Knobloch: Überlebende in Gedenktag mehr einbeziehen

Persönliche Befindlichkeiten spielten bei der Absage der Teilnahme am Holocaust-Gedenktag im Bundestag keine Rolle. Das bekräftigte die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch heute gegenüber dem Präsidenten des Bundestages Norbert Lammert in einem Gespräch…

„Es geht in erster Linie darum, dass gerade an diesem Tag des Gedenkens jene Menschen angesprochen werden, die das Glück hatten, das Grauen des Nationalsozialismus zu überleben. Jahrelang wurden die Überlebenden als Gäste in die zweite und dritte Reihe verwiesen und auch nicht als Zeitzeugen zu den Gesprächen mit den Schülern eingeladen, die zu diesem Thema anlässlich des Gedenktages in den Bundestags gekommen waren.“

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch und der Präsident des Bundestages Norbert Lammert kamen überein, die Einzelheiten für die Zukunft besonders im Hinblick auf die Zeitzeugen in einem persönlichen Gespräch zu klären.

Schuldzuweisungen im Zusammenhang mit den Unstimmigkeiten waren nicht Thema des Gesprächs – im Besonderen keinesfalls über die Funktion des Generalsekretärs Stephan Kramer, die nicht zur Debatte steht.

PM von Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, 29.01.2009

2 Kommentare zu “Knobloch: Überlebende in Gedenktag mehr einbeziehen

  1. Warum wurde eigentlich der 27. Januar, der Tag der Befreiung von Auschwitz, zum Internationalen Holcaust-Gedenktag erklärt? Es hätte doch weitaus bedeutendere Daten gegeben, wie z.B. den Tag, an dem die Wannsee-Konferenz zusammentrat, um die „Endlösung der Judenfrage“ zu beschließen. Oder auch den Tag der Invasion Polens oder Russlands. Oder den Tag, an dem erstmals die Gaskammern in Betrieb genommen wurden. Die Wahl dieses Tages soll allem Anschein nach den Mord in den Hintergrund drängen, und die angeblichen internationalen Bemühungen, ihn zu stoppen, unterstreichen. Und vielleicht kann damit auch die Frage übertüncht werden, die man immer wieder stellen könnte: Warum wurde Auschwitz nicht bombardiert?
    Eine Bombe, mit der auf die Bereitschaft hingewiesen worden wäre, die Vernichtung zu stoppen, und zwar nicht als ein Nebenprodukt des Krieges selbst. In Auschwitz wurden ja bekanntlich auch Angehörige anderer Völker getötet.

  2. Daß der Bundestag, der in den letzten Jahren ohne mit der kollektiven Wimper zu zucken den Sozialstaat systematisch zerlegt, nun den menschlichen Umgang mit Holocaust-Überlebenden weit hinter die Bedürfnisse eines selbstauferlegten, willkürlichen Rituals stellt, dürfte eigentlich nicht überraschen. Daß dem Bundestag abstrakte Ziele bzw. die äußere Form wichtiger sind als gelebte Menschlichkeit, ist nun mal eine traurige Tatsache.

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