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    <title>hagalil.com - rundschau</title>
    <link>http://www.hagalil.com/01/de/</link>
    <description>Meinungen, bunt gemischt</description>
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      <title>hagalil.com - rundschau</title>
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 <title>Tribüne - Zeitschrift zum Verständnis des Judentums</title>
 <link>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=3083</link>
<description><![CDATA[Seit 44 Jahren informiert die TRIBÜNE kontinuierlich über jüdische Themen...<i>Von Roland Kaufhold</i><br />
<br />
Seit 44 Jahren engagiert sich die Zeitschrift »TRIBÜNE« für ein – wie es im Untertitel heißt – »Verständnis des Judentums«. Kontinuierlich und unabhängig informiert sie über die breiten Facetten des international weiterhin virulenten Antisemitismus, über die durch den deutschen Nationalsozialismus nahezu ausgelöschte Tradition des Judentums wie auch über die schwierige Lebenssituation in Israel. Der Redaktion – hierunter der frühere WDR-Redakteur Heiner Lichtenstein, welcher sich durch seine jahrzehntelangen Reportagen über deutsche Prozesse gegen nationalsozialistische Kriegsverbrecher bleibende Verdienste erworben hat – gelingt es, regelmäßig kompetente Wissenschaftler und Publizisten aus verschiedenen Gesellschaftsdisziplinen als Mitarbeiter zu gewinnen.<br />
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In den Rubriken »Deutsches Kaleidoskop«, »Berliner Bühne«, »Österreich-Mosaik« sowie »Israelisches Tagebuch« wird in Heft 176 (4/2005) über aktuelle tagespolitische und kulturelle Ereignisse berichtet. Heiner Lichtenstein erinnert in einfühlsamer, informativer Weise an das außergewöhnliche Wirken des kürzlich verstorbenen Simon Wiesenthal. In Israel ist Wiesenthals lebenslanges Bemühen, untergetauchte Naziverbrecher vor Gericht zu bringen, nahezu nur von Überlebenden der Shoah gewürdigt worden. Lichtenstein resümiert: »Die Welt hat mit Simon Wiesenthal, der 96 Jahre alt geworden ist, ein Symbol, ein leuchtendes Vorbild verloren. Zu seiner Beisetzung in Herzlia am Ufer des Mittelmeers waren Hunderte Holocaustüberlebende gekommen, um von dem Mann Abschied zu nehmen, der so gewirkt hat, wie seine Memoiren heißen: Recht, nicht Rache« (S. 67).<br />
<br />
In einer literarischen Rubrik beschreibt Ursula Homann den Lebensweg Kurt Tucholskys und Manès Sperbers als den zweier »ungläubige(r) Juden, die vom Judentum nicht loskamen«. Wolf Scheller zeichnet die Biografie und das Werk des 96-jährigen Psychoanalytikers und Schriftstellers Hans Keilson nach, dessen literarische Schriften gerade im S. Fischer Verlag und dessen wegweisende »Untersuchung zum Schicksal jüdischer Kriegwaisen« unter dem Titel »Sequentielle Traumatisierung« in diesem Jahr im Psychosozial-Verlag wieder neu aufgelegt worden sind. In einem mit »Im Auftrag der Opfer« betitelten Interview mit Moshe Jahoda wird die Arbeit der Jewish Claims Conference in Deutschland dargelegt. Anton Maegerle sowie Carl Heinrich skizzieren in ihren historischen Rubriken die Fluchtwege untergetauchter NS-Massenmörder sowie die von Himmler gegründete »pädagogische« Geheimorganisation »Lebensborn«.<br />
