Apologetik, sondern sachliche Aufklärung leistet.“ Die Ausstellung ist „auf Wunsch des Papstes organisiert worden“, betonte Walter Brandmüller bei der Vorstellung der Schau. Der Prälat ist der Präsident des päpstlichen Komitees und der Hauptverantwortliche für die Ausstellung mit dem Titel „Opus Iustitiae Pax. Eugenio Pacelli – Papst Pius XII“.

Der Kern der Ausstellung, die bisher nur in einem Flügel der Kolonnaden des Vatikans am Petersplatz zu sehen war: Raum 7. Mit der dreisten Überschrift an der Stirnwand: „Hier hören Sie das Schweigen des Papstes.“ Zu sehen ist eine Bronzebüste von Pius XII. vor einem alten Mikrofon. Dahinter an der Wand der angebliche Beweis, dass der Schweige-Papst zum Völkermord an den Juden eben nicht geschwiegen habe.

Dieser angebliche Beweis ist ein Zitat aus der Weihnachtsansprache von Pius XII. am 24. Dezember 1942. Darin sagte der Papst: „Dieses Gelöbnis schuldet die Menschheit den Hunderttausenden, die persönlich schuldlos bisweilen nur um ihrer Volkszugehörigkeit oder Abstammung willen dem Tode geweiht oder fortschreitender Verelendung preisgegeben sind.“ Daneben steht, weil wohl doppelt gemoppelt besser hält, ein Zitat des Papstes vor seinen Kardinälen am 2. Juni 1943. Er sagte, seine „besonders innige und bewegte Anteilnahme“ gelte denjenigen, „die wegen ihrer Nationalität oder wegen ihrer Rasse von größtem Unheil und stechenderen und schwereren Schmerzen gequält werden und auch ohne eigene Schuld bisweilen Einschränkungen unterworfen sind, die ihre Ausrottung bedeuten“.

Das wars. Das also ist der offizielle Beleg des Vatikans dafür, dass der erwiesenermaßen wohlinformierte Pius XII. angesichts eines Völkermords an sechs Millionen Menschen mitten in Europa nicht geschwiegen habe. Das Wort Juden kam Pacelli nicht über die Lippen, Massenmord oder Hitler erst recht nicht. Dafür irritierende Relativierungen wie „persönlich schuldlos bisweilen“, „auch ohne eigene Schuld bisweilen“ oder „Einschränkungen“, was schon fast euphemistisch klingt. Der damalige britische Gesandte beim Heiligen Stuhl erklärte angesichts der mehr als schwammigen Worte des Papstes zum Judenmord, seine Rede könnte „ebenso gut das Bombardement deutscher Städte gemeint haben“. Und diese windelweichen Andeutungen von Pius XII. dienen dem heutigen Papst und den Ausstellungsmachern als Beleg dafür, dass der Schriftsteller Rolf Hochhuth völlig falsch lag, als er in seinem „Stellvertreter“ 1963 schrieb: „Ein Stellvertreter Christi, der das vor Augen hat und dennoch schweigt, ein solcher Papst ist ein Verbrecher.“

Kein Wunder, dass sich Rolf Hochhuth schon im Vorfeld der Ausstellungseröffnung mit einem ihrer Macher öffentlich gestritten hat. Man kann seinen Ingrimm verstehen. Denn in der Ausstellung und bei der Vorstellung der Schau wurde und wird nicht nur sein epochemachendes Drama als unhistorisch abgekanzelt – als müsste ein Theaterstück geschichtswissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Auch die anhaltende Wut Hochhuths über den mutlos-sprachlosen Papst ist verständlich, vergleicht man etwa die verhuschte Reaktion von Pius XII. angesichts des Völkermords an den Juden mit seinem lauten, öffentlichen Protest bei der Verhaftung und Verurteilung eines einzelnen Menschen, nämlich von Kardinal Joseph Mindszenty. Dieser Primas der katholischen Kirche in Ungarn wurde von den Kommunisten im Februar 1949 wegen „Spionage“ zu lebenslanger Haft verurteilt. Pius XII. protestierte prompt vor dem diplomatischen Korps gegen Mindszentys Prozess und hielt eine Solidaritätsmesse für ihn – die Millionen Tote der Shoah waren dem Römer dagegen keine Messe wert. Übrigens heißt die Mindszenty-Tafel in der Schau „Kirche des Schweigens“. Der schweigende Papst ist nicht gemeint.

Die Nicht-Haltung des Papstes gegenüber den Juden ist auch innerkirchlich ein Skandal: Während in Deutschland und im von den Nazis besetzten Teil Europas Tausende einfache katholische Geistliche öffentlich gegen den Judenmord protestierten, Juden halfen und ins KZ verschleppt wurden, wobei über 2.000 von ihnen starben, hielt Papst Pius XII. im fernen Rom diplomatische Leisetreterei gegenüber den Nazis für das einzig mögliche Mittel. Sicher, Pius XII. hat auch vielen Juden geholfen. Er hat sie, vor allem nach der deutschen Besetzung Roms im Herbst 1943, in Klöstern verstecken lassen, was in der Ausstellung groß gefeiert wird. Die katholischen Bischöfe der Niederlande protestierten nach der Besetzung ihres Landes durch die Wehrmacht öffentlich gegen die bevorstehenden Deportationen der Juden – was die kontraproduktive Folge hatte, dass die Besatzer jetzt erst recht gezielt zum Katholizismus konvertierte Juden jagten. Aber reicht diese mögliche Angst des Papstes um seine eigenen Schäfchen als Entschuldigung dafür, zum millionenfachen Mord an den Juden zu schweigen?

Unnötig zu erwähnen, dass die Ausstellung natürlich auch die „Rattenlinie“ nicht erwähnt. Darunter versteht man die Hilfe unter anderem päpstlicher Behörden nach 1945 bei der Flucht von Nazi-Massenmördern wie Josef Mengele und Adolf Eichmann nach Lateinamerika. Darauf angesprochen, erklärte ein Mitarbeiter der Ausstellung, der Potsdamer Historiker Thomas Brechenmacher, bei der Vorstellung der Schau: Es sei klar, dass Papst Pius XII. bei dieser Hilfe für NS-Schwerverbrecher „keinen Anteil hatte“ und dies auch niemals gebilligt hätte. Der Witz ist: Das kann mit letzter Sicherheit niemand sagen. Denn die vatikanischen Archive zur Amtszeit von Pius XII. von 1939 bis 1958 werden nach Auskunft des Papstsprechers Lombardi frühestens im Jahr 2014 geöffnet.

An dieser Stelle wird die Berliner Ausstellung und die geplante Seligsprechung des wortreich-schweigenden Papstes zum Politikum. Denn ungezählte jüdische Organisationen im In- und Ausland haben bereits gegen die wohl zu erwartende Beatifikation von Pius XII. protestiert – auch mit Verweis auf die noch nicht geöffneten Archive des Vatikans. Das Verhältnis jüdischer Verbände Italiens zum Papst ist wegen der Pius-Verehrung Ratzingers und wegen dessen Förderung der tridentinischen „lateinischen“ Messe zerrüttet. Schließlich wird in dieser Liturgie für die Bekehrung der Juden gebetet. Benedikt XVI. aber pusht diese alte Messe, um den ultrakonservativen Kräfte in seiner Weltkirche zu gefallen. Diesem Ziel dienen auch die offiziellen Lobhudeleien für Papst Pius XII. Der vorkonziliäre Papst ist für viele Reaktionäre ein Symbol der angeblich so guten alten Welt des Katholizismus. Da ist es fast frech, wenn die Ausstellungsmacher wie jüngst der Papst nun versuchen, den erzkonservativen Pius XII. als angeblichen Vorbereiter des Konzils darzustellen – um seinen Kritikern Wind aus den Segeln zu nehmen. Übrigens besuchte am Donnerstag Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) im Vatikan auch das Grab Pius XII. Ausgerechnet.

So sucht das Gespenst des Pius XII. die Kirche noch heute heim. Nicht zuletzt die Pius-Verehrung hat zwischen dem Vatikan und Israel in letzter Zeit zu heftigem Streit geführt. Unter diesem schlechten Stern steht auch die für den Frühling geplante Reise des Papstes nach Israel. Im Oktober 2008 erklärte der israelische Minister Jitzhak Herzog, eine Selig- und Heiligsprechung von Pius XII. sei nicht hinnehmbar. Herzog ist ein Enkel des ersten aschkenasischen Oberrabbiners Israels, Isaac Herzog. Dieser hatte 1943 Papst Pius XII. um Hilfe bei der Rettung ungarischer Juden gebeten. „Mein Großvater spürte nach einer Audienz beim Papst das Bedürfnis, ein Reinigungsbad in der Mikwe in Rom zu nehmen“, erzählte sein Enkel. Man kann Isaac Herzog gut verstehen.

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88 Kommentare zu “Vatikan und Pius XII.: Der Papst, der schwieg

  1. Zurück zu Pius XII:
    Besier, Gerhard; Piombo, Francesca: Der Heilige Stuhl und Hitler-Deutschland. München 2004.
    „Dennoch waren laut Besier Pius XI. und sein Staatssekretär Pacelli überzeugt, das katholische Programm in den autoritären Staaten Europas durchsetzen zu können. Der Kardinalfehler des Vatikans und insbesondere Pacellis hätte dabei darin bestanden, trotz intimer Kenntnisse Deutschlands die dortigen Verhältnisse zu sehr durch die italienische Brille wahrzunehmen, sprich: Die radikalen Kräfte des Nationalsozialismus wurden bei weitem unterschätzt …“
    „Im Gegensatz zu anderen politisch handelnden Gemeinwesen wird der Vatikan jedoch nicht primär als Staatswesen, sondern als moralische Institution gesehen, die Wertmaßstäbe ausgibt, mit denen sie sich auch selbst messen lassen muss. Dieses Ergebnis fällt bei Besier kaum zugunsten der Nachfolger Petri aus. Der Vatikan konnte der nationalsozialistischen Weltanschauung inhaltlich nichts abgewinnen und stand ihr teilweise scharf ablehnend gegenüber, gleichwohl habe er – so Besier – den Nationalsozialismus wie die anderen faschistischen Systeme Europas zur Durchsetzung eigener weltanschaulicher Interessen benützen wollen. Dies sei im Falle Hitler-Deutschlands jedoch fundamental gescheitert und mündete in einer Katastrophe.“
    http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2005-2-052
    Das bestätigt meine Einschätzung: der Kath. Kirche ging und geht es primär um „das katholische Programm“. Wenn es der „Durchsetzung eigener weltanschaulicher Interessen“ dient schließt sie auch einen Pakt mit dem Teufel (Pius XI. Zitat nach Hesemann, siehe weiter oben im Thread).

  2. Lieber Herr Hesemann,
    Sie argumentierten geschickt. Ich habe aber schon sehr oft mit Christen diskutiert, so dass die Arg.figuren kenne. Und ich habe die folgende auch schon hier als unzulässig verworfen. Ich tue es nochmals.
    Wenn es um die guten Taten geht, wird es meistens der Organisation (hier: kath. Kirche) oder dem Obersten (hier: Pius XII.) zugeschrieben. Sie werden wohl kaum behaupten Pius XII. habe persönlich 850.000 Juden vorm Tod gerettet. Wenn überhaupt, dann waren da viele Retter beteiligt.
    Wenn es um schlechte Taten geht, dann wird differenziert. Die Organisation ist es keinesfalls; sie besteht ja nur aus Einzelnen. Und was Faulhaber tat oder andere Bischöfe (Hudal; Linzer Bischof etc.) geht allein auf deren Konto.
    Also, ich greife Ihre Anregung auf: um die zahlreichen „Guten“ in der kath. Kirche geht es hier nicht, sondern um Pius XII.!
    Es geht also nicht um die 850.000, die von vielen Guten gerettet wurden, und nicht um die 12.105 Priester (gab es so viele überhaupt in Deutschland!?), sondern um Pius XII. = Pacelli!
    Von dem sind mir drei vage Enyzkliken, die den Angriffspunkt nicht mal benennen, und 2 öffentliche mündliche Verurteilungen der NS-Verbrecher in ca. 12 Jahren viel zu wenig.

  3. Edi,
    er hat ja nicht geschwiegen. Es gab Enzyklika um Enzyklika, in denen die braune Ideologie und der braune Rassismus angeprangert wurden, nach Mit brennender Sorge (1937) noch in Summi Pontificatus (1939) und Mystici Corporis (1943). Dazu die Weihnachtsansprache von 1942 und die Allukation von 1943. Nur dass seit 1939 das deutsche Volk und damit die eigentlichen Adressaten von der Nazi-Propaganda systematisch abgeschirmt wurden…
    Der Begriff „Kretin“ gehört auch nicht zu meinem Sprachgebrauch, doch wenn Herr Schlickewitz ihn gerne benutzen möchte, bin ich der letzte, der die Nazi-Verbrecher und KZ-Schärgen in Schutz nehmen würde. Ich würde allerdings einfach nur das Wort „Abschaum“ wählen. Inakzeptabel dagegen ist es, einen Historiker und Jesuitenpater als „Affenpinscher“ und „Pavian“ zu bezeichnen.
    Herr Huber,
    Es wurden nicht 12.105 Zwangsmaßnahmen ergriffen, sondern Zwangsmaßnahmen gegen 12.105 Priester. Die Bischöfe hat sich Hitler für die Zeit nach dem Endsieg „aufgehoben“, um nicht zu viel Unruhe bei der Bevölkerung zu verursachen. Das war eiskaltes Kalkül. Im besetzten Polen wurden vier Bischöfe ermordet!
    Kardinal Faulhaber hatte seine starken und seine schwachen Momente. Aber um ihn geht es hier nicht, sondern im Pius XII.!

