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Davos, Präsident Peres und Ministerpräsident Erdogan

Es ist erstaunlich wie ein Vorfall, den jeder, der Zugang zum Internet hat, selbst kontrollieren kann, von zwei unserer Qualitätszeitungen von der Presse und dem Standard geschildert wird…

Medienkonsument Karl Pfeifer berichtet

Die Presse:

„Erdogan wollte auf einen langen Beitrag des israelischen Präsidenten Shimon Peres antworten. Dieser hatte ein flammendes Plädoyer für den Krieg Israels im Gazastreifen gehalten und Erdogan dabei direkt angesprochen. Doch der Moderator der Veranstaltung verweigerte dem türkischen Regierungschef das Wort mit dem Hinweis, dass die Debatte beendet sei.“

Das ist – wie jeder sich überzeugen kann – nicht richtig. Am Podium nahmen außer dem Moderator der UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, der türkischer Ministerpräsident Erdogan, der Generalsekretär der arabischen Liga Amr Mussa und Präsident Shimon Peres an der Diskussion teil. Peres sprach als letzter und stellte Erdogan u.a. die folgende Frage, die Erdogan in Rage brachte: „Was hätten Sie denn getan, wenn jeden Abend Raketen auf Istanbul niedergegangen wären?“.

Weder Presse noch Standard berichteten dies. Alle Teilnehmer konnten während der Diskussion ihre Standpunkte ausführen und man kann nicht sagen, dass Israels Präsident bevorzugt gewesen wäre. Denn Recep Tayyip Erdogan und Amr Mussa griffen Israel heftig und zum Teil mit Untergriffen an und Banki Mun trat auch nicht als Freund Israels auf.

Der Standard berichtet: „Am Weltwirtschaftsforum in Davos ist es am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion über den Gazastreifen zu einem Eklat gekommen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warf dem israelischen Präsidenten Shimon Peres vor, dass Israel Mord im Gazastreifen begangen habe. Als der Moderator versuchte, ihm das Wort zu entziehen, verließ Erdogan wutentbrannt den Saal. Alle anderen hätten viel länger reden dürfen, rief Erdogan, bevor er davonstürmte.“

Der Standard hatte wenigstens die Fairness aus der Rede von Peres kurze Auszüge zu bringen, doch erweckte auch ihr Bericht den Eindruck als ob Erdogan nicht seine Ansichten vorher zum Ausdruck bringen konnte.

Tatsächlich wies der Moderator sehr höflich darauf hin, dass die Delegierten zum Mittagessen geladen sind und die Debatte nicht verlängert werden kann.

Präsident Peres hätte auch fragen können, warum denn die türkische Armee so viele kurdische Dörfer im Osten Anatoliens dem Erdboden gleichgemacht hat u.ä.m. Aber gerade wegen Abbruch der Debatte, haben sich die die Gemüter beruhigt.

Es ist ganz erstaunlich, dass weder R.T. Erdogan noch Amr Mussa ein Wort über den Charakter der Hamas verloren haben. Gerade diese Tage hat Khaled Mashal – der in Damaskus residierende Anführer der Hamas – erklärt, der Sieg der Hamas in Gaza hat den Weg nach Jaffa und Haifa vorbereitet.

Man hätte auch über den Hamas Terror gegen die eigene Bevölkerung diskutieren können, dass im Gaza-Streifen Leuten, die nicht erlauben wollten, dass von ihrem Hausdach Raketen abgeschossen werden, ins Knie geschossen wurde.

Eine palästinensische Nachrichtenagentur berichtet wie Hamas Fatahmitglieder als „Kollaborateure“ erschossen hat. Und Reuters schildert, wie Hamas einen Palästinenser zu Tod folterte.

Wenn Sie wirklich wissen wollen, wie sich die Diskussion in Davos abgespielt hat, dann schauen Sie sich das untere Video auf http://www.haaretz.com an.