- haGalil - http://www.hagalil.com -

Die DMZ – ein rechtes Revolverblatt: Hisbollah-Fantour von deutschem Militaristen

In vielen Bahnhofskiosken findet sich die „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ). Das zweimonatlich erscheinende Hochglanzmagazin sieht auf den ersten Blick aus wie eines der gut dutzend Militaria-Blätter, in denen es viel um Leistungen von Waffen, aber nur wenig um ihre Wirkungen geht. Doch die DMZ ist nicht nur unkritisch gegenüber Waffen, sie ist bei genauerer Durchsicht schnell als politisch extrem rechts einzuordnen…

Von L. Teidelbaum

Die neue DMZ-Ausgabe Januar/Februar 2009 hat es in sich. Es finden sich Anzeigen für das extrem rechte Magazin „Die Aula“ aus Österreich, für die FPÖ-nahe Wochenzeitung „Zur Zeit“ aus Österreich, das Waffen-SS-Blatt „Der Freiwillige“ und den „nationalrevolutionären“ Bublies-Verlag, in dem beispielsweise das „Grüne Buch“ des lybischen Diktators Gaddafi erschien. Von dem rechtslastigen Stocker-/Ares-Verlag aus Österreich liegt dieser DMZ-Ausgabe zudem ein eigenes Verlagsprospekt bei.

Interviews gaben der DMZ für diese Ausgabe James Baque (kanadischer Geschichtsrevisionist), Prof. Franz W. Seidler (ein extrem rechter Militärhistoriker), Dr. Klaus Goebel (Anwalt des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Josef Scheunengraber und Ex-Funktionär im Nazi-Verein „Stille Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte e. V.“). Das Autoren-Duo Schröm und Röpke schreibt in seinem Buch „Stille Hilfe für braune Kameraden“ zu Goebel (Seite 72): „Klaus Goebel war nicht irgendein Anwalt. Ein Vierteljahr zuvor [als Jan. 1990], bei der Mitgliederversammlung der Stillen Hilfe in Rotenburg/Wümme, war Goebel auf Vorschlag des Gesamtvorstandes von der Vereinsvorsitzenden Adelheid Klug ins Kuratorium berufen worden.“

Durch den wilden Libanon

Ebenfalls für ein Interview zur Verfügung stand der DMZ Imad Alawa, der Hisbollah-Sprecher im Libanon. Auf den Seiten zuvor findet sich ein Reisebericht vom DMZ-Chefredakteur Manuel Ochsenreiter (* 1976). Dieses Interview entstand im Zusammenhang mit Ochsenreiters Reise in den Libanon. Dabei hatte Ochsenreiter bestimmte Reiseziele, die er ansteuerte. Er selbst schreibt, dass er während seines Aufenthaltes „die Schlachtfelder des Sommerkrieges 2006“ besichtigte. Der Reisebericht von Ochsenreiter in der aktuellen DMZ-Ausgabe (Seite 26-31) strotzt vor unverhohlener Bewunderung für die theokratische Fundamentalisten-Truppe: „Noch nie wurde der modernsten und hochgerüstetsten [sic!] Armee des Nahen Ostens, den israelischen Streitkräften, so erfolgreich die Stirn geboten.“

Fotos und Text zeigen, dass Ochsenreiter das Kriegsmuseum der Hisbollah, eine martialische Waffenschau, besichtigte und sich auf einem erbeuteten israelischen T-55-Panzer ablichten ließ. Hintergründe zu der Eskalation des Konfliktes gibt es in dem Text kaum. Dass die Hisbollah die Nordgrenze Israels auch noch nach dem israelischen Rückzug aus dem Libanon unablässig attackierte, erfährt man beispielsweise nicht.

Auf den folgenden zwei Seiten (Seite 32-34) findet sich dann das Interview mit Imad Alawa, Sprecher der Hisbollah und Direktor der Ausstellung „Al Imad“. Der äußert sich im DMZ-Interview u.a. wie folgt: „Wir verteidigen unsere Heimat und verüben keine Anschläge irgendwo auf dem Globus.“

Das ist eine glatte Lüge, wie die fortwährenden Angriffe der Hisbollah auf Israel auch nach dessen Rückzug aus dem Libanon zeigen. Experten führen auch den Anschlag auf ein jüdisches Zentrum in Argentinien 1994, bei dem 85 Menschen getötet wurden, auf die Hisbollah zurück[i].