  4. Lieber Herr Hesemann,
    ich kann Ihre Zahl nicht überprüfen. 850.000 scheint mir extrem hoch. Sie huldigen hier einem ethischen Konsequentialismus, von dem sich ansonsten gläubige Christen vehement distanzieren.
    Mixa „hat Frauen nicht als Gebärmaschinen bezeichnet.“ Ja hat er von Eichhörnchen geredet!? Quatsch. Mixa hat Frauen (nicht alle) als Gebärmaschinen bezeichnet. Das ist vom Standpunkt eines katholischen, zolibitären Mannes > 60 Jahre verständlich. In der Kath. Kirche hat die Frau noch nie viel gegolten. Ihr Sklavenbeispiel unterstützt meine Position.
    Wer sagt: In manchen Kulturen werden Frauen wie Eigentum, wie Sklaven behandelt werden, dann ist das eine wertende, verurteilende Feststellung. Richtig: wertden und verurteilend. Ebenso wertend und verurteilend hat Mixa Frauen (nicht alle) als Gebärmaschinen bezeichnet.
    Zu IHrem 4. Auch diese Zahl bzw. daraus resultierende Relation bezweifle ich. Wahrscheinlich sind hier reine Zwangsmassnahmen gezählt. Doch manche mutige Priester erfuhren viele Zwangsmassnahmen. Von 12.105 Zwangsmassnahmen kann man nicht gültig auf Zwangsmassnahmen gegen 12.105 Priester schliessen.
    Es ist IMO auch wenig zielführend diese Zahlen hochzuhalten, da es sehr viele Gegenargumente gibt.
    1) Tausende von Priester waren dem NS-Regime willfährig.
    2) Bischöfe waren nicht im KZ. Warum wohl?
    3) Faulhaber in einer Predigt am 6. Nov. 1938: 1. Pflicht ist es den rechtmässigen Staat zu bejahen; einordnen! 2. Pflicht: Ehrfurcht und Gehorsam der weltlichen Obrigkeit.
    Bedeutend deutlicher als in der Enzyklika wird hier Unterordnung, Ehrfucht und Gehorsam vor den NS-Verbrechern verlangt.

  5. Wenn schon überhaupt in diesem Zusammenhang das Wort „Kretin“ in Erwähnung gebracht werden könnte, dann nur so, dass als „Kretin“ bezeichnete von den Nazi-Herrenmenschen als lebensunwert betrachtet und ermordet wurden.

    Es ist schon traurig, wie wenig Diskussionskultur gewahrt wird, wie schnell zivilisatorische Standards über Bord gehen. Trotzdem war die Diskussion über weite Strecken sehr interessant. Mich interessiert dabei auch immer etwas über das Selbstverständnis der Akteure zu erfahren.

    Es bleibt: Wer sonst hatte, während der gesamten Nazizeit, die Gelegenheit große Teile der Bevölkerung mindestens einmal wöchentlich anzusprechen, von der Kanzel herab?
    Zwölf Jahre lang von solch exaltierter Position, vor einem dringend auf moralische Wegweisung angewiesenen Volk zu stehen und zu schweigen, das ist ein Menschheitsverbrechen, ein bitteres Versagen, ohne Vergleich. In Ewigkeit, Schande! In Ewigkeit sollten sie schweigen auch weiterhin. Pfui Teufel!!!

  6. Würde mir wünschen, dass das hier ein Ende findet, es ist festgefahren und Neues wohl kaum mehr zu erwarten.

    Bleibt die Hoffnung, dass die Archive des Vatikan möglichst bald zugänglich gemacht werden.

    Fakt allerdings ist und bleibt unwidersprechbar, dass der christliche Antijudaismus das jüdisch-christliche Verhältnis über die Jahrhunderte außerordentlich geprägt, das Denken und Fühlen weitester Teile der Bevölkerungen und auch des Klerus, selbstverständlich, im Zuge eines tatsächlich phylogenetischen Lernprozesses bestimmend determiniert hat.

    Der moderne Antisemitismus und damit auch der Rassenantisemitismus, Staatsideologie des nationalsozialistischen Deutschland, ist ohne christlichen Antijudaismus, dem Jahrhunderte lang andauernden Hass auf die Juden, als Vorläufer nicht denkbar.

    Hass ist, psychoanalytisch, immer mit dem Wunsch verbunden, dass gehasste Objekt zum Verschwinden bringen zu wollen, aus der Welt zu schaffen.

    Hier liegt auch die Erklärung dafür, dass im nationalsozialistischen Deutschland, in der Wehrmacht und auch innerhalb der von diesem besetzten Gebieten durchgängig sowohl kein Mangel an willigen Helfern herrschte, als auch das Verschwinden der Juden derart widerstandslos hingenommen worden ist.

    Bis heute fehlt die Einsicht, fehlt jegliches Verlustgefühl, ist die Annahme der Shoa in Verbindung mit Empathie, mit echt empfundener Trauer um die Opfer völlig abwesend.

    Statt dessen wird mit großem Aufwand nur Schuldabwehr und immer nur Schuldabwehr kultiviert, so auch von der Kirche, leider.

    Also – ich würde mir wirklich wünschen, dass, nicht zuletzt im Bewusstsein um den Holocaust, dieses unwürdige Geplänkel hier nun endlich ein Ende finden könnte!

    .

  7. Verehrte Bedenkenträgerin,

    finden Sie nicht, dass Sie Ihre Kritik etwas einseitig austeilen?

    Ich habe Herrn Hesemann der mehrfachen Unsachlichkeit, der Polemik und der Diffamierung („geifernder Fanatiker“ etc.)überführt.

    Auch Herr Huber und jim kritisierten seine fragwürdige Argumentation, bzw. konnten dieser nicht folgen.

    An Herrn Hesemann finden Sie nichts auszusetzen?

    Sind Sie seine Parteigängerin, kämpfen Sie mit für seine Sache? Für die fortgesetzte Verdummung Deutschlands, gegen Aufklärung und Durchblick für den Bürger? Oder warum kritisieren Sie nur mich?

    Bezüglich „halluzinatorischer Paranoia“: Maßen Sie sich wirklich an, dies gerecht beurteilen zu können?

    Überlegen Sie einmal! Da kommt einer auf die Idee, über Minderheiten zu forschen, aus eigenem Antrieb und auf eigene Kosten, ohne Unterstützung vom Staat, ohne Geld von einem Sponsor oder von sonst wem. Forscht über ein Unthema, über ein Thema, das Deutsche meiden wie der Teufel das Weihwasser, über die misslungene Integration von Ausländern (ich habe zunächst über Jugoslawen bzw. Serben in Berlin geschrieben).

    Es gibt Studien, die nachweisen, dass in keinem westeuropäischen Land Migranten es mit der Akzeptanz durch die Bevölkerung so schwer hatten wie bei uns. Studien, deren Resultate von den Soziologen wie von der Presse zurückgehalten und nicht veröffentlicht wurden und werden. Wegen ihrer wahrlich erschütternden Charakterisierung unserer deutschen, arbeitsorientierten, inhumanen Gesellschaft.

    Dann komme ich und breche mit meinen Forschungen und deren Veröffentlichung dieses Tabu. Mehr noch, ich widme mich auch noch einem Kapitel deutscher Sozialgeschichte, dass bewusst totgeschwiegen wurde, zu dem es bis dahin keine einzige umfassende Studie je gab, aus guten Gründen, wie Sie meiner Sinti-und-Roma-Chronik entnehmen können.

    Absehbaren Wiedergutmachungsforderungen in Milliardenhöhe durch Angehörige dieser Minderheit in Europa wollte man bei uns dadurch entgehen, dass man bewusst nicht näher und mehr zum Thema „Zigeuner“ forschte.
    Während etwa in Frankreich und in der Slowakei seit langem Institute zur Erforschung von Sinti und Roma existieren, gab es bei uns sehr lange gar nichts und erst seit relativ kurzer Zeit zwei Einrichtungen, deren Forschungen noch am Anfang stehen und deren Tätigkeiten jedenfalls noch zu keiner umfassenden Studie geführt haben, die allgemein erhältlich oder einsehbar wäre.

    Mit meiner Chronik habe ich als erster so eine Studie vorgelegt.
    Die Rezeption bzw. Akzeptanz jedoch war bescheiden. Außer von den Angehörigen der Minderheit, außer von deren Betreuern und einigen wenigen Spezialisten kaum ein Interesse an meiner Arbeit. Vor allem die etablierte Wissenschaft rümpfte die Nase. Die Presse ließ ebenfalls nach kurzem anfänglichem Interesse lieber die Finger von einer derart ‚heißen Kartoffel‘.

    Ich greife in der Chronik schließlich die Politik, die Kirchen, die Parteien, Ikonen deutschen Kulturlebens, deutsche Mythen und das deutsche, geradezu lächerlich idealisierte, Eigenbild an.

    Alles Dinge, die man lieber nicht an- oder aufgreift in einem Land, das Jahrhunderte lang an Minderheiten solche Verbrechen verübt hat, wie nirgendwo sonst. Denn, wie Sie allen gängigen Nachschlagewerken entnehmen können, man verschwieg und verschweigt, die Minderheitengeschichte soweit wie möglich.

    In meinen Beiträgen für haGalil habe ich den Umgang der Lexika mit Angaben zu Martin Luther und den Juden, zu Brunnenvergiftungslegenden, zu Ritualmordmärchen etc. untersucht und beschrieben; Sie können sie gerne nachlesen; Fazit – unsere Nachschlagewerke unterschlagen uns die historische Wahrheit, verschweigen uns unsere eigene, wenig ruhmreiche Minderheitengeschichte.

    Was glauben Sie, was passierte, wenn der deutsche Bürger großflächig feststellen würde, dass er von seinen Gelehrten, seinen Eliten, von seinen Politikern so betrogen, so um seine eigene Geschichte gebracht wurde?

    Ein breiter Vertrauensverlust in die Politik wäre die Folge. Gerade jetzt, in wirtschaftlich schweren Zeiten ein höchst unerwünschter Verunsicherungsfaktor!

    Was liegt also näher, als den Verursacher solchen möglichen Aufruhrs zum Schweigen zu bringen, ihn so einzuschüchtern, dass er endlich Ruhe gibt und nicht mehr an den liebgewonnenen Selbstlügen der Deutschen rütteln kann.

    Ich habe dem, was unter „In eigener Sache“ zu lesen ist, nichts hinzuzufügen. Ich werde weiterhin behelligt, wenn auch die schmerzhaften Attacken inzwischen auf ein schwächeres Maß heruntergefahren wurden.

    Deutschland hatte einmal eine Verfassung, die dem Bürger die Freiheit des Wortes garantierte und auf die man sich in der Regel verlassen konnte. Leider haben sich die Zeiten geändert und ich musste es büßen, weil ich für die Wahrheit eintrat.

    Mir diese Dinge zu glauben, fällt gewiss schwer, kann ich Ihnen gut nachfühlen. Ich hätte es wohl vorher auch niemandem abgenommen. Aber es ist die traurige Wahrheit.

    RS

  8. Lieber Herr Huber,

    mein Pius XI-Zitat stammt von einer Ansprache des Papstes am 14. Mai 1929 vor Studenten des Jesuitenkollegiums Mondragone, zitiert am Tag darauf im Osservatore Romano, S.1.
    Diplomtische Rücksichtnahmen statt offener Kriegserklärung ermöglichten des dem Vatikan, hinter der Maske der Neutralität Menschenleben zu retten – ganze 850.000! Das wäre im Fall eines offenen Kirchenkampfes nie möglich gewesen.
    Wenn Sie Christen als Getaufte definieren, dann waren die Nazis tatsächlich Christen. Aber sie sind meist schon früh vom Glauben abgefallen und haben sich der antichristlichen NS-Bewegung angeschlossen. Sie waren aber keine praktizierenden Christen, das ist schon ein Unterschied! Es gibt auch getaufte Abtreibungsärzte, deren Praxis ja auch von der Kirche verdammt wird.
    Ja, Bischof Mixa hat den Begriff „Gebärmaschinen“ in den Mund genommen, um anzuprangern, als was Frauen mißbraucht werden. Er hat Frauen nicht als Gebärmaschinen bezeichnet. Das ist ein großer Unterschied. Wenn ich etwa sage, dass in manchen Kulturen Frauen wie Eigentum, wie Sklaven behandelt werden, dann ist das eine wertende, verurteilende Feststellung – es bedeutet aber gerade NICHT, dass ich eine Frau für Eigentum oder eine Sklavin halte, sondern genau das GEGENTEIL!
    Aber lassen wir die „Nebenkriegsschauplätze“, konzentrieren wir uns bitte auf das Wesentliche, Pius XII.

    Da es unser bayerischer Volksverhetzer (er bezeichnete tatsächlich einen unbescholtenen Historiker und Jesuitenpater als „Affenpinscher“ und „Pavian“) unterlassen hat, sich offen für seinen „Ausraster“ zu entschuldigen, werde ich nur indirekt auf seine neuerlichen Verleumdungen eingehen.
    1. Schlickewitz bezeichnet mich als „Vom Vatikan bestallter Historiker“. Das ist Unsinn. Ich stehe nicht im Dienst des Vatikans, sondern arbeite als Historiker für die Pave-the-Way-Foundation des Juden Gary Krupp, die sich für eine Versöhnung zwischen Katholiken und Juden einsetzt.
    2. Schlickewitzens Heimathass ist ebenso unerträglich wie sein Katholikenhass. Gerade die Gegenreformation hat Bayern so vieles an Schönheit, Gelehrsamkeit und Identität geschenkt und letztendlich verhindert, dass das Land dem protestantisch-preussischen Militarismus erliegt. Dass es die Entwicklung Deutschlands zum preußisch geprägten Nationalstaat mit einer obrigkeitshörigen protestantischen Nationalkirche aufgehalten hat, ist wohl sein größtes Verdienst.
    3. Von großen Verlagen publiziert zu werden ist nicht unbedingt ein Indiz für die Seriosität des Hetzers Deschner. Auch Erich von Däniken wurde von Bertelsmann verlegt. Will Sch. ihn als seriösen Historiker bezeichnen?
    4. Natürlich haben die Nazis nicht gleich jeden Pfarrer nach Dachau geschickt, das hätte ja für Unruhe bei der Bevölkerung gesorgt. Tatsache ist aber, dass allein in Deutschland gegen 12.105 Priester Zwangsmaßnahmen (angefangen mit Predigtverboten) ergriffen wurden – also fast gegen JEDEN ZWEITEN DEUTSCHEN PRIESTER oder ein Drittel des gesamten deutschen Klerikerstandes!
    5. Wie es in Dachau im Priesterblock wirklich zuging, schildert der Internierte Jean Bernard („Priesterblock 25487“)!
    6. Dass in München eine andere Sozialstruktur herrscht als im Umland wird jeder Sozialwissenschaftler belegen können. Von München auf Bayern zu schließen hieße, ein sozialdemokratisches Bayern anzunehmen!
    7. Was auch immer Herr Sch. Pater Prof. Dr. Peter Gumpel unterstellt, es berechtigt ihn wohl nicht, einen Menschen als „Affenpinscher“ und „Pavian“ zu bezeichnen. Tatsache ist, dass Pater Gumpel das Wort „Christusmörder“ nie in den Mund genommen hat. Noch weniger hat er „die Märchen von der jüdischen Schuld am Kommunismus“ erzählt. Er hat lediglich festgestellt, dass auch Juden Opfer der kommunistischen Propaganda Rolf Hochhuths werden können, wie viele andere auch. Und er hat das oberflächliche Vorgehen und die vorschnelle Konzentration auf die Forderung nach einer Öffnung der Archive gerügt; die Kommission hätte sich besser zunächst mit dem befasst, was bereits veröffentlicht ist und in der 8500-seitigen Vatikan-Edition vorliegt! Eine solche Kritik eines Historikers an der Arbeit einer Kommission ist wohl mehr als legitim – selbst dann, wenn diese zur Hälfte aus Juden besteht. Ich denke, niemand ist über jede Kritik erhaben, kein Katholik und auch kein Jude. Wer hier von „antisemitischen Äußerungen“ spricht, wenn nur eine sachliche Kritik an einer Arbeitsweise geäußert wird, macht sich nur unglaubwürdig und mißbraucht die berechtigte Sorge um Antisemitismus zu demagogischen Zwecken.

