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Entschädigung aller NS-Opfer gefordert: Symbolische Besetzung der Neuen Wache Berlin

Die symbolische Beschlagnahmung der neuen Wache zwei Tage vor dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus war trefflich gewählt. Für eine knappe Stunde war am Sonntag der Zugang zur Neuen Wache versperrt…

Von Lothar Eberhardt

Die symbolische Pfändung war für Spaziergänger und Touristen auf dem Berliner Boulevard Unter den Linden durch ein grosses und kleinere beigestellten Transparente mit den Forderungen nach Entschädigung aller NS-Opfer weithin sichtbar zu erkennen. Nach polizeilicher Personalienfeststellung gaben die „Gedenkortstörer“ das Portal wieder frei.

Die Entschädigungskritiker vom AK Distomo und der Gruppe „angreifbare traditionspflege“ wiesen mit ihrem Protest auf offene Fragen in der NS-Entschädigung hin und streuten Sand in die „Gedenkroutine“ anlässlich des „Internationalen Holocaust-Gedenktages“.

Die geschichtspolitischen Aktivisten, die die alljährlichen Proteste im bayrischen Mittenwald gegen das Traditionstreffen der Gebirgsjäger organisieren, wiesen auf die jahrelange Weigerung der Bundesrepublik hin, die Opfer von Wehrmachts- und SS-Massakern in Italien und Griechenland zu entschädigen. Bei diesen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ durch das Nazi-Regime wurden in Italien und Griechenland 1944 zehntausende Zivilisten ermordet. Klagen der Opfer bzw. ihrer Nachkommen wurden vor deutschen Gerichten mit dem Argument der Staatenimmunität abgewiesen. Die NS-Opfer haben jedoch vor Straf- und Zivilgerichte in Italien und Griechenland rechtskräftige Urteile gegen die Bundesrepublik Deutschland erstritten.

Die „Neue Wache Besetzter“ kritisieren die Haltung der deutschen Regierung und werfen ihr „schlichte Zahlungsverweigerung“ vor. Mit ihrer sonntäglichen „Beschlagnahmung“ brachten sie die legitimen Ansprüche der Überlebenden und ihrer Hinterbliebenen an einem symbolträchtigen Ort an die Öffentlichkeit.

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Fotos: © Kappa Photo