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Besondere Erwähnung verdient das von Esther Schapira erstellte Porträt eines 18-jährigen Palästinensers, dessen geplantes Selbstmordattentat vor vier Jahren durch das intuitive, entschlossene Verhalten eines israelischen Busfahrers zum Glück verhindert wurde. Diese einfühlsame autobiografische Studie wird mit einer an anderer Stelle im Heft formulierten Kritik des Films »Paradise Now« verknüpft. Hervorheben möchte ich den Beitrag »Neue Hoffnung. Israel nach dem Abzug aus Gaza« des früheren israelischen Botschafters in Deutschland, Avi Primor. Er beschreibt die bezüglich der »Friedensmöglichkeiten« höchst ambivalente Stimmung in Israel; der einseitig vollzogene Abzug aus dem Gazastreifen erscheint ihm als Hoffnungsperspektive für ein Durchbrechen des beide Seiten schädigenden Kreislaufs der Gewalt, einschließlich der hierdurch hervorgerufenen massiven ökonomischen Schädigungen. Sharons überraschende politische Kehrtwende setzt Primor in Kontext mit den Auswirkungen der von prominenten Israelis und Palästinensern Ende 2003 der internationalen Öffentlichkeit vorgestellten »Genfer Initiative. Primor lässt hierbei seine Unterstützung für dieses hoffnungsvolle Friedensprojekt durchschimmern. Eine umfangreiche Rezensionsrubrik beschließt diesen Band.<br />
<br />
Ergänzend sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der Münchner Historiker Reiner Bernstein soeben die sehr profunde Studie »<a href="http://www.hagalil.org/hagalil/01/de/Israel.php?itemid=1095">Von Gaza nach Genf. Die Genfer Friedensinitiative von Israelis und Palästinensern</a>« (Wochenschau-Verlag, Oktober 2005) vorgelegt hat, welcher eine große Verbreitung zu wünschen ist. Im Internet wird diese Initiative vorgestellt unter: www.Genfer-Initiative.de<br />
<br />
<i>Diese Rezension ist in "psychosozial" Nr. 108 (Heft II/2007), S.129 f. erschienen. Wir danken dem <a href="http://www.psychosozial-verlag.de">Psychosozial-Verlag</a> herzlich für die Nachdruckrechte.</i>]]></description>
 <category>Allgemein</category>
<comments>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=3083</comments>
 <pubDate>Tue, 9 Dec 2008 07:54:17 +0100</pubDate>
</item><item>
 <title>60 Jahre Israel - Städtetreff in Wiesbaden-Biebrich</title>
 <link>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=3061</link>
<description><![CDATA[Die Jerusalem Foundation bittet Kommunalvertreter aller Bundesländer ins Biebricher Schloss...Auf diesen Tag hatte man bei der Jerusalem Foundation in Deutschland und Israel seit Wochen hingearbeitet. Erstmals in ihrer langen Geschichte lud die jüdisch-arabische Koexistenz-Stiftung des ehemaligen Jerusalemer Bürgermeisters Teddy Kollek  deutsche Kommunalpolitiker zu einer Informationsveranstaltung ein. Das Motto: „60 Jahre Israel“. Der Ort für diesen Event hätte ehrwürdiger kaum sein können: Schloss Biebrich, die barocke Residenz der Herzöge von Nassau am Rheinufer des Wiesbadener Stadtteils Biebrich. Und auch das Wetter spielte mit.<br />
<br />
Oberbürgermeister, Bürgermeister, Beigeordnete und Magistratsvertreter von Augsburg bis Worms, von Bonn bis Wunsiedel, von Erlangen bis Wittlich waren der Einladung gefolgt.<br />
<br />
Ministerpräsident Roland Koch, Schirmherr der Veranstaltung, konnte wegen eines kurzfristig anberaumten Krisengipfels der Länderchefs in Berlin letztendlich selbst nicht anwesend sein. In Vertretung kam der Hessische Minister für Justiz und Kultus, Staatsminister Jürgen Banzer, der auch das Grußwort sprach. Ihm folgte in der Rednerliste Professor Dr. Dr. h.c. Bernhard Servatius, ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender der Axel-Springer AG. Beide Ansprachen dokumentierten auf bemerkenswerte Weise die langjährige Verbundenheit der Ehrengäste mit dem Staat Israel und der Stadt Jerusalem.<br />
<br />