  9. Sehr geehrter Herr Schlickewitz,
    was soll dieses aggressive Kraftmeiern? Grundsatz sollte doch auch bei einer Disputation, selbst wenn die Meinungen mal so richtig diametral aufeinanderprallen, der Grundsatz „Mensch bleiben!“ sein. Da Sie sich auf einen über 50 Jahre langen Lebensweg in Bayern berufen, sollte Ihnen das Diktum „Leben und leben lassen“ geläufig sein. Dehumanisierungstendenzen „Affenpinscher, Paviane…“ sind Ausdruck totalitären, verzerrten Denkens und nicht akzeptabel.
    Beim Blick auf Ihre durchaus wohlgestaltete Homepage lohnt zum besseren Verständnis Ihrer Persönlichkeit ein Klick auf „In eigener Sache“. Ob das nicht Ausdruck halluzinatorischer Paranoia ist? (http://www.sintiromabayern.de/kohler_1.pdf)
    Vielleicht versuchen Sie, sich in eine Opferrolle einzufühlen, um das Leiden anderer besser verstehen zu können? Ich glaube, das ist der falsche Ansatz: Wenn die von Ihnen angestrebte kulturelle Identität nur bedeutet, etwas anderes nicht zu sein, ist die Auseinandersetzung darum für Sie nicht nur verloren, sondern hat schon falsch begonnen.
    Sie sind kein Opfer, Sie sind immer obenauf geschwommen, waren privilegiert, auch wenn Sie das vielleicht selbst nicht wahrgenommen haben. Aufgewachsen in vielleicht etwas miefiger, aber gemütlicher linker Kleinbürgerlichkeit in einem südwestlichen Vorort im „Speckgürtel“ Münchens könnten Sie für den unbedarften Leser als Beispiel einer etwas störrischen, aber letztendlich gelungenen Integration durchgehen. Bayern hat im 20. Jahrhundert ja auf dem Gebiet der Integration durchaus Großes geleistet, das Spektrum reicht hier von Hunderttausenden aufgeheirateter norddeutscher Ehepartner, über Sudetendeutsche, Migranten mit politischer und/oder ökonomischer Motivation, über Flüchtlinge aus Kriegs- und Katastrophengebieten bis hin zum Wiederaufbau jüdischen Lebens in Bayern nicht zuletzt durch die zugezogenen osteuropäischen Mitbürger, die sich in ihrer überwiegenden Mehrheit auch hier wohl fühlen. Denken Sie mal daran ;-))
    Daß Sie sich selbst als „Kosmopoliten“ fühlen, war zu erwarten, nicht zuletzt angesichts der praktischen narzistisch-viktimologischen Verwertbarkeit dieses Begriffs für sich selbst.
    Aber das ist alles nur ein Popanz, den Sie da bauen. Sie sind kein Migrant, Sie kokettieren nur mit einem konstruierten Migrationshintergrund. Private Fahrten nach Polen von Zeit zu Zeit machen noch keinen Migranten und erst recht keinen Kosmopoliten aus. Was soll das? Märchenstunde? Ich halte Sie für einen dissoziativen Menschen: Sie möchten gerne zu dem werden, was andere in Ihnen sehen.
    Vielleicht würde es Ihnen helfen, Ihre – durchaus interessanten – Gedanken einmal in Buchform zu bringen? Nichts gegen Ihre Roma-Chronik im Internet, aber ein „Publizist“ (Eigenbezeichnung R. S.) von fünfzig Jahren sollte da etwas mehr im Portfolio haben, um sich glaubwürdig als solcher zu bezeichnen und einem „richtigen“ Historiker ans Bein zu pinkeln. Herr Hesemann, ich fremdschäme mich!

  10. udosefrioth fragt:
    „Aber hätten die Kirchen überhaupt die Möglichkeit einer
    Opposition gegenüber dem System gehabt?“
    Ja, davon bin ich überzeugt. Dazu lese man z.B. Werkstatt für Gewaltfreie Aktion, Hg.: Gewaltfrei gegen Hitler? Gewaltloser Widerstand gegen den Nationalsozialismus und seine Bedeutung für heute. Karlsruhe: Eigenverlag, 2007. Taschenbuch, 117 Seiten;
    Meine Besprechung: http://www.gavagai.de/buch/zwk/HHBZW13.htm
    Bestellung http://www.wfga.de/Informationen/Bestellung.html?Buch=Gewaltfrei_gegen_Hitler
    Gesamtinfo unter Werkstatt für Gewaltfreie Aktion, Baden http://www.wfga.de/
    Oft wird die Frage der Möglichkeit des Widerstands für X verneint und dann wird betont, wievielen Leuten der X geholfen habe. Ein Widerspruch in sich.
    Zumindest hätte man willfährige Pro-NS Aktionen (kirchliches Glockengeläute zu Führers Geburtstag; hohes Lob für Gottes Vorsehung nachdem Adolf den Attentaten entging, usw.) unterlassen können.

  11. @R.Schlickewitz
    „oder das Buch “Hitlers München” von David Clay Large! Kaufen, lesen und mitreden können.“

    Und wie wäre es mit B,Hamann „Hitlers Wien“ ?

    Bayern als Hort des Nationalsozialismuses in Deutschland
    zu deklarieren, das ist für das „Rest“ Deutschland nur
    eine Entschuldigung.
    Fakt ist, das katholische Deutschland versagte genau wie
    das protestantische Deutschland. Aber…. bemerkennswert
    ist die Menge der führenden Größen der NSDAP aus Bayern.

    Beide Kirchen versagten gegenüber der NSDAP wobei die
    Protestantische (Bischof Müller und seine Dt.Christen)
    sogar in das System involviert wurden.

    Aber hätten die Kirchen überhaupt die Möglichkeit einer
    Opposition gegenüber dem System gehabt?

  12. Servus Robert,
    danke für den Lit. Hinweis “Hitlers München” von David Clay Large. Das Buch steht bei mir seit Monaten ungelesen im Regal (gab’s mal zum Schleuderpreis). Es wird auf meiner Zu-Lesen-Liste (Tipp nebenbei für Mac-User: „Things“ von Cultured Code ist hervorragend geeignet solches im Griff zu behalten; ich habe lange gesucht und arbeite jetzt seit Jahren damit: picobello) weit nach oben rutschen.
    zum Thema fiel mir heute morgen zu einer Radiosendung noch auf:
    Gustav Gründgens rühmte sich nach 1945 auch vielen geholfen zu haben (und es stimmt sogar). Die waren ihm alle dankbar.
    Nichtsdestotrotz war ein übler NS-Karrierist, wie schon Klaus Mann in „Mephisto“ nachwies. Es war lange verboten. Ähnliches geschah mit Rolf Hochhuths Stellvertreter.
    Hesemann wird schon recht haben: auch Pius XII. verhalf selbst oder via untergegebenes Management vielen zur Flucht. Das ändert wenig daran, dass er (ausgenommen die 2 Tage, die Hesemann nannte) jahrelag geschwiegen hatte. Selbst eine Enzyklika macht noch keinen Sommer.
    Und zum Wikrungsgrad, d.h. dem Vorwurf: es hätte doch nix genutzt.
    Es nutzt auch wenig, wenn man sich jetzt über den Kindesmissbrauch in der Kath. Kirche empört. Es macht nix ungeschehen. Soll man es deshalb bleiben lassen? Ich meine nein.
    Vor kurzem verurteilte Ratzinger das Nutzendenken. Ich stimme ihm zu. Pius XII. hätte es beherzigen sollen.
    (Wieder am Rande: im Widerspruch zu Ratzingers Gebot der Abkehr vom Nutzen- und Gewinndenken sind die Christen brav, weil sie sich die ewige Seligkeit erhoffen. Reines Nutzdendenken! Wieder hat es Mixa ausgedrückt: ohne Gott – und seine Strafe bzw. dem winkenden Lohn – sieht er keinen Grund moralisch zu sein.)

  13. „Bis dahin gilt: die meisten Nazi-Verbrecher waren bis zum letzten Atemzug (und nach christlicher Lehrmeinung wohl noch länger) CHRISTEN.“

    Genau. Hitler ist z.B. bis heute nicht exkommuniziert worden, wie andere Nazi ebenfalls nicht. Und ich erinnere wie der Nazifreund Bischof Alois Hudal, Eichmann und Konsorten geholfen hat, nach Südamerika zu entkommen.

  14. @udosefrioth

    Was sind 10 Euro?

    Paar Zigaretten, oder etwas Schokolade, ein BicMac, ein Kinoticket…

    oder das Buch „Hitlers München“ von David Clay Large! Kaufen, lesen und mitreden können.

    Ich will damit Ihren Einwand nicht lächerlich machen, nur auf ein Buch hinweisen, dass 100prozentige Bayern bzw. echte Urbayern, die vorher so leicht nichts zu erschüttern schien, zum Nachdenken gebracht hat.

    Lesen Sie es und Sie verstehen eine Menge Zusammenhänge besser.

    RS

  15. Lieber Herr Hesemannn und Mitdiskutanten,
    a) Hesemann: „zum Konkordat sagte Papst Pius XI.: »Ich würde sogar mit dem Teufel persönlich einen Pakt schließen, wenn es darum ginge, Seelen zu retten«“. Danke, dazu hätte ich
    gerne die genaue Quelle. Es belegt hervorragend meine Position: für transzendente Belange inkl. ihren irdischen Ritualen (Kreuz im Klassenraum, Schulgebet, …) unternimmt die Kath. Kirche alles, sogar einen Pakt mit dem Teufel. Wenn es um die Verurteilung irdischer Verbrechen geht, dann fragt Herr Hesemann: „Erwarten Sie von einem Papst Kraftausdrücke?“ und: „da waren sie das Härteste, zu dem je ein Papst in der Lage war“.
    Halten wir fest: fürs Seelenheil wird ein Pakt mit dem Teufel geschlossen; für die klare Benennung der NS-Verbrechen werden nicht mal verbale Kraftausdrücke riskiert.
    b) Hesemann: „die Nazi-Ideologie wurde in Grund und Boden verdammt!“ Nein: das haben wir schon herausgearbeitet: es gab nur vage Umschreibungen. Mit keinem Wort wurden die Nazis referiert. Da waren diplomatische Regeln angebracht. Die sind wichtiger als Menschenleben. Um Himmels willen: da ging es um Millionen Menschenleben. Was sollen da diplomatische Rücksichtnahmen?
    c) Zum letzten Mal zur Sakramentenverweigerung: selbst wenn Ihre Aussage zutrifft, bedeutete das keine Ex-Kommunikation. Das Dokument, dass die NS-Grössen vor 1945 exkommunizierte müssen Sie erst noch nennen. Bis dahin gilt: die meisten Nazi-Verbrecher waren bis zum letzten Atemzug (und nach christlicher Lehrmeinung wohl noch länger) CHRISTEN.
    d) Hesemann: „Bischof Mixa bezeichnete nicht Frauen als Gebärmaschinen, er kritisierte, dass Frauen zu Gebärmaschinen degradiert würden – ein kleiner, aber feiner Unterschied.“ Wo ist da der Unterschied?
    Werden nun Frauen zu Gebärmaschinen degradiert oder nicht? Ist es nur eine ferne Möglichkeit in x Jahren? Dann hätten Sie recht, denn ich meinte gegenwärtige Frauen. Nein. Mixa meinte es in Verbindung mit Kinderhorten. Mütter, die dort ihre Kinder mit anderen Kindern zusammentun, werden zu Gebärmaschinen degradiert. Der grosse Frauenversteher, Experte für das Gebären, die sexuelle Revolution und das Schmuggeln von Devisen Mixa bezeichnete Mütter = Frauen als Gebärmaschinen.
    e) Hesemann: „Unter kirchentreuen Katholiken hat die braune Häresie nie Fuß fassen können!“ Diese Argumentationsfigur kenne ich aus vielen Diskussionen. Wenn man nachweist, dass der und der Katholik zutiefst „braun“ war, dann wird gekontert: er war nicht kirchentreu. Mit dieser Argumentationsfígur wies jemand nach, dass Katholiken nie sündigen.
    „Unter kirchentreuen Katholiken gibt es keine Sünde!“
    Einspruch: „Der Katholik X sündigte doch!“ „Riposte: „Nein. In diesem Moment war er kein kirchentreuen Katholik!“.
    Oder a la Mixa:
    „Kirchentreuen Katholiken missbrauchen keine Kinder!“ Einspruch: „Aber Pater Y …“ Riposte: „Wenn Y ein Kind missbraucht, ist er kein kirchentreuen Katholik sondern ein Opfer der sexuellen Revolution!“
    Fazit: diese Argumentationsfígur geht mir auf die Nerven und ist ungültig. Zudem habe ich mit dem Bischof von Linz schon ein hochaufgehängtes Gegenbeispiel gegeben. Millionen anderer wären möglich.