Eine rechte Karriere

Ursprünglich stammt Ochsenreiter aus (rechts-)konservativen Kreisen, schlug dann „neu“rechte Wege ein und rückte mit der Zeit immer weiter nach rechts. Ochsenreiters vermutlich erster größerer Auftritt auf der politischen Bühne war ein Beitrag zu dem 1995 erschienen Sammelband „Wir 89er“, der den programmatischen Versuch darstellte eine rechte Anti-Generation zu den in der Rechten verhassten 68ern zu konstruieren. Im Vorwort des Buches heißt es pathetisch und vorauseilend siegestrunken: „Es [der Buchband] stellt die erste Manifestation einer Generation dar, mit der man in Zukunft zu rechnen haben wird. Hier sprechen wir. Wir 89er.“

Ochsenreiters Beitrag zu dem Buch besteht aus einer langweilen Klage über nicht-rechte Lehrer und einer Schilderung seines Kampfes gegen linke Tendenzen und vermeintlichen konformen Zeitgeist in der Schule, der Gesellschaft und in der CSU bzw. in deren Jugendorganisation JU, in der sich Ochsenreiter engagierte. Im Jahr 1995 rief er mit der CSU-JU den „Konservativen Aufbruch“ ins Leben und war später der stellvertretender Landesvorsitzender des inzwischen wieder eingeschlafenen deutschnationalen „Christlich-Konservativen Deutschlandsforums“ (CKDF) in Bayern/Baden-Württemberg[ii]. Nachdem die (Re-)Etablierung eines schlagkräftigen Stahlhelmflügels in den Unionsparteien fehlgeschlagen war, fiel Ochsreiters Blick bei seiner Bündnissuche auf andere Bereiche. So betätigte sich Ochsenreiter als mutmaßlich Parteiloser in der extrem rechten Strömung der so genannten „Neuen Rechten“. Ochsenreiter war bis 2004 Redakteur für das neurechte Wochenblatt „Junge Freiheit“ und ist seit Ende 2004 Chefredakteur der DMZ.

Dass Manuel Ochsenreiter der Hisbollah einen Besuch abstattete, ist bei genauerer Betrachtung kein Zufall. Ochsenreiters Fable für arabische Autokraten und Islamisten ist nämlich älter als seine Libanon-Reise. Als Buchautor versuchte sich Ochsenreiter bereits mit dem Buch „Staatsmord in Bagdad“, das unter der Herausgeberschaft Ochsenreiters 2007 im rechten „Bonus-Verlag“ erschien und die Hinrichtung des Ex-Diktators Saddam Hussein apologetisch verteidigt. Als Interviewpartner stand er nicht nur dem Nazi-Traditionsmagazin „Nation & Europa“ (11-12/2007) Rede und Antwort, sondern auch der Online-Plattform, „Muslim-Markt“[iii].

Die deutsche Rechte und fundamentalistische Muslime – eine partielle Querfront

Die deutschsprachige Internet-Plattform „Muslim-Markt“ wird betrieben von dem Verein „Islamischer Weg e.V.“, hinter dem vor allem die Brüder Yavuz und Gürhan Özoguz, Iran-nahe Schiiten stehen. „Muslim-Markt“ zeigt anschaulich die Querfronten auf, die zwischen Islamisten und der extremen deutschen Rechten bestehen. Neben allerhand honorigen Personen finden sich als Interviewpartner von „Muslim-Markt“[iv] auch rechte bis rechtsextreme Protagonisten wie Alfred Mechtersheimer von der Deutschlandbewegung, „Oberrabbiner“ Friedman (Alibijude für alle Antizionisten), Norman G. Finkelstein (Alibijude für alle Antisemiten), Andreas Molau (NPD-Funktionär), Gerard Menuhin (Schreiber in dem DVU-Blatt „Deutschen National-Zeitung“), Arne Hoffmann (Autor des Buches „Warum Hohmann geht und Friedman bleibt“), Jamal Karsli (Iran-naher Konspirologe, ehemaliger Grünen- bzw. FDP-Abgeordneter) oder der Ex-Professor Michael Friedrich Vogt (u.a. Dokumentarfilmer der Doku „Geheimakte Heß“, Mitglied der Münchner Burschenschaft Danubia).

Neben Antiamerikanismus und Antisemitismus bzw. Antizionismus liegt die gemeinsame inhaltliche Schnittmenge zwischen Islamisten und deutschen Rechtsextremisten auch in einem extremen Strukturkonservatismus, Antimodernismus und Kulturpessimismus. Das wird klar in der Antwort von Andreas Molau (NPD) im Interview mit „Muslim-Markt“[v]: „Etwas mehr Kopftuch, als Frage einer züchtigen Kleiderordnung, stünde manch deutschem Mädel schon gut zu Gesicht.“ Hier kommt so etwas wie Neid auf die lustfeindliche und restriktive Lebenserfassung und -regelung durch die fundamentalistische Auslegung des Islams zum Vorschein.

Einen weiteren inhaltlichen Knotenpunkt bilden die Schriften der rechten Neuheidin Sigrid Hunke (1913-1999). Die rechtsradikale Ideologin Hunke gilt mit ihrer positiven Bewertung und Beschreibung des Islam bis heute als europäische Vordenkerin des Islam. Der islamische Verlag „SKD Bavaria“ mit Sitz in Garching vertreibt ihre Schrift „Allah ist ganz anders“[vi] (1990) und eine arabische Botschaft soll Mitglied der rechten „Sigrid-Hunke-Gesellschaft“[vii] mit Sitz in Bonn gewesen sein.

