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Karikaturen, Puppen und Plakate: Alter Judenhass in neuen Gewändern!

Es ist schon erstaunlich wieviele rotverschmierte Babypuppen in deutschen Wohn- und Kinderzimmern rumliegen. Und erstaunlich wieviele davon kürzlich zu einem Ausflug in die Innenstädte mitgenommen wurden…

von Ramona Ambs

Womöglich wurden die armen Puppen aber auch extra für diesen Ausflug, der in Fachkreisen auch „Demo gegen Israel“ heisst, mit roter Farbe übergossen, damit man Anschauungsmaterial dabei hat. Schließlich geht es doch darum, der Welt zu zeigen, dass die Juden Kindermörder sind. Deswegen hat man ja die „blutverschmierten“ Puppen dabei und hält sie anklagend in die Kameras. Die daneben stehenden Kinder tragen bisweilen schon mal Sprengstoffgürtel-Atrappen.

Siehe Video bzw. Artikel: islam-faschismus-marschiert-die-polizei-schaut-zu

Dass Extremisten derlei denken und verbreiten, ist nicht neu, siehe: 2006/07/berlin. Neu hingegen ist die Bereitschaft von Medien, diese Bilder und Botschaften ungefiltert und unkommentiert zu übernehmen. So auch die Frankfurter Rundschau. Dort erschien online und in der Printausgabe ein Artikel von Inge Günther, in dem es zwar um den Gaza-Krieg ging, nicht jedoch um Proteste für oder gegen denselben. Dennoch (siehe: fr-online.de–schiessen-und-reden hatte man offenbar keine bessere Idee, als ein Bild dazu abzudrucken, das zwar nichts mit dem Artikel zu tun hat, dafür aber richtig schön widerwärtig ist. Die Bildunterschrift nämlich lautet: Antiisraelischer Protest in Indien. Aha! Zu sehen ist ein Mädchen, das ein Plakat hochhält, auf dem ein Jude mit Messer und Gabel ein palästinensisches Kind verspeist: siehe http://www.fr-online.de.

Warum zeigt man derartiges nun in solch unkritischer Weise? Ist es Ahnungslosigkeit? Dummheit? Oder will man sich der Sichtweise anschließen? Immerhin, die Kindermörder-Geschichte ist offenbar wieder schwer im Kommen. Auch Karikaturisten nehmen sich ihrer an. So auch Klaus Stuttmann: Über der Unterschrift „Israel wehrt sich“ sieht man tote Kinder vor einem israelischen Panzer, darüber die Sprechblase: „Es ging nicht anders. Unser Auftreten hätte bei diesen Kindern so einen Hass erzeugt, dass aus ihnen später lauter Selbstmordattentäter geworden wären„. Siehe: http://www.tagesspiegel.de.

Nun gut, man könnte sagen, auch Antisemiten wollen mal lachen. Aber warum wurde diese Karikatur vom Tagesspiegel in Berlin bis hin zur Badischen Zeitung in Freiburg – von Nord nach Süd, also quer durch die Republik, in so vielen Zeitungen abgedruckt? Nicht in rechtsextremen Blättern, nein, in ganz normalen Tageszeitungen jeglicher Couleur? Ist es inzwischen wieder Konsens, dass Juden nicht nur Jesus- sondern auch Kindermörder sind?

Das deutsche Volk unter der Zuchtrute des „Central Council of Jews in Germany“

Haben die Karikaturisten keinerlei Ahnung, an welch unselige Tradition sie da anknüpfen? Es scheint so, denn selbst scheinbar israelfreundliche Karikaturisten, wie zum Beispiel Götz Wiedenroth, entpuppen sich bisweilen als Figuren, die sich alter antisemitischer Stereotypen bedienen. Wiedenroths Zeichnungen erscheinen in vielen Tageszeitungen und Magazinen und auch auf dem Internetportal Yahoo. Wie Stuttmann hat Wiedenroth zahlreiche Preise erhalten. Bei Wiedenroth dürfte die Solidarität mit Israel nur vorgeschoben sein – in erster Linie zum Zwecke der Verächtlichmachung von Muslimen. Israel und die Juden sind nur willkommen, wenn man sie gegen den Islam verwenden kann.