  16. @Robert Schlickewitz
    „Dann die Einigung Deutschlands. Bayern mit seiner Hinhaltepolitik war schuld daran, dass Deutschland sich nicht wie andere Nationen schon früh auf einen Nationalstaat hin entwickeln konnte, sondern lange Zeit, viel zu lange Zeit, sich in Hader und Vielstaaterei erging. Später als die meisten anderen europäischen Länder wurde so Deutschland erst 1871 zu einem Nationalstaat.
    Und dann der Nationalsozialismus. Er entstand in München und fast alle führenden Nazis waren Bayern.“

    Jein, Bayern war für die GROßDEUTSCHE LÖSUNG (+Österreich) Und 1848 hatte ja der pr.König die Krone abgelehnt!
    FAkt ist aber das es in Bayern einen klerikal untermauereten
    ANtisemitismus gab, dieser aber kam aus Österreich. (ein
    Lueger wurde sogar Bürgermeister von Wien)
    Nur Bayern war aber auch der Staat, der die DAP bekämpfte
    (Marsch zur Feldherrn Halle) aber ebenfalls ein Auge zu –
    drückte… siehe Haftstrafen.
    Der Sündenfall der kath.Kirche war das Konkordat und der
    Glaune daran, das der Staat dieses einhielt.

  17. @Hesemann
    „Wenn die deutsche Regierung das Konkordat verletzt, und dies würde gewiß geschehen, dann werde der Vatikan eine Grundlage haben, von der aus er protestieren könne.“

    Mit Verlaub…Wo blieben die Proteste und warum wurde
    nach der Realität des dt.Konkordates, in Österreich
    derselbe Unsinn gemacht?
    *Proteste des Vatikans und nicht EINZELNER dt.Bischöfe
    und Kardinäle!

  18. Lieber Herr Huber,
    nun, für einen Christen ist halt etwas anderes schlimm als für einen Nichtchristen. Drohungen sind kulturell verschieden. Wir bekommen das doch täglich in Deutschland mit. Da meint es ein Türke ganz böse und sagt: „Ich f… Deine Mutter!“ Und der Deutsche grinst: „Ach, und was zahlt sie Dir?“ Anderes Beispiel: Ruft der Christ: „Das ist Häresie!“, erschüttert das sein christliches Gegenüber, der Atheist dagegen grinst: „Sag ich doch!“ Man darf aber die päpstlichen Mahnworte nur im christlichen Kontext deuten, und da waren sie das Härteste, zu dem je ein Papst in der Lage war – die Nazi-Ideologie wurde in Grund und Boden verdammt!
    Im diplomatischen Verkehr ist es eher selten, dass Namen genannt und Personen direkt angegriffen werden. Das geschieht erst nach der Kriegserklärung. Wenn ich in Deutschland von der „Arroganz des Neoliberalismus“ spreche, weiß auch jeder, dass Guido W. gemeint ist, ob ich ihn nun nenne oder nicht.
    Wenn Ihnen (oder mir) im Zutand der Todsünde das Altarsakrament verweigert wird, haben wir beide die Möglichkeit, zu beichten – also ein anderes Sakrament zu empfangen. NSDAP-Mitgliedern wurde aber die Absolution verweigert, es sei denn, sie traten aus der Partei aus! Ihnen wurden ALLE Sakramente verweigert, auch die Sterbesakramente, nicht allein das Altarsakrament! Was die „leeren Kirchenbänke“ betrifft, Herr Huber, seien Sie beruhigt: So viele katholische NSDAP-Mitglieder gab es 1930-32 nicht, die große Eintrittswelle folgte erst 1933!
    Dass etwa der Nuntius als Doyen des diplomatischen Korps an diplomatischen Empfängen teilnahm, war selbstverständlich, alles andere wäre einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen und einer offenen Kriegserklärung gleichgekommen, unter der nur die Kirche in Deutschland gelitten hätte. Ebenso nutzte der Papst das Audienzgesuch von Ribbentrops, um für die Juden Partei zu ergreifen. Der Vatikan kann dem Außenminister selbst der gottlosesten Regierung einer christlichen Nation keine Audienz verweigern – auch Saddam Husseins Premierminister wurde von JPII vorgelassen.
    Pius XII traf von Ribbentrop, nicht Hitler – den besuchten nur die Staatsoberhäupter der freien Welt in München!
    Bischof Mixa bezeichnete nicht Frauen als Gebärmaschinen, er kritisierte, dass Frauen zu Gebärmaschinen degradiert würden – ein kleiner, aber feiner Unterschied.
    Tatsache ist, dass die NSDAP einerseits in den Zirkeln eines religiös indifferenten oder „esoterisch“ interessierten Großbürgertums, andererseits im religiös entwurzelten Proletariat Münchens ihre Anhänger fand, aber eben nicht im ländlich-katholischen Millieu des traditionsbewußten Bayerns. Tatsache ist ebenfalls, dass das Zentrum die Partei des deutschen Katholizismus war und eben nicht und nie die NSDAP! Unter kirchentreuen Katholiken hat die braune Häresie nie Fuß fassen können!

  19. Herr Hesemann, da ich anders als Sie, vom Vatikan bestallter Kirchenhistoriker, nicht ununterbrochen am PC sitze, und daher nur am Abend Zeit habe, ausführlich zu antworten, mag es Ihnen so erschienen sein, als wollte ich mich einer Antwort entziehen. Dem ist jedoch keineswegs so.

    Bei der Lektüre Ihrer Ausführungen (23.2., 3.49 Uhr) musste ich an eine Episode meiner Zeit als Oberstufen-Gymnasiast in München zu Mitte der 1970er Jahre denken.
    Natürlich steht es Ihnen frei meine Worte wieder für „fiktiv“ zu halten; diejenigen, die es damals miterlebt haben, werden sich jedenfalls noch daran erinnern.

    Es war eine Geburtstagsfeier bei einem meiner bayerischen, protestantischen Schulfreunde. Unsere Schulklasse war, muss ich zur Klärung noch erwähnen, gemischt, katholisch, evangelisch, Zeugen Jehovas etc.; meine Freunde waren Protestanten und Katholiken, Konfession spielte bei uns keine Rolle.
    Der Gastgeber, der belesenste und intellektuellste von uns, bat uns ganz plötzlich um Gehör, er wolle uns etwas Wichtiges mitteilen. Wir rückten zusammen und waren neugierig und ein wenig überrascht, denn seine vorher fröhliche Stimmung hatte sich unerwartet verdüstert. „Ihr wisst doch“, begann er, „dass ich in meiner Freizeit gerne lese und dass vor allem die Geschichte unserer Heimat Bayern mir besonders am Herzen liegt.“ Keiner wagte zu widersprechen. „Also, nach Lektüre nun von Dutzenden Büchern über alle Phasen bayerischer Geschichte, kann ich zusammenfassend sagen, dass Alles Schlechte, Verderbliche, Unmenschliche in der deutschen Geschichte von uns Bayern ausgegangen ist!“ Erstaunte Gesichter, aufgeregte Fragen, ob man dies denn wirklich so sagen könne, ob das nicht noch eingehender überprüft gehörte, waren die ersten Reaktionen von uns.
    „Fangen wir mit der Gegenreformation an, die so vielen, Hunderttausenden, Menschen das Leben kostete, Europa um Jahrzehnte zurückwarf, so viel Leid verursachte – ihr Zentrum war Bayern. Nur weil die beiden Herzöge damals so sehr an ihrer Macht klebten… Dann die Einigung Deutschlands. Bayern mit seiner Hinhaltepolitik war schuld daran, dass Deutschland sich nicht wie andere Nationen schon früh auf einen Nationalstaat hin entwickeln konnte, sondern lange Zeit, viel zu lange Zeit, sich in Hader und Vielstaaterei erging. Später als die meisten anderen europäischen Länder wurde so Deutschland erst 1871 zu einem Nationalstaat.
    Und dann der Nationalsozialismus. Er entstand in München und fast alle führenden Nazis waren Bayern.
    Das Schlimme daran für uns heute ist – es haben anscheinend die, die uns regieren und die die Öffentlichkeit repräsentieren, auch kein Interesse daran, dass wir mehr über uns erfahren.“
    Betreten schwiegen wir eine Weile, stellten noch die eine oder andere Frage, setzten aber dann unbeschwert unsere Feier fort.

    Etwa zwanzig Jahre später befand sich einer meiner katholischen Freunde in einer ganz ähnlichen Stimmung, auch er hatte viele Werke zur bayerischen Geschichte gelesen und ganz plötzlich platzte es aus ihm heraus: „Der Bayer, unsereins, frogd einfach ned, er nimmt ojs hi und glaubt dem Schmarrn, den er vom Streibl (damals Ministerpräsident), vom Pfarrer, vom Opa oder sonst einer Reschbektsperson g’hört hod. Warum is des so? Samma mia bleda ojs die andern? Jeda, dea liasd, dea si mid da boarischen Gschicht a bisserl näha befasst, muass doch merka, dass mia neiglegt wern, von die Bolitika (Politiker), von die Medien, von die Historika. Aba, warum stelln mia koa Frogn ned. Des is do‘ krankhaft.!“

    Ich gebe zu, dass es bei mir, Robert Schlickewitz, erst angesichts dieser Erkenntnis meines Freundes, zu der Einsicht kam, mich ebenfalls mit der bayerischen Geschichte befassen zu müssen, dass ich mich erst mit Mitte Dreißig etwa der bayerischen Geschichte ernsthaft zuwandte.
    Dies hatte den Grund, dass für die anderen ihre bayerische Identität keine Frage war, sie hatten ja nur diese eine Option. Ich hingegen, aus einer multikulturellen und multiethnischen Familie stammend, hatte die Auswahl, und, bei aller Gewöhnung und auch verwandtschaftlichen Bindung an Bayern, ich empfand und empfinde mich noch immer am stärksten als Europäer oder Kosmopoliten, nicht als einen Bayern.

    Ich erzähle diese Episode, weil es Leute wie Sie sind, Herr Hesemann, die als Abhängige und Parteigänger des Establishments (Kirche oder Staat) zu jenen gehören, die den Bürger weiter für dumm verkaufen wollen. Die nicht möchten, dass (die) Bayern anfangen nachzudenken, die das alte Bild von der tadelfreien, menschenfreundlichen, ‚guten‘ katholischen Kirche um jeden Preis aufrecht erhalten wollen und sich Argumenten, auch einleuchtenden Argumenten, mit Gewalt verschließen. Dies geht jedenfalls aus all Ihren Aussagen, Erwiderungen und Antworten hervor.

    Ich frage mich tatsächlich, ob es noch Sinn hat, mit Ihnen weiterzudiskutieren.

    Was mir auffällt, ist, dass Sie für einen relativ prominenten Historiker (mit über 10 000 Google-Nennungen)erhebliche Mängel in Ihrer Argumentation aufweisen. So ist es unter Historikern allgemein üblich, nur echte Zitate zwischen Anführungsstrichchen zu setzen. Sie hingegen ’schieben‘ mir ‚unter‘, ich hätte Dachau als „katholisches KZ“ bezeichnet. Wo denn? Ich hatte vielmehr das Personal und die Verantwortlichen, die aus dem mehrheitlich katholischen Bayern stammten vollkommen zutreffend als katholisch, nicht hingegen das KZ selbst als „katholisch“ bezeichnet.
    So einen fehlerhaften Umgang mit Aussagen anderer nennt man polemische Verdrehung.
    Auch einer Reihe weiterer Ausführungen von Ihnen entnehme ich einen Mangel an Professionalität und Seriosität.
    Denken Sie daran, dass Sie einen Ruf als Historiker zu verlieren haben; ich hingegen begnüge mich damit ein ‚kleiner‘, kritischer Publizist zu sein.

    War es nötig Karlheinz Deschner derart zu diffamieren? Es sind immerhin namhafte Verlage, wie Rowohlt und der vom Establishment so gehätschelte Bertelsmann Konzern (Random House), die Deschner verlegt haben, es sind seriöse Tageszeitungen wie die Frankfurter Rundschau und die FAZ, die in ihren Rezensionen Lob und Anerkennung für diesen Autor ausgesprochen haben! Nur weil er Ihren Arbeitgeber aufruft, endlich die Wahrheit zuzugeben, müssen Sie sich nicht gleich beleidigend ihm gegenüber äußern („geifernder Fanatiker und Ideologe“).

    Sie nennen Zahlen zu verhafteten katholischen Geistlichen. Diese Zahlen erscheinen auf den ersten Blick beeindruckend. Warum haben Sie es nur versäumt, die Anzahl der deutschen Geistlichen im KZ zu nennen? Weil es so wenige waren? Es waren ganz entschieden zuwenige! Von etwa 25 000 deutschen Welt- und Ordensklerikern insgesamt saßen nur 261 in Dachau, also ungefähr 1 Prozent. Das ist eine Schande. (Deschner, Mit Gott und dem Führer, Köln 1988, S.63).

    Wenn Sie Deschner nicht glauben wollen, wieviele waren es dann und wo steht es?

    Vom niederländischen Dachauüberlebenden Nico Rost (Goethe in Dachau) wissen wir, dass die Herren Geistlichen in diesem KZ die niedrigste Todesrate aller Häftlingsgruppen hatten und ständig Pakete von ihren Angehörigen ausgehändigt bekamen, nicht so die anderen Häftlinge.

    Mein „angebliches Adenauerzitat“ können Sie unter Rudolf Morsey u. Hans-Peter Schwarz (Hg.), Adenauer Briefe 1945 bis 1947, Berlin 1983, S. 172f überprüfen, Herr Hesemann.

    Sie mokieren sich über meine Verwendung des Wortes „Volkscharakter“. Das Wort kommt vor allem in Werken zum bayerischen Brauchtum auch heute noch häufig vor (überzeugen Sie sich gerne selbst!), ohne Hintergedanken. Den bayerischen Sinnspruch „mia san mia“ werden Sie schon mal gehört haben, er charakterisiert den (besonderen) bayerischen Volkscharakter.