Die Bündnisse von Islamisten und deutschen Rechtsextremisten sind häufig ideeller und eher unkonkreter Art. Die NPD und Co. beziehen sich positiv auf das Mullah-Regime im Iran oder der Iran unterstützt deutsche Holocaustleugner. Die Querfront vor Ort gestaltet sich eher schwierig. Denn eigentlich gilt unter deutschen Rechtsextremen noch das traditionelle „Ausländer raus!“, was auch die hiesigen Muslime und Islamisten mit einschließt. Wenn es aber gegen Israel oder die USA geht, dann schließt man sich schon mal zusammen oder kooperiert miteinander.

Beispielsweise als die 2003 verbotene kleinere Islamistenorganisation „Hizb ut-Tahrir“ („Partei der islamischen Befreiung“) auf einer Veranstaltung an der Technischen Universität (TU) Berlin am 27. Oktober 2002 mit NPD-Kadern den Schulterschluss suchte[viii]. Oder beim „Al-Quds-Tag“ 2005 in Berlin, als der aus der rechten Szene bekannte Frank-Eckart Czolbe-Senft sich mit seinem eigenen Lautsprecherwagen beteiligte[ix]. Ein weiteres Beispiel wäre das neurechten Magazin „Junges Forum“ (Regin-Verlag), das sich in einer Ausgabe dem Thema „Der Islam und die Rechte“ widmete[x]. Die Beiträge stammten von Claudio Mutti (Islam-Konvertit und neurechter Verleger aus Italien), Karl Richter (NPD-Stadtrat in München), Martin Schwarz (neurechter Islam-Konvertit aus Wien), Gejdar Dzemal und Markus Fernbach (Leiter des Regin-Verlages).

In Einzelfällen war das totalitäre Konzept des Islamismus und der damit fast immer verbundene Antisemitismus und Antiamerikanismus für deutsche Rechtsextreme so attraktiv, dass sie zum Islam konvertierten. Ein Beispiel wäre Hadayatullah Hübsch[xi] (*1946), vormals Paul-Gerhard Hübsch, der Imam (Freitags-Prediger), der zur Ahmadiyya-Gemeinde gehörenden Nuur-Moschee in Frankfurt am Main ist. Hübsch schreibt in den rechten Blättern „Hier&Jetzt“ (NPD-nah), „Junge Freiheit“ oder dem Magazin „Gegengift“. Dass der Konvertit Hübsch regelmäßig bei dem rechtskonservativen Magazin „Gegengift“ mitgiftet verwundert. Wirbt doch „Gegengift“ auf dem antimuslimischen und ProKöln immer näher rückenden Internetportal „politically incorrect“ für sich. Die gemeinsame politische Orientierung scheint hier die religiösen Streitereien verdecken zu können.

——————————————————————————–

[i] Hisbollah soll für Anschlag auf jüdisches Zentrum verantwortlich sein, in: Spiegel vom 10.11.2005, https://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,384126,00.html
[ii] Barbara Junge, Julia Naumann, Holger Stark: Rechtsschreiber, Berlin 1997, Seite 63
[iii] Vgl. Muslim-Markt interviewt Manuel Ochsenreiter, Chefredakteur der DMZ, 17.5.2005
http://www.muslim-markt.de/interview/2005/ochsenreiter.htm
[iv] Vgl. http://www.muslim-markt.de/interview/interview.htm
[v] Vgl. Muslim-Markt interviewt Andreas Molau, Stellvertretender Chefredakteur der „Deutschen Stimme“, 9.3.2006, http://www.muslim-markt.de/interview/2006/molau.htm
[vi] Vgl. http://www.skdbavaria.de/buch_10.html
[vii] Peter Kratz: Die Götter des New Age, , Berlin 1994, Seite 365
[viii] redok: Islamisten-Kontakte: NPD-Chef hatte sich nur verlaufen, 23.08.2006, http://www.redok.de/content/view/175/36/
[ix] Marlies Emmerich: Massiver Protest gegen Aufzug von Islamisten. Bekannter Neonazi bei antiisraelischer Kundgebung, in: „Berliner Zeitung“ vom 31. Oktober 2005, http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2005/1031/berlin/0037/index.html
[x] Vgl. http://www.regin-verlag.de/shop/product_info.php?info=p5_Junges+Forum+Nr.+3%3A+Der+Islam+und+die+Rechte.html&XTCsid=111454c9653ff1666562553a90bfb10b
[xi] Vgl. www.ahmadiyya.de/muslim/person/hadayatullah_huebsch.html