Streit zwischen Damaskus und Gaza: Noch mehr Feuer, noch mehr Rauch

Einen richtigen Riss gibt es inzwischen in der Hamasführung. Während man in Gaza die Katastrophe spürt, lehnt man in Damaskus jedweden Kompromiss ab. Indem man nun den Druck auf die Hamas in Gaza erhöht, kann man diesen Riss sogar noch weiter aufreißen. ZaHaL wird also weiterschiessen, bis man die Rauchwolken auch in Beirut, Damaskus und Teheran sehen kann…

In den nächsten Tagen ist also mit einiger Aktivität zu rechnen, meint der Militärexperte Alex Fishman in Jedioth achronoth. Noch mehr Feuer, viele Flugzeuge, viel Artillerie. Dies ist das Stadium, in dem ZaHaL (IDF) versuchen wird, die Terrorverbände der Hamas so stark wie nur möglich zu treffen. Denn schließlich braucht man auch in Israel irgendein Siegesbild. In Israel hat man den Eindruck, als brauche Hamas noch einen Schubs, noch eine weitere Überzeugung durch Feuer, um eine Entscheidung zu treffen. Demnach kann Amos Gilad ruhig noch warten und erst in ein bis zwei Tagen nach Ägypten fahren. Denn seitens der Hamas liegt sowieso noch keine Antwort vor. Auch die Vereinbarungen zwischen Israel und Ägypten über die Philadelphi-Schneise (die Grenze zwischen Gaza-Streifen und Ägypten) sind geheime Vereinbarungen unter der Schirmherrschaft der USA und unter Beteiligung weiterer europäischer Länder. So hat zB Deutschland, dessen Außenminister Rafiah besucht hat, versprochen, technologisches Equipment im Kampf gegen den Schmuggel zu liefern. All diese Manöver, das Ausschnüffeln und die Reisen sind nur eine Art Vorspiel. Das wahre Spiel wird erst zu einem späteren Zeitpunkt beginnen.

Streit auch in Israel

In M’ariw erkennt Ben Caspit auch einen Riss zwischen den Truppen in Gaza und der Politik in Jerusalem: Nicht nur in Gaza wird ein Krieg ausgetragen. Auch die Drahtzieher zuhause, diejenigen, die beschließen ob und wann eine Feuerpause sein wird, bekämpfen sich gegenseitig bitter. Die Politiker hier stehen im Rampenlicht und machen Schlagzeilen, während die Soldaten bei den Feuerkämpfen in Gaza ihr Leben aufs Spiel setzen. Jeder hier vertritt seine eigenen Interessen, denn schließlich sind in einem Monat Wahlen. Vor Ort, beim Kampf, wird behauptet, dass Olmert sehr raffiniert sein Ziel anstrebt: ein möglichst langer Aufschub der Wahlen, damit er es bis dahin noch schafft, einen bedeutenden Sieg in Gaza zu verzeichnen und vielleicht sogar Gilad Shalit zurückzuholen. Die Soldaten sind demnach für die Politik eingezogen worden. Es ist selbstverständlich, dass dies im Amt des Premierministers mit Nachdruck zurückgewiesen wird.

Aber auch im militärischen Establishment gilt es sich zu profilieren um an Karrieren zu basteln. So ist es kein Geheimnis, dass sich Generalstabschef Ashkenazi und IDF-Südkommandant Galant nicht gerade mögen. Galant weiß, dass die Chancen, Ashkenazis Stellvertreter zu werden, momentan sehr gering stehen, weshalb Galant den Gazaeinsatz unbedingt braucht, um als sich als jemand zu präsentieren, der drängt, initiiert, plant und dann danach von Ashkenazi befördert werden muss.

Bei all diesem Gerangel kann auch Kadimachefin Livni nicht still sitzen. Sie nutzte eine Pressekonferenz mit dem deutschen Kollegen, Bundesaußenminister Steinmeier, um auf Kritik zu erwidern. Trotz Wahlkampf, sei sie nicht bereit, sich auf eine innenpolitische Diskussion einzulassen. Auch wenn die Liste ihrer diplomatischen Errungenschaften eher kurz sei, verwahre sie sich gegen aus wahlstrategischen Gründen vorgetragene Kritik. Damit wandte sie sich sowohl gegen Verteidigungsminister Barak, der sich seit Tagen für eine baldige Feuerpause ausspricht, als auch gegen Likud-Chef Netanjahu, der die Aktion lieber ausweiten würde.