    Wie ich oben schon schrieb, bin ich Bayer und Münchner; Ihre Annahme ich könnte ein protestantischer, bayernferner Adeliger sein, geht demnach fehl.

    Ihre spitzfindige Unterscheidung zwischen Bayern und Münchnern, mit der offensichtlichen Absicht, die guten (konservativen), katholischen, unverdorbenen Bayern, gegen die ‚roten‘, charakterlich zweifelhaften (protestantischen?) Münchner auszuspielen, muss ich gleichfalls unter das Kapitel fehlende Professionalität verbuchen.

    Mehr Sachlichkeit und weniger Emotion, Herr Hesemann!
    (Sie sind doch ein richtiger Historiker und kein kleiner Publizist!)

    Was Sie bei mir „infame Diffamierung des bayerischen Volkes“ nennen, ist nichts als die Wahrheit und die tut nun mal weh. Bitte selber nachlesen, bei David Clay Large, Hitlers München, dtv-Verlag!

    Sie haben vier Jahre in Bayern gelebt. Ich, über fünfzig Jahre, mit Wohnsitz sowohl in München als auch in Niederbayern. Ich kenne die Unterschiede zwischen Stadt und Land wohl besser als Sie. Ich darf Ihnen sagen, dass die Menschen in der Großstadt nicht nur das größere Kulturangebot wahrnehmen können, sie sind auch kritischer, aufgeschlossener, sie lesen mehr und sie haben weniger Vorurteile. Da ich mich besonders gerne mit Migranten (bin ja selber einer, in gewisser Weise) unterhalte, weiß ich auch, dass Ausländer in München weniger unter Fremdenfeindlichkeit leiden, als solche auf dem Land in Bayern.
    Auf die Akzeptanz von jüdischen Symbolen im ländlichen Bayern gehe ich hier lieber nicht ein, das führte zu weit und könnte dem ‚guten Ruf‘ des weiß-blauen Lederhosenlaptopwunderlandes eventuell erheblich schaden.

    Loben Sie doch bitte nicht ständig diesen Faulhaber über den grünen Klee! Lesen Sie lieber meinen haGalil-Artikel über ihn und darüber, wie die ‚gleichgeschaltete‘, deutsche, etablierte Intelligenz, wie die Redaktionen von Nachschlagewerken mit seinem ‚Andenken‘ umgehen.

    Hochhuth erwähnen Sie gerne und oft, ebenfalls stets diffamierend („Schmierfinken“), warum? Ich habe ihn weder zitiert, noch mich auf ihn berufen. Heiße Luft – Ihre Worte – geschrieben für die Katz.

    Nun zu Ihrem Freund Gumpel.
    Ich hatte einige sehr schwerwiegende Beleidigungen dieses Herrn bezogen auf Juden aufgezählt, sie stehen zum Nachlesen bei Goldhagen, Die kath. Kirche und der Holocaust, S. 159, 259f, 317.
    Finden Sie es in Ordnung, dass er mittelalterliche, zum Antisemitismus beträchtlich mit beigetragen habende Beschuldigungen (Christusmörder) in aller Öffentlichkeit noch an der Schwelle zum dritten Jahrtausend wiederholt?
    Ja?
    Mir werfen Sie vor, auf das „Niveau von Streicher und STÜRMER“ gesunken zu sein und dann so etwas. Da fragt man sich doch, wer sich hier daneben benimmt.

    Wie Sie Goldhagen, S. 260 entnehmen können, wurde Gumpel schwer angegriffen wegen seiner antisemitischen Äußerungen, freilich nicht vom polnischen Papst Jan Pawel II., der hat das wohl nicht mehr so richtig mitbekommen.

    Meine allernächsten Verwandten sind Juden; einige von ihnen, die den Holocaust überlebt hatten, wurden von katholischen Bayern noch 1947 zur Emigration genötigt. Dass ich sie und Ihre Kultur verteidige, ist doch wohl nur natürlich.

    Wenn Ihr Gumpel also die Märchen von der jüdischen Schuld am Kommunismus und den Christusmordvorwurf weiter aufrecht erhält, muss er sich nicht wundern, wenn er massiv gescholten wird, klar, Herr Hesemann!
    RS

  20. Udosefrioth, zum Konkordat sagte Papst Pius XI.: „Ich würde sogar mit dem Teufel persönlich einen Pakt schloeßen, wenn es darum ginge, Seelen zu retten“. Der Osservatore Romano erklärte am 21.7.1933: Der Heilige Stuhl verhandelt „mit den Sataten als solchen, um die Rechte und Freiheit der Kirche zu sichern“ und nimmt „von jeder Bewertung anderer Natur Abstand“.
    Kardinalstaatssekretär Pacelli erklärte seine Beweggründe dem britischen Vatikan-Gesandten Ivone Kirkpatrick im August 1933.
    Zitat aus seinem Bericht nach London: „Pacelli verabscheut die Verfolgung der Juden, das Vorgehen gegen politische Gegner, die Herrschaft des Terrors, dem die ganze Nation unterworfen ist… Er hätte zu wählen gehabt zwischen einer Vereinbarung auf Grundlage der Bedingungen der anderen Seite und der tatsächlichen Auslöschung der katholischen Kirche in Deutschland … Wenn die deutsche Regierung das Konkordat verletzt, und dies würde gewiß geschehen, dann werde der Vatikan eine Grundlage haben, von der aus er protestieren könne.“
    Später erklärte Pacelli dem französischen Gesandten Farcois Charles-Roux: „Wenn wir dieses Konkordat nicht hätten, besäßen wir keine juristische Handhabe für unsere Proteste“.
    Und eben das war das Geheimnis: Der Vatikan war nach den Lateranverträgen von 1929 politisch absolut zur Neutralität verdammt. Aber wenn ein Konkordat verletzt wurde, hatte er die möglichkeit, zu protestieren. Daher war das Konkordat, so ironisch es klingt, als Mittel des Widerstandes gegen das NS-Regime nützlich. Mit anderen Worten: Man hatte einen Vorwand, um sich einmischen zu können! Zwischen 1933 und 1939 reichte Pacelli dann auch 55 (!) offizielle protestnoten bei der Reichsregierung ein, jeweils bis zu 42 Seiten lang!

  21. Lieber Herr Hesemann,
    ich werde präziser.
    1) “Götzenkult”, “verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und Gottbefohlene Ordnung”, “oberflächliche Geister”, sind weder hart noch eindeutig. Mir darf jeder vorwerfen, ich verkehre und fälsche die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung. Ich wäre eher stolz. Jeder aktive Mensch tut dies.
    2) Nirgends werden (in der Enzyklika) die NS-Schergen beim Namen genannt. Es bleibt alles im Unbestimmten.
    Zum Vergleich lese man „Verbrennt mich! Ein Protest von Oskar Maria Graf“, Freitag, 12. Mai 1933. Z.B. hier http://www.oskarmariagraf.de/verbrenntmich.htm.
    Das war 1933 und es ging um unvergleichlich geringere Verbrechen als sie nach dem Mai 1933 geschahen.
    Sie schreiben: „Exkommunikation bedeutet, nicht zu den Sakramenten zugelassen zu sein. Wie können Sie die Begriffe trennen?“ Hier verwechseln Sie absichtlich oder nicht etwas. Ich schrieb: „nicht zu den Sakramenten zugelassen“ impliziert nicht Ex-Kommunikation. Sie argumentieren gegen Exkommunikation impliziert „nicht zu den Sakramenten zugelassen zu sein“. Ich kann gegen Ihre Folgerung nix sagen, aber darum ging es nicht. Es ging darum: Wer nicht zu den Sakramenten zugelassen ist, ist damit nicht automatisch exkommuniziert. p —> q ist nicht immer gleich q — p. Sie behaupteten, dass schon vor 1933 (nageln Sie mich jetzt nicht fest: welches Datum Sie immer nannten) die NSDAP-Mitglieder öffentlich von den Sakramenten ausgeschlossen wurden (Wie gesagt: ich kann es nicht glauben: die Kommunionbänke wären sehr leer gewesen). Doch wenn es stimmt impliziert das eben nicht, die Ex-Kommunikation. Ein einfaches Gegenbeispiel aus meiner Katholiken-Zeit. Wer im Stande der Totsünde war, war vom Sakrament der Kommunion ausgeschlossen. Wir mussten in diesem Fall vorher beichten. D.H. ich war vom Sakrament der Kommunion ausgeschlossen, aber nicht exkommuniziert.
    Zu 4. Vom Papst weiß ich es nicht. Doch da gibt es zahlreiche Fotos von Papst-Gesandten bei freundschaftlichen Treffen mit NS-Größen. Halt, und Sie selbst schreiben von einem Treffen Pius XII. mit NS-Scherge Ribbentrop. Das ist wieder das Schema: „X trifft nicht zu. Aber X geschah, weil …“
    Zu 5. Ich will und habe nicht Bischof Mixa als Militärbischof der Nazis bezeichnet. Aber da Sie das Thema ansprechen: der hätte sich sicher gemeldet. Vielleicht hätten die Nazis ihn abblitzen lassen: er bezeichnete Frauen mit (vielen) Kindern als Gebärmaschinen. Da hat der Mixa wohl auch zu viel von der sexuellen Revolution ab 1968 abbekommen, die er kürzlich beklagt hat und als Ursache für die Pädophilie ausgemacht hat. Rückwirkende Kausalität! Welch ein Genie 😉
    Zum katholischen Bayern: es mag durchaus stimmen was Falter vermutet. Andrerseits war München die braune Führerstadt. In Bayern schrieb er „Mein Kampf“, er plante hier vieles. Er kam frühzeitig aus Landsberg frei, … So harmlos war Bayern – bezogen auf die NSDAP – nicht.
    Es ist wenig sinnvoll zu rätseln, was geschehen wäre, wären alle protestantisch gewesen. Ich meine: Recht viel schlimmer hätte es kaum werden können.

  22. @Hesemann
    Bayern war und ist der Sonderfall in der Geschichte der
    NSDAP. Fakt ist…. hier war der Anfang und hier war auch Ihr erstes Scheitern.

    Grundsätzlich war Bayern wohl eher gegen „Berlin“ und der
    Traum des Separatismuses spielt hier auch eine Rolle.

    Aber etwas zur Rolel der katholischen Amtskirche in der NS-
    Zeit…

    Es bleibt die berechtigte Frage nach dem KONKORDAT, warum
    wurde es abgeschlossen und glaubte man der NSDAP?
    Nun der Vorläufer war wohl das italinische Konkordat; hier
    hielten sich die Faschisten an den Vertrag. (ja und der Vatikan wurde EIGENSTÄNDIGER STAAT im Staate).
    Klingt jetzt blöde… man verwechselte den italienischen
    Faschismus mit dem dt.Nationalsozialismus und von Seiten des
    Vatikans wurden die Erfahrungen der dt.Amtskirche mit der NSDAP zu wenig beachtet und in das Vertragswerk miteinbe –
    zogen. Man soillte sich an die Tragik des Zentrums erinnern;
    das war die politische Partei des Katholizismuses.
    Das Konkordat war der Sündenfall der AMtskirche und hier kann ich das spätere Konkordat in Österreich(nach den dt.Er-
    fahrungen) nicht mehr verstehen.

  23. Herr Schlickewitz,
    da Sie es nicht für nötig hielten, sich für Ihre gestrige Entgleisung zu entschuldigen, hat sich wohl jede weitere Diskussion mit Ihnen erübrigt. Ich habe nichts dagegen, dass Sie Nazi-Schärgen als „Kretins“ bezeichnen, das hat dieser verbrecherische Abschaum verdient. Aber einen untadeligen 86jährigen Historikerkollegen und Jesuitenpater, der darüber hinaus zu den Verfolgten des NS-Regimes gehört (seine Mutter saß bereits in der Todeszelle), als „moralisch wie sittlich verkommenen“ … „Affenpinscher oder Pavian“ zu bezeichnen, ist nicht mehr angemessen zu kommentieren. Das ist widerwärtigste Streicher-Sprache, gleich, aus wessen Mund sie kommt! Ich werde den Hochw. Herrn Pater Prof. Dr. Peter Gumpel, S.J., um den es hier geht, über Ihre beleidigenden Ausfälle informieren und ihm rechtliche Schritte gegen Sie nahelegen.
    Für alle Mitleser noch ein Wort zu Bayern und den NS-Wählern. Selbst in seinem „Biotop“ München blieb Hitler bei den Wahlen 1932 bei unter 30 %. So beobachtete auch der renommierte britische Hitler-Biograf Ian Kershaw, dass die deutschen Katholiken länger bzw. überhaupt dem Nationalsozialismus resistent geblieben sind.
    In Jürgen Falters 1991 veröffentlichten Studie „Hitlers Wähler“ kann man ebenfalls nachlesen, „dass die NSDAP überdurchschnittlich in protestantischen Gebieten Erfolg hatte und in katholischen Gebieten auf höhere Reserviertheit stieß“. Protestanten waren im Durchschnitt doppelt so anfällig gegenüber Hitler als Katholiken. Falter stellt spgar fest, dass Hitler nie an die Macht gekommen wäre, wenn Deutschland zur Gänze katholisch gewesen wäre. Der Grund ist in der deutschnationalen Grundhaltung des Weimater Protestantismus zu suchen; für einen protestantischen Antisemitismus ist sogar Martin Luther der erste Zeuge.
    Das sind die Fakten, von seriösen Historikern erarbeitet. Schlickewitzens dumpfes Bayern-Bild dagegen gehört an die Stammtische, aber nicht in eine ernsthafte Diskussion. Wer eine andere Ansicht vertritt, sollte Fakten und Studien zitieren und nicht über den „bayerischen Volkscharakter“ schwadronieren!

  24. :Noch ein Hinweis zum besseren Verständnis der Verhältnisse in Bayern:

    Unser Diskussionsteilnehmer Herbert Huber betreibt eine hervorragende, in Bayern einmalige, Webseite:

    http://www.gavagai.de

    auf der er wertvollste Aufklärungsarbeit betreibt. Für jeden, der mitreden will, eine ausgezeichnet fundierte Informationsquelle. Beachtung verdienen gleichfalls seine Literaturhinweise und -empfehlungen.