Kein Wunder, dass er auf rechten Webseiten wie PI besonders beliebt ist und für seine „mutigen Zeichnungen“ wie ein Held hofiert und bejubelt wird. Dort stört es die Leser auch nicht, wenn einer pro forma für Israel ist, die Juden selbst dann aber doch irgendwie nicht leiden kann. Wiedenroth jedenfalls knüpft an alte rechtsextreme Mythen an, wenn er – wie hier zum Beispiel: wiedenroth-karikatur.de-Zentralrat_Juden_Sprache_Wortwahl_Diktat_Skandalisierung – die armen Deutschen unter Zuchtrute und Geißel des Judentums leiden sieht.

Und um jede Unklarheit auszuräumen, wird zur Karikatur sogar eine Erklärung auf Englisch mitgeliefert. Hier erfahren wir wahrhaft Schauriges vom Leiden des deutschen Volkes unter der Zuchtrute des „Central Council of Jews in Germany“. Dieser scheint, will man Wiedenroths Darstellung folgen, regelrecht am Wiederholungszwang zu leiden, wenn es darum geht, „prominenten Personen“, die öffentlich Worte benutzten, die man in Verbindung mit dem Holocaust bringen könnte, unter Druck zu setzen. Dieser eigenartige „Council“ geht sogar soweit zu betonen, „that certain words shouldn’t be used especially in november because of the widespread crimes committed against Jews on november 9th, 1938„. Ja sowas aber auch! Aber damit nicht genug. Der mit seiner „politischen Unkorrektheit“ gerne kokettierende Karikaturist beschreibt den Zentralrat sogar als hinterlistigen Fallensteller, und Politiker, die diesem „Council“ in die Falle gehen, wurden schon wiederholt zum Rücktritt aufgefordert.
Man kommt aus dem Staunen kaum heraus. Es entsteht der Eindruck, der Deutsche sei entmündigt und müsse, wie im Kindergarten, erstmal beim Zentralrat um Weisung fragen, welch Deutsches Wort denn nun gesagt werden darf und welches nicht: „It seems as if it is wished to prescribe a feasible thesaurus of German language to Germans, seen as little children. Moreover, it seems as if it is wished that Germans should behave like children and ask council first before they choose not knowingly any German words that may have been used by national socialists„.

Siehe auch: Pogromstimmung_Manager_Ruecktrittsforderung_Zentralrat_Juden

Aus Wiedenroths Worten spricht tiefe Not, denn wer möchte schon in einer Atmosphäre leben, in der „jedermann zu jeder Zeit unter Anklage gestellt werden kann„, nur weil er es wagte ein „alltägliches Wort der deutschen Umgangssprache zu verwenden, welches schon die Nazis benutzen„. Fast möchte man fragen, wie lange wird Germania noch stillhalten unter dem Diktat dieser Geißel, vermutlich nicht nur der Deutschen sondern der Menschheit, denn wozu sonst wäre eine Übersetzung ins Englische notwendig. Wohin möchte man solche Karikaturen exportieren?

Wie sehen, die deutsche Solidarität mit Israel und den Juden ist doch sehr brüchig und mit tausend Vorbehalten und Verbindungen verwoben. Dabei könnte eine kritische Karikatur auch bereichernd sein – wenn sie denn alte antijüdische Stereotypen und böswillige Verleumdungen unterlässt. Aber auf solche Karikaturen wird man wohl warten müssen. Die Darstellung von Juden als Kindermörder und Geißel des deutschen Volkes verkauft sich wohl besser – inzwischen nicht mehr nur in rechten Medien, sondern auch in der Tageszeitung vorne am Kiosk.