    RS

  25. @RS
    „..jene Kretins, die sich in Deutschlands dienstältestem KZ, dem in Dachau, bereit fanden, Menschen zu quälen ..“

    Es waren keine Kretins, die dort mordeten. x xxx

  26. Herr Schlickewitz,
    Sie scheinen nicht nur gerne fiktive Zeugen zu zitieren (meinen angeblichen ehemaligen Mitarbeiter), Sie lieben es auch, mir das Wort im Mund zu verdrehen. Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Hitlers realen Verbrechen an den Juden und seinem geplanten Vernichtungsschlag gegen die Kirche. Der Unterschied ist, dass die einen gegen ein Volk, der andere gegen eine Kirche gerichtet ist. Schließlich definierte er „Judentum“ als Rasse, nicht als Religion (deshalb wurden ja auch Konvertiten umgebracht). Die katholische Kirche hätte er vernichtet, indem er den Klerus interniert und/oder ermordet. Dass dies geplant war, daran lassen die Tagebücher und Erinnerungen aller Nazi-Größen von Goebbels über Bormann und Rosenberg bis zu Hitlers Tischgesprächen keinen Zweifel.
    Wenn Sie Deschner zitieren, disqualifizieren Sie sich selbst. Kein seriöser Historiker nimmt diesen geifernden Fanatiker und Ideologen ernst. Die Nazis verhafteten den höheren Klerus deshalb nicht, weil sie sich ihre noch-katholischen Volksgenossen nicht verprellen wollten! Wie gerne Hitler etwa den Grafen von Galen hingerichtet hätte, geht aus seinen Tischgesprächen hervor. Doch er wußte, dass er damit bis nach dem Endsieg warten mußte, denn als Kanonenfutter an der Front brauchte er auch uns Katholiken.
    Im besetzten Polen dagegen töteten due Nazis vier Bischöfe, 1996 Priester, 113 Mönche und 238 Nonnen. In den Konzentrationslagern kamen weitere 3642 Priester, 720 Ordensbrüder und 1117 Nonnen ums Leben.
    Auf Ihr angebliches Adenauerzitat kann ich nur antworten: Genau das, was er fordert, nämlich eine massive Stellungnahme von allen Kanzeln an einem einzigen Tag – hat am Palmsonntag des Jahres 1937 mit der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ stattgefunden – leider ohne Erfolg beim Volk.
    Regelrechte Geschichtsfälschung betreiben Sie, verehrter Herr Schlickewitz, mit Ihrer infamen Diffamierung des bayerischen Volkes. Was Sie da machen ist auch eine Form von Rassismus! Dabei schämen Sie sich nicht einmal, Nazi-Phrasen wie den Begriff vom „Volkscharakter“ zu benutzen. Dagegen muss ich entschieden protestieren! Wahrscheinlich haben Sie in Ihrem Leben noch nie einen Fuß in das schöne Bayern gesetzt, um die wunderbare Kultur dieses Landes schätzen zu können und urteilen daher aus der Perspektive des Ignoranten.
    Tatsächlich hat Hitler seinen Aufstieg nicht in Bayern begonnen, sondern in München. Das mag paradox erscheinen, aber wer das Land kennt (ich bin zwar Rheinländer, habe aber vier Jahre in Bayern gelebt), der weiß, dass es keinen größeren Unterschied gibt. So ist auch in der jüngeren Geschichte München fast durchgehend SPD-Hochburg, Bayern dagegen stets CSU-regiert. Der tief verwurzelte bayerische Katholizismus der ländlichen Regionen und Kleinstädte dagegen ist dem Münchner eher fremd. In diesem „Biotop“ München konnte Hitler aufsteigen, nie aber in Bayern.
    Ihre Behauptung ist nämlich schnell widerlegbar. Man kann wunderbar, Bezirk für Bezirk, die Regionen mit einem hohen katholischen Bevölkkerungsanteil in Deutschland (über 60 %) mit den Wahlergebnissen etwa der Reichstagswahl am 31.7.1932 vergleichen. In fast allen katholischen Gebieten blieb die NSDAP bei UNTER 30 %, IN ALLEN bei unter 50 %! Über 50 % bekam die NSDAP im Nordosten Deutschlands, in den protestantischen Gebieten. Die Katholiken dagegen haben brav die Zentrumspartei gewählt!
    Dass Sie ausgerechnet Dachau als „katholisches KZ“ nennen, ist eine weitere Ironie Ihrer absurden These – denn in Dachau wurden auch und gerade die katholischen Priester und Ordensleute gequält! Und zwar von Gottlosen, nicht von Katholiken. Schließlich ist es eine historische Tatsache, dass der Beitritt zur SS einen vorherigen Kirchenaustritt zur Bedingung hatte.
    Schon 1923 hat der damalige Apostolische Nuntius in Bayern, Eugenio Pacelli, seinen Bericht über den Hitler-Putsch vom 9.11. mit den Worten „der antikatholische Charakter des Nazi-Aufstandes“ betitelt und erklärt, die Nazis seien „eine antikatholische Bewegung“, die Bersucht hätte, „den Mob systematisch gegen die Kirche, den Papst und die Jesuiten aufzuhetzen … Dieser (antikatholische) Charakter hat sich besonders in den regelmäßigen Hetzereien gegen den katholischen Klerus gezeigt, mit welchem die Anhänger Hitlers und Ludendorffs, den Größen unter den Starßenrednern, die Bevölkerung aufwiegelten und so die Geistlichen Beleidigungen und Spott aussetzten … insbesondere den gelehrten und gewissenhaften Kardinalerzbischof (Faulhaber), der in seiner Predigt im Dom … die Verfolgungen der Juden angeprangert hat.“
    Dass Himmler die Struktur der Jesuiten insgeheim bewunderte und kopieren wollte, heißt nicht, dass er mit ihrer Lehre sympathisierte – denn das tat er gerade nicht.
    Mit Ihrer infamen Diffamierung Pater Peter Gumpels SJ beleidigen Sie einen persönlichen Freund und Lehrer. Dass ausgerechnet Sie ihn als „moralisch wie sittlich verkommen“ bezeichnen und dabei Begriffe verwenden, wie sie von Antisemiten oft und gerne für Juden verwendet werden, ist mehr als befremdlich. Tatsächlich kenne ich ihn als Mann von höchster Moral und Integrität. Dass er kein Antisemit ist zeigt sich schon an dem freundschaftlichen Umgang, den er mit vielen Juden hat. Wer allerdings heute noch, allen Tatsachen zuwider, die vom KGB ins Leben gesetzten Propagandalügen des linken Schmierfinken Rolf Hochhuth glaubt (der übrigens ein sehr persönlicher Freund des widerwärtigen Holocaust-Leugners Irving ist), der muss sich, ob Jude, Christ oder Atheist, auch sagen lassen, dass er zum Opfer kommunistischer Propaganda wurde. Das, nicht mehr und nicht weniger, hat Pater Gumpel festgestellt.
    Auch ihm drehen sie lieber das Wort im Mund herum! Aber wer, wie Sie es taten, Menschen als „Affenpinscher oder Paviane“ bezeichnet, mit dem ist jede vernünftige Diskussion zwecklos! Sie sind damit auf das Niveau von Streicher und STÜRMER gesunken, Herr von Schlickewitz, und bedienen sich der Sprache von Mördern und Abschaum. Sie teilen also mit den Nazis nicht nur ihren Hass auf die katholische Kirche, sondern auch die Terminologie für ihre Gegner. So spricht jedenfalls kein zivilisierter Mensch.
    Schämen Sie sich!

  27. Lieber Herr Huber,
    1. Ich weiß nicht, wie Sie diese extrem harte Sprache der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ als „recht schwach“ empfinden können. Erwarten Sie von einem Papst Kraftausdrücke? „Götzenkult“, „verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und Gottbefohlene Ordnung“, „oberflächliche Geister“, „blutmäßige Enge“, „einkerkern“, „Wahnprophet“ – das sind doch wohl ganz eindeutige Begriffe. Gerade für einen Egomanen wie Hitler, der sich für ein Instrument der Vorsehung hielt, muss es eine schwere Kränkung gewesen sein, wenn der Papst ihm erklärte: „Der im Himmel wohnt, lachet ihrer!“ In der gesamten Geschichte der Menschheit ist noch nie eine Regierung so heftig von einem Papst gemaßregelt worden! Für den Papst besteht nun mal keine Frage, ob im Himmel jemand lacht und auch nicht für die Millionen Katholiken, vor denen diese Enzyklika in den Kirchen Deutschlands verlesen wurde – ermöglicht durch eine vatikanische Geheimaktion, da die Nazis von der Enzyklika im Vorfeld nichts erfahren durften. Jugendliche schmuggelten sie auf dem Fahrrad in die Kirchen, übergaben sie im Beichtstuhl, Pfarrer verwahrten sie im Tabernakel – alles mit dem Ziel, das Volk wachzurütteln.
    2. Exkommunikation bedeutet, nicht zu den Sakramenten zugelassen zu sein. Wie können Sie die Begriffe trennen? Die Taufe gilt selbst bei schlimmsten Vergehen ein Leben lang.
    3. 1930-33 wurden Hunderttausenden Nazis die Sakramente verweigert. Ich habe selbst im vatikanischen Geheimarchiv vergeweise Beschwerdebriefe gesichtet. Einer stammte übrigens von Hermann Göring.
    4. Vom Papst oder der Kurie wurde kein Nazi hofiert. Göring wurde nicht vorgelassen, d.h. in einem Vorzimmer abgefertigt. Als Hitler Rom besuchte, verließen der Papst und die Kurie demonstrativ die Stadt. Als von Ribbentrop 1940 eine Papstaudienz gewährt bekam, berichtete die New York Times anschießend: „It was learned today for the first time that the Pontiff, in the burning words he spoke to Herr von Ribbentrop about religious persecution, also came to the defense of the Jews in Germany and Poland.“
    5. Sie wollen doch bittesehr Bischof Mixa nicht als Militärbischof der Nazis bezeichnen, oder? Er ist Militärbischof unserer Bundeswehr! Das Zitat stammt aus einer publikation der deutschen Bischöfe aus dem Jahre 1932. Selbst nach der Machtergreifung gab es eine Erklärung der deutschen Bischöfe mit der Überschrift „ein ernstes Wort in ernster Stunde“.

  28. Herr Hesemann, Ihnen scheint nicht klar zu sein, dass Sie sich auf dem besten Weg befinden, ganz üble Geschichtsbeugung zu betreiben.

    Wenn Sie behaupten, Hitler habe der „christlich-jüdischen Zivilisation den Krieg erklärt“, oder Juden und Katholiken seien „Brüder“ und säßen „im selben Boot“ implizieren Sie, dass Katholiken genau so zu den Opfern Hitlers zählten wie Juden. Wie können Sie nur allen Ernstes den 6 Millionen von Deutschen ermordeten Juden, die äußerst bescheidene Anzahl der von den Nationalsozialisten getöteten Katholiken gegenüberstellen?

    Wie wenige Opfer die deutschen Katholiken zu beklagen hatten, hat u.a. Karlheinz Deschner festgestellt; dass sich unter diesen Opfern zwar Priester aber keine Bischöfe oder Kardinäle befanden, beweist darüberhinaus die ungeheure Feigheit und Verwerflichkeit des deutschen höheren katholischen Klerus zur Zeit des NS.

    Wie sonst konnte der ehem. Bundeskanzler Konrad Adenauer, ebenfalls ein Katholik, in einem Brief an einen Priester im Jahre 1946 solche Worte finden, wie:

    „Nach meiner Meinung trägt das deutsche Volk und tragen auch die Bischöfe und der Klerus eine große Schuld an den Vorgängen in den Konzentrationslagern. Richtig ist, dass nachher vielleicht nicht viel mehr zu machen war. Die Schuld liegt früher. Das deutsche Volk, auch Bischöfe und Klerus zum großen Teil, sind auf die nationalsozialistische Agitation eingegangen. Es hat sich fast widerstandslos, ja zum Teil mit Begeisterung auf all den in dem Aufsatz gekennzeichneten Gebieten gleichschalten lassen. Darin liegt seine Schuld. Im Übrigen hat man aber auch gewusst – wenn man auch die Vorgänge in den Lagern nicht in ihrem ganzen Ausmaß gekannt hat -, dass die persönliche Freiheit, alle Rechtsgrundsätze mit Füßen getreten wurden, dass in den Konzentrationslagern große Grausamkeiten verübt wurden, dass die Gestapo, unsere SS und zum Teil auch unsere Truppen in Polen und Russland mit beispiellosen Grausamkeiten gegen die Zivilbevölkerung vorgingen. Die Judenpogrome 1933 und 1938 geschahen in aller Öffentlichkeit. Die Geiselmorde in Frankreich wurden von uns offiziell bekannt gegeben. Man kann also wirklich nicht behaupten, dass die Öffentlichkeit nicht gewusst habe, dass die nationalsozialistische Regierung und die Heeresleitung ständig aus Grundsatz gegen das Naturrecht, gegen die Haager Konvention und gegen die einfachsten Gebote der Menschlichkeit verstießen. Ich glaube, dass, wenn die Bischöfe alle miteinander an einem bestimmten Tag öffentlich von den Kanzeln aus dagegen Stellung genommen hätten, sie vieles hätten verhüten können. Das ist nicht geschehen, und dafür gibt es keine Entschuldigung. Wenn die Bischöfe dadurch ins Gefängnis oder ins Konzentrationslager gekommen wären, so wäre das kein Schade, im Gegenteil. Alles das ist nicht geschehen und darum schweigt man am besten.“

    Gerade den Katholiken fällt die Hauptschuld am Zustandekommen des Dritten Reiches zu. Nur im erzkatholischen Bayern war die Geburt eines derartigen Wahnsinns, wie es der NS darstellte, denkbar. Man stelle sich nur mal vor, Hitler hätte seine ‚Karriere‘ im protestantischen Berlin oder in Hannover oder Hamburg in der Weise begonnen, wie er dies in München tat. Man hätte ihn ausgelacht, oder ins Irrenhaus gesperrt!
    Nur den Bayern mit ihrem katholisch, devot-bigotten, untertanenhaft-unterwürfigem, dem selbständigen Denken abholden Volkscharakter konnte man so einen gefährlichen Blödsinn wie den Nationalsozialismus ‚andrehen‘.
    David Clay Large hat in seinem München-Buch deutlich gemacht, was für ein Haufen Deppen dieses katholische Bayern der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg war. Wie politisch und geistig unmündig die Bevölkerung nach all den Jahrhunderten katholisch-monarchischer (bzw. katholisch-herzöglicher bzw. katholisch-kurfürstlicher) Verdummung war. Bekanntlich konnte sich der NS erst um 1925/26, als er in Bayern bereits fest verankert war, auf die übrigen Teile Deutschlands ausbreiten.

    Der Katholizismus war, wie ich früher schon festgestellt habe, der geistige Unterboden für die katholisch getauften Führungspersönlichkeiten Hitler, Himmler, Goebbels, Göring. Aber ebenso katholisch waren auch in ihrer überwiegenden Mehrheit jene Kretins, die sich in Deutschlands dienstältestem KZ, dem in Dachau, bereit fanden, Menschen zu quälen und zu vernichten, die ferner mit Dachau das schauerliche Musterlager schufen für 2000 weitere ähnliche ‚Anstalten‘ in Deutschland und im von Deutschen besetzten Europa.

    Auch Ihre Gleichsetzung, Herr Hesemann, der Jesuiten mit den Juden als Zielgruppen von Hitlers Hass-Propaganda kann nicht unkommentiert bleiben.

    Die SS lobte die Jesuiten sogar, weil diese in ihren Aufnahmeregeln einen Passus führten, der vorsah, dass man noch wesentlich mehr Generationen zurück keinen Juden in seinem Stammbaum haben durfte als sie, die SS, selbst. Goldhagen belegt zudem anhand mehrerer Stellen aus der von Jesuiten herausgegebenen Hauszeitschrift des Vatikan, Civilta Cattolica, um was für abartige Judenhasser es sich bei den Jesuiten handelte und wohl noch heute handelt, wenn wir uns etwa die Statements des moralisch wie sittlich verkommenen Jesuitengeistlichen Peter Gumpel SJ einmal vornehmen. Dieser verunglimpfte und beschimpfte die jüdischen Teilnehmer jener jüdisch-vatikanischen Kommission, die die Biografie von Pius XII. durcharbeiten sollte in einer Weise, wie es sonst nur bei üblen Antisemiten üblich ist. Er wärmte u.a. den alten Vorwurf, Juden seien „Drahtzieher des Kommunismus“, noch in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre wieder auf! Den Vorwurf der Nationalsozialisten!
    Um dann das Fass noch zum Überlaufen zu bringen, hat dieser Gimpel von einem jesuitischen Ordensgeistlichen in einer Sendung von CBS (im März 2000)erklärt: „Seien wir doch ehrlich (…) Tatsache ist, dass die Juden Christus getötet haben. Das ist eine unbestreitbare Tatsache.“
    Mit solchen Affenpinschern oder Pavianen sitzt ganz sicher kein Jude „in einem Boot“.

    Soviel für heute. Mehr morgen.

    RS

  29. Lieber Herr Hesemann,
    1) genau das schrieb ich auch. “Mit brennender Sorge” nimmt mit einem Absatz von 53 (will jetzt nicht mehr nachschauen, vielleicht waren es 51) recht schwach zum Rassenwahn Stellung.
    Die Stellungnahme zum Adolf: „Der im Himmel wohnt, lachet ihre!” ist tatsächlich extrem schwach. Jeder Nicht-Himmel-Gläubige schert sich einen Dreck darum, ob im Himmel jemand lacht. Genau dazu passt meine Chicken-Magazine-Anzeige!
    2) „NICHT zu den hl. Sakramenten zugelassen, also für exkommuniziert.“ Das weiß ich sogar noch aus meiner Katholikenzeit, dass dies nicht gleichzusetzen ist. Ich heiratete z.B. als damals noch Katholik eine Nicht-Katholikin. War damit NICHT zu den hl. Sakramenten zugelassen, aber keinswegs exkommuniziert.
    3) Mir ist auch nicht bekannt, dass je einem NSDAP Mitglied ein Sakrament verweigert worden wäre. Die Kommunionbänke in den deutschen Kirchen wären zur NS-Zeit leer gewesen.
    Ich kann also weiter davon ausgehen: Hitler war bis zum letzten Atemzug Katholik und mit ihm viele aus der NS-Riege.
    4) Für alle Ihre Belege, wo die Nazis (streng) getadelt wurden, gibt es x Belege dafür, dass sie vom Kath. Klerus hofiert wurden.
    5) “Der katholische Christ muss sich entscheiden für Christus oder für Hitler.”
    Da kann man nur lachen. Wenn das doch der Fall gewesen wäre! Millionen Soldaten und NS-Schergen wären keine Christen mehr gewesen. Es gab und gibt sogar Militärbischöfe. Faulhaber war einer; MIxa ist einer.
    6) Ich habe Ihnen genau das Gegenteil genannt. Franz Jägerstätter wurde von seinem Bischof in einem Vier-Augengespräch _zu_ Hitler geraten. Inzwischen wurde er (Jägerstätter, nicht Hitler) selig gesprochen. Aber viele Jahre nach 1945 war er den Österreichern und dem kath. Klerus ein Dorn im Auge und der Linzer Bischof stellte ihn noch nach 1945 als Kriegsverräter hin. Aufs Kriegerdenkmal kam er erst nach Jahrzehnten. http://www.gavagai.de/krieg/HHD311.htm
    Da kann mal erkennen, was ein wirklicher Christ leisten konnte. Es war ein einfacher Mann (kein Theologiestudium). Und nur einer von ein paar!
    7) Zum Vermögen der kath. Kirche: ich habe nie vom liquiden Vermögen gesprochen. Bei allen „Reichste der Welt“-Aufstellungen wird auch das Anlagevermögen berücksichtigt. Auch Bill Gates ist nur enorm reich, weil er Aktien von Microsoft hat (die er ebenso wenig alle verscheuern kann wie die kath. Kirche ihre Grundstücke etc.).

    Lieber Jim,
    Si zitieren genau die Sachverhalte, die ich der Kath. Kirche ankreide. Sie paktiert sehr oft mit den Mächtigen.
    Zitat aus Ihrem Posting: „Am Opportunismus“, so Stratmann, „geht das Christentum zugrunde…“ Wäre es nur wahr, dann müßte die Kath. Kirche schon längst den Bach runter sein.
    Dann: „dass es für die kirchlichen Oberbehörden weit wichtigere Gegenwartsfragen gebe, zu nennen seien hier der Fortbestand der katholischen Vereine und der Bekenntnisschulen.“
    Trifft genau. Das Kreuz im Klasszimmer war/ist wichtiger als der abgeführte Jude aus dem Klasszimmer. Oder heute der „abgeschobene“ Flüchtling.
    Danke für den Beitrag und den Link.
    Im übrigen ist es ja immer noch so. Homosexuelle und Kondome sind das Feindbild des Vatikans. Auch heute setzt er sich nicht energisch gegen Armut und für die Millionen Menschen auf der Flucht ein. Im Gegenteil: Prunk ist angesagt in den eigenen Reihen.
    Erst vor wenigen Tagen beklagte sich ein SZ-Leserbriefschreiber: eine kath. Verwandte von ihm wurde von 1 Referentin (!) zu Grabe begleitet. Am selben Tag waren bei der Beerdigung der R. von Habsburg mehrere Bischöfe, ein Vatikanabgesandter, Äbte etc.
    Dabei ist die Frau in der Stellung der Kath. Kirche – wie man weiß – ganz unten.
    Die evang. Frau Helmut Kohls, die mit dem Freitod, wurde in einer kath. Prunkbeerdigung bestattet. Wenn ein Mann aus dem Volke den Freitod wählt müssen seine Verwandten darum kämpfen, dass er kirchlich beerdigt wird. Bis vor wenigen Jahren ging da nix. Außerhalb des Friedhofs war angesagt.
    Dass ein einfacher Protestan kath. beerdigt wurde habe ich noch nie gelesen. Seine Überlebenden würden mit diesem Wunsch sauber auflaufen, es sei denn, er gehörte zur Spitze des Adels, der Politik, der Wirtschaft, …

  30. Stichwort Faulhaber:

    Thomas Breuer* (22.05.2003): Die Haltung der katholischen Kirche zur Judenverfolgung im Dritten Reich

    […] Im 1930 erschienenen 1. Band dieses Lexikons findet sich ein Faszikel „Antisemitismus“ aus der Feder Gustav Gundlachs (1892-1963), eines Jesuiten, der acht Jahre später zusammen mit einem französischen und einem amerikanischen Mitbruder den Entwurf für die nicht veröffentlichte Antirassismus-Enzyklika Pius XI. erarbeitete. Gundlach unterschied „eine völkisch u[nd] rassenpolitisch eingestellte von einer staatspolitisch eingestellten Richtung des A[ntisemitismus]“. Die erste Richtung sei „unchristlich, weil es gegen die Nächstenliebe“ sei, „Menschen allein wegen der Andersartigkeit ihres Volkstums […] zu bekämpfen“, die zweite Richtung hingegen „erlaubt, sobald sie tatsächlich-schädlichen Einfluß des jüd[ischen] Volksteils […] mit sittl[ichen] u[nd] rechtl[ichen] Mitteln“ bekämpfe40.

    Unerlaubt war der Antisemitismus also nur, insoweit er auf dem biologistischen und sozialdarwinistischen Rasseglauben beruhte. Der katholisch als vertretbar angesehene Antisemitismus aber war weit mehr als ein rein religiöses Phänomen; er hatte auch soziale, wirtschaftliche und politische Dimensionen41 .

    Ganz im Einklang mit diesem Denken erläuterte Erzbischof Faulhaber in einem Brief an Kardinal Bertram am 23.10.1936 den Unterschied zwischen der nationalsozialistischen und der katholischen Auffassung wie folgt: „Der Staat hat das Recht, gegen Auswüchse des Judentums in seinem Bereich vorzugehen, im besonderen wenn die Juden als Bolschewisten und Kommunisten die staatliche Ordnung gefährden. Für jene Juden aber, die zur katholischen Kirche übertreten, wobei die reine Absicht der Konversion von kirchlicher Seite immer strenge geprüft wird, kann der Staat die beruhigende Sicherheit haben, daß es sich nicht um Kommunisten oder Bolschewisten handelt. Die nationalsozialistische Weltanschauung verfolgt nach ihrem blut- und rassenmäßigen Grundsatz >Jude bleibt Judeneues Geschöpf<, ein wirkliches Kind der Kirche Gottes geworden. […] Damit hat der getaufte Jude ein Recht erworben, von den kirchlichen Stellen als Christ und nicht mehr als Jude behandelt und wenigstens nicht an die antisemitischen Feinde ausgeliefert zu werden“42 . Ich möchte betonen, dass diese Ausführungen einem kircheninternen Schreiben entnommen sind. Wir dürfen also davon ausgehen, dass sie die tatsächlichen Ansichten des Münchener Kardinals wiedergeben. Und diesen Anschauungen gemäß war nicht jegliche Judenverfolgung zu verwerfen, sondern nur diejenige, die undifferenziert alle 'Rassejuden' betraf und somit auch Katholiken einschloss.

    Auch Faulhabers berühmte Adventspredigten vom Dezember 1933 waren alles andere als eine „Brandmarkung der Judenverfolgung"43 . Die Ansprachen des Münchener Kardinals, der übrigens vor seiner Bischofsernennung Professor für atl. Exegese gewesen war, richteten sich eindeutig gegen die von den Deutschen Christen, einer protestantischen Gruppierung, und von NS-Ideologen wie Alfred Rosenberg vorgebrachten Angriffe gegen das Alte Testament, nicht aber gegen die aktuelle Judenverfolgung. In seiner ersten Adventspredigt stellte der Kardinal einleitend fest, die Rassenforschung sei „an sich eine religiös-neutrale Sache“, wenn sie jedoch zum Kampf gegen die Religion sammle und die Grundlagen des Christentums erschüttere, dann dürfe der Bischof nicht schweigen. „Um jedes Mißverständnis auszuschließen“, erklärte Faulhaber, dass er sich nur mit dem Israel der biblischen Vorzeit befassen werde, denn mit der Kreuzigung des Heilands habe das Volk der Juden von Gott den Scheidebrief erhalten, und seitdem wandere der „ewige Ahasver“ ruhelos über die Erde. Das Christentum aber dürfe nicht wegen seiner ursprünglichen Beziehung zum vorchristlichen Judentum verdammt, und die Abneigung gegen die Juden von heute dürfe nicht auf die hl. Bücher des Alten Testaments übertragen werden44 . – Wenn der Münchener Erzbischof trotz dieser unzweideutigen Worte in den Ruf eines Verteidigers der Juden geriet, so zeugt dies von der Erwartungshaltung vieler Menschen, nicht aber von den Intentionen des Predigers. Die letzten Zweifel an seiner Haltung zerstreute Faulhaber im Sommer 1934, als er sogar auf Flugblättern verbreiten ließ, er habe in seinen Adventspredigten „das altbiblische Schriftentum Israels verteidigt, nicht aber zur Judenfrage von heute Stellung genommen“45 .

    Der am weitesten verbreitete antijudaistische Topos war wohl die Anklage der Juden als Gottesmörder. Auch hierfür sei ein Beispiel angeführt. Ein halbes Jahr vor dem Beginn der Deportationen, am Karfreitag des Jahres 1941, …[…]

  31. Stichwort Faulhaber:

    Thomas Breuer* (22.05.2003): Die Haltung der katholischen Kirche zur Judenverfolgung im Dritten Reich

    […]Diese Vorurteile versuchten sich die Nationalsozialisten zunutze zu machen, als sie für den 1. April 1933 einen Boykott jüdischer Geschäfte ankündigten. Daraufhin sprach der Direktor der Deutschen Bank von Berlin, Oskar Wassermann, bei dem Breslauer Kardinal Bertram, dem Vorsitzenden der Fuldaer Bischofskonferenz, vor, um diesen zu einer Intervention bei der Reichsregierung zu bewegen. Bertram wollte diese Entscheidung nicht alleine verantworten und fragte bei allen Erzbischöfen an, ob ein solcher Schritt opportun sei. Er selbst, so fügte er hinzu, sei aus mehreren Gründen dagegen. Erstens handle „es sich um einen wirtschaftlichen Kampf in einem uns in kirchlicher Hinsicht nicht nahestehenden Interessenskreise“, zweitens solle sich der Episkopat auf sein eigenes Arbeitsgebiet beschränken, drittens dürfte der Schritt keinen Erfolg haben, und viertens könne die sicherlich üble Interpretation, die eine solche Parteinahme in den weitesten Kreisen finden werde, den Bischöfen nicht gleichgültig sein. Es kann nicht überraschen, dass nach diesem Votum ein Protest der Bischöfe unterblieb. Allein der Freiburger Erzbischof Gröber hatte zu einer Intervention geraten – bezeichnenderweise „mit Rücksicht auf Schuldlose und Convertierte“ 9.

    Nachdem der Breslauer Kardinal sich mit seinen Bedenken durchgesetzt hatte, erreichten den Münchener Erzbischof Faulhaber, der ebenfalls von einer Intervention abgeraten hatte, mehrere Protestschreiben. Der Berliner Studentenseelsorger Franziskus Stratmann, der führend im Friedensbund deutscher Katholiken tätig war und im Laufe des Jahres 1933 emigrierte, teilte Faulhaber bestürzt mit, dass „selbst Priester […] ihre antisemitischen Instinkte durch dieses sündhafte Treiben [sc. die Judenhetze] befriedigt“ fühlten. Dagegen verlangte er entschiedenes Vorgehen: „Am Opportunismus“, so Stratmann, „geht das Christentum zugrunde. […] Man sagt: die Bischöfe haben gegen die Fürstenenteignung protestiert; warum schweigen sie zu dieser weit schlimmeren Enteignung?“10 Auch der Priester und Publizist Alois Wurm beklagte sich bei dem Münchener Kardinal über das Schweigen der Katholiken zur Hassschürung gegen die Juden. Dies erscheine sehr vielen als katholisches Versagen11 . Faulhaber gestand in seiner Antwort zwar ohne weiteres zu, dass das Vorgehen gegen die Juden unchristlich sei, beschied den Bittsteller aber nichtsdestoweniger, dass es für die kirchlichen Oberbehörden weit wichtigere Gegenwartsfragen gebe, zu nennen seien hier der Fortbestand der katholischen Vereine und der Bekenntnisschulen. Im Übrigen könnten die Juden sich selber helfen, und die Kirche dürfe der Regierung keinen Grund geben, die „Judenhetze in eine Jesuitenhetze umzubiegen“. Voller Selbstmitleid teilte der Kardinal schließlich mit: „Ich bekomme von verschiedenen Seiten die Anfrage, warum die Kirche nichts gegen die Judenverfolgung tue. Ich bin darüber befremdet; denn bei einer Hetze gegen die Katholiken oder gegen den Bischof hat kein Mensch gefragt, was man gegen diese Hetze tun könne. Das ist und bleibt das Geheimnis der Passion“12 . Die Anfragen bei den Bischöfen häuften sich besonders deswegen, weil die NS-Regierung nur eine Woche nach der Boykott-Aktion das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ verabschiedete, das per „Arierparagraph“ die Entlassung von Juden aus dem Staatsdienst ermöglichte. Dass von dieser Maßnahme auch zum christlichen Glauben konvertierte Juden betroffen waren, fand nun auch Kardinal Faulhaber besonders ungerecht und schmerzlich. Von den zahlreichen Bittgesuchen zeigte er sich dennoch genervt. In einem Brief an den Augsburger Bischof Kumpfmüller machte er seinem Ärger Luft: „Einem geistig hochstehenden, jüdisch geborenen, jetzt ernsten Katholiken habe ich erklärt, daß bei der Taufe ausdrücklich gesagt werde, der Glaube nütze zum ewigen Leben und daß niemand von der Taufe irdische Vorteile erwarten dürfe. Trotzdem geht man jetzt förmlich mit Mitleid für die getauften Juden hausieren“13 . Immerhin nahm der deutsche Episkopat in seinen programmatischen Hirtenbrief vom 3. Juni 1933 einen indirekten Protest gegen dieses Gesetz auf. Die ausschließliche Betonung der Rasse, so mahnten die Bischöfe, führe zu Ungerechtigkeiten, „die das christliche Gewissen belasten, vor allem, wenn sie Mitmenschen treffen, die in Christus durch das hl. Sakrament der Taufe wiedergeboren sind“. Deshalb solle der Staat die Einheit und Geschlossenheit des Volkes, die er dankenswerterweise erstrebe, nicht durch die „Blutsgleichheit“, sondern durch die „Gesinnungsgleichheit“ seiner Bürger verwirklichen14 . Mit anderen Worten: Die Bischöfe begrüßten die Zerschlagung der pluralistischen Demokratie von Weimar und votierten für einen autoritären Staat auf sogenannter christlicher Grundlage. In diesem Staat hätte die Regierung gegen all diejenigen vorzugehen, die offensiv eine antikirchliche Einstellung vertraten. Entsprechend zeigten sich die Bischöfe erfreut über die Ausschaltung von Kommunisten, Freidenkern und Zeugen Jehovas. Auch gegen die so bezeichneten „Auswüchse des Judentums“ hätte die Regierung einschreiten dürfen15 , nicht aber gegen die Juden als Rasse, insbesondere deshalb, weil davon auch Katholiken betroffen waren16 .

    Die auf dem Verordnungs- und Gesetzeswege erfolgende schrittweise Entrechtung der Juden beobachteten Bischöfe und Geistliche bis auf wenige Ausnahmen teilnahmslos. Zu den Nürnberger Gesetzen vom September 1935, mit denen die Juden zu Bürgern minderen Rechts erklärt sowie Eheschließungen und außereheliche sexuelle Beziehungen zwischen Juden und Ariern verboten wurden, erfolgte keinerlei Verlautbarung der deutschen Bischöfe. Als jedoch im darauffolgenden Jahr …[…]

    *Dr. Thomas Breuer ist Oberstudienrat für Kath. Theologie/Religionspädagogik an der PH Ludwigsburg und einer der Herausgeber von THEOPHIL-online.

  32. Lieber Herr Huber,
    natürlich nimmt „Mit brennender Sorge“ zu einer Reihe von Punkten Stellung, aber eben auch ganz klar zur Rassenfrage, wenn es dort heißt:
    „Wer die Rasse oder das Volk aus ihrer irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge…
    Nur oberflächliche Geister können den Wahnversuch unternehmen, Gott in die Grenzen eines einzelnen Volks, in die blutmäßige Enge einer einzelnen Rasse einkerkern zu wollen.“ Gott habe die Zehn Gebote allen gegeben: „Sie gelten unabhängig von Zeit und Raum, von Land und Rasse. So wie Gottes Sonne über allen leuchtet … so kennt auch sein Gesetz keine Vorrechte und keine Ausnahmen.“
    Die Enzyklika endet mit einem direkten Angriff auf Hitler. Sei nennt ihn einen „Wahnpropheten“, „auf den das Schriftwort seine Anwendung findet: Der im Himmel wohnt, lachet ihre!“
    Wenn Sie das milde nennen, frage ich mich, weshalb die Nazis dann so heftig reagiert haben und warum die NS-Presse von einer „Beleidigung Deutschlands“ sprach.
    Am 30.9.1930 erklärte das Bischöfliche Ordinariat Mainz NSDAP-Mitglieder für NICHT zu den hl. Sakramenten zugelassen, also für exkommuniziert. Der Osservatore Romano schrieb in seinem von Pacelli lancierten Leitartikel am 11.10.1930, dass eine Mitgliedschaft in der Hitlerpartei „mit den katholischen Gewissen nicht vereinbar“ sei. Daraufhin bezeichnete auch Kardinal Faulhaber am 19.11.1930 den NS als „Häresie und mit der christlichen Weltanschauung nicht in Einklang zu bringen“. Daraufhin schloss sich ein Großteil der Bistümer der Praxis an, Nazis die Sakramente zu verweigern. Schließlich verabschiedete man auf der Fuldaer Bischofskonferenz 1932 einheitliche Richtlinien. So wurden die „Irrlehren“ im Parteiprogramm ebenso angeprangert wie der „glaubensfeindliche Charakter der NS-Kundgebungen“. Die Erklärung vom 19.8.1932 beginnt sogar mit der Feststellung: „Sämtliche Ordinariate haben die Zugehörigkeit zu dieser Partei für unerlaubt erklärt“ und damit die Nazis generell für exkommuniziert; Ausnahmen gelte es lediglich zu machen, wenn ein Christ Parteimitglieds sei „wegen schuldlos irrender Auffassung, wegen Einflusses einer Art Massenpsychose, wegen terroristischen Zwanges, wegen sonst eintretender verhängnisvoller Folgen“. All das traf natprlich auf die Parteileitung nicht zu, womit Hitler de facto spätestens seit 1932 exkommuniziert war. Es wurde sogar ein Buch herausgegeben, dessen Titel programmatisch war: „Christus! – nicht Hitler“ und das mit dem Aufruf endete: „Der katholische Christ muss sich entscheiden für Christus oder für Hitler.“
    Leider sah man nach Hitlers Schalmeienklängen im März 1933 keinen Grund mehr, die Exkommunikation aufrechtzuerhalten, was in Rom heftig kritisiert wurde.
    So reich, wie Sie denken, Herr Huber, ist der Vatikan nun wirklich nicht – jedenfalls nicht, was LIQUIDES Vermögen betrifft. Leider wird oft der Fehler gemacht, das Immobilienvermögen oder die Kunstschätze im Besitz der Kirche, die natürlich immense Werte darstellen, mit dem liquiden Vermögen zu verwechseln.

  33. Zur ENZYKLIKA „MIT BRENNENDER SORGE“
    Wie so oft: die Enzyklika , die ich mir wieder einmal durchgelesen habe, bestätigt meine vor Tagen hier geäußerte These: es geht der Kath. Kirche mehr um Symbole und Prozeduren denn um Menschen. Hier z.B. um „die konkordatgeschützte Bekenntnisschule“, „Erbsünde“, „Glauben ist das sichere Fürwahrhalten“ und ähnliche bedauernswerte Sachverhalte. Die Bekenntnissschule wurde AFAIK in den 60-ern auch in der BRD abgeschafft. So mit brennender Sorge verbunden ist sie also nicht.
    Pius XII spricht den hier relevanten Sachverhalt in 1 Absatz (von 53) an:
    „Wer die Rasse, oder das Volk, oder den Staat, oder die Staatsform, die Träger der Staatsgewalt oder andere Grundwerte menschlicher Gemeinschaftsgestaltung – die innerhalb der irdischen Ordnung einen wesentlichen und ehrengebietenden Platz behaupten – aus dieser ihrer irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge. Ein solcher ist weit von wahrem Gottesglauben und einer solchem Glauben entsprechenden Lebensauffassung entfernt.“
    Also _noch zahmer_ als die Anzeige im „Chicken Magazine“:
    To the one who burnt my house, stole my car, kidnapped my son, raped my daughter, killed my wife: shame on you! 😉
    Der Rassenverherrlichung wird in der Enzyklika sogar ein wesentlicher und ehrengebietender Platz eingeräumt! (Ich wollte drei Rufzeichen machen, halte mich aber zurück: vielleicht wären 42 Fragezeichen angebracht.)

  34. Lieber Herr Hesemann,
    Sie „berichtigen“ etwas zu oft Sachverhalte, die ich nicht genannt habe oder die ich sogar explizit ausgeschlossen habe.
    Sie: „Pius XII. war nicht Papst während der zwölfjährigen NS-Diktatur, sondern in den letzten sechs Jahren, den Kriegsjahren.“
    Ich: „Vorwurf richtet sich nicht nur an Pius XII. sondern auch an seinen Vorgänger.“
    Inwiefern mein Vorwurf an Pius XII. im Besonderen, an die Päpste im Allgemeineren und die gesamte Kath. Kirche zu wenig gegen die wirklichen Missstände (Missstände auch unter dem Blickwinkel der auf dem Papier festgehaltenen kath. Soziallehre, Ethik, etc.) zu tun, nicht zieht (nur weil Pius XII. eine Enzyklika geschrieben hat und sich an 2 Tagen öffentlich gegen das NS-Regime äußerte) ist mir unklar. Da bewerte ich diese extrem wenigen Ereignisse wohl nicht so hoch wie Sie.
    „Kein Bischof konnte sich mehr hinter dem Konkordat verstecken!“
    Ein interessanter und und ernst zu nehmender Vorwurf an fast alle kath. Bischöfe nach März 1937. Einverstanden. Sie taten es – bis auf wenige Ausnahmen – alle. Sie rieten z.B. Franz Jägerstätter ab, den Dienst im Verbrecherregime Hitler zu verweigern. (Wieder nur 1 winziges Beispiel). Andersherum, weil sich vielleicht manche Mitleser mit der doppelten Verneinung schwer tun: der Bischof von Linz drängte Jägerstätter ausdrücklich am Vernichtungskrieg teilzunehmen!
    „Die Exkommunikation der Nazis wurde bereits 1931 von diversen deutschen Bistümern ausgesprochen und vom Vatikan im Osservatore Romano bestätigt.“
    Wieder ein sehr interessanter und für mich neuer Sachverhalt. Bitte teilen Sie mir mit, wo ich im Osservatore Romano die Exkommunikation Hitlers nachlesen kann.
    Brennender wird dann die Frage: Wenn „Die Exkommunikation der Nazis wurde bereits 1931 ausgesprochen und vom Vatikan im Osservatore Romano bestätigt“ wurde, warum dann mit diesen Leuten noch Verträge über höchst katholische Inhalte abschließen? —
    Die Möglichkeit im Untergrund zu arbeiten wäre immer gegeben gewesen. Die Gründe für Ihr „Damit wäre ihr dann jede Möglichkeit, …“ sehe ich nicht.
    Dass der Vatikan irgendwann an seine finanziellen Grenzen ging ist wohl ein Witz. Dann wäre er so arm wie es Jesus verlangte und wie (ich nehme es an) es die frühen Christen praktizierte. Der Vatikan ist mit dem Iran der einzige Staat (im Volksmund Gottesstaat), wo Religionsoberhaupt faktisch = Staatsoberhaupt ist. Und er ist sehr reich.

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