Stiftungs-Präsidentin Ruth Cheshin sowie Irene Pollak-Rein, Leiterin der Abteilung deutschsprachiger Länder, berichteten den Teilnehmern über ihr Land, die Entwicklung der Stadt Jerusalem in den vergangenen sechs Jahrzehnten, das Wirken von Teddy Kollek sowie aktuelle Probleme und Lösungsmöglichkeiten für sozialen Frieden in dieser multikulturellen Metropole des Nahen Ostens. <br />
<br />
Ein festliches Mittagessen rundete die Informationsveranstaltung ab. „Dieser Event macht wahrlich Lust auf weitere“, so Gabriele Appel, Deutschland-Repräsentantin der Jerusalem Foundation. Sie hofft auf einen erneuten Städtetreff im kommenden Jahr.<br />
<br />
<a href="http://www.hagalil.com/01/de/media/1/jerfound.jpg">null</a><br />
V.l.n.r.: Staatsminister Jürgen Banzer (Hessischer Minister für Justiz und Kultus), Ruth Cheshin (Internationale Präsidentin der Jerusalem Foundation), Prof. Dr. Dr. h.c. Bernhard Servatius (Ehem. Aufsichtsratsvorsitzender der Axel-Springer AG und Mitglied der Jerusalem Foundation Deutschland e.V.), Irène Pollak-Rein (Leiterin der Abteilung für deutschsprachige Länder, Jerusalem Foundation), Gabriele Appel (National Director Germany der Jerusalem Foundation)<br />
<br />
Weitere Informationen unter <a href="http://www.jerusalemfoundation.org/de">www.jerusalemfoundation.org/de</a>]]></description>
 <category>Allgemein</category>
<comments>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=3061</comments>
 <pubDate>Wed, 3 Dec 2008 08:31:29 +0100</pubDate>
</item><item>
 <title>Orte des Exils 01: Münih ve Istanbul</title>
 <link>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=3059</link>
<description><![CDATA[Eine Ausstellung im Jüdischen Museum München, 3. Dezember 2008 bis 8. März 2009 ..."Hier kann jeder unter seinem Feigenbaume und seinem Weinstocke ruhig leben", schreibt der<br />
Rabbiner Isaak Zarfati in einem Aufruf im 15. Jahrhundert aus dem Osmanischen Reich. Ausgehend davon eröffnet die Ausstellung den Blick auf den exotischen Exilort Istanbul.<br />
<br />
Was bedeutetet die Flucht von West nach Ost? Vom katholischen München in die muslimische Stadt am Bosporus? Istanbul als toleranter Ort? Als Transitpunkt nach Palästina? Wer suchte und fand von 1933 bis 1945 in Istanbul Exil?<br />
<br />
Gezeigt werden Lebensgeschichten zwischen München und Istanbul, das Zusammentreffen von<br />
Kulturen, geprägt durch die Widersprüche von Verfolgung und Neubeginn.<br />
<br />
<a href="http://www.hagalil.com/01/de/media/1/muenih-istanbul.jpg">null</a><br />
<i>(C) Othmar Perschy, Galata Brücke Istanbul</i><br />
<br />
Eine Installation des Künstlers Via Lewandowsky, Berlin, veranschaulicht die Licht- und Schattenseiten des Alltags im Exilort Istanbul.<br />
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Ergänzend zu der Ausstellung Stadt ohne Juden – Die Nachtseite der Münchner Stadtgeschichte (24. September 2008 bis 30. August 2009) werden in diesem Ausstellungsjahr drei Orte vorgestellt, die nach den Vertreibungen seit dem Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert Fluchtpunkte wurden: Istanbul (03.12.2008 bis 08.03.2009), Tel Aviv (25.03.2009 bis 07.06.2009) und Washington Heights (17.06.2009 bis 30.08.2009).<br />
<br />
Weitere Informationen:<br />
<a href="http://www.juedisches-museum-muenchen.de">http://www.juedisches-museum-muenchen.de</a><br />
<br />
Jüdisches Museum München<br />
St-Jakobs-Platz 16<br />
80331 München<br />
Di - So 10 - 18 Uhr]]></description>
 <category>Allgemein</category>
<comments>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=3059</comments>
 <pubDate>Wed, 3 Dec 2008 08:24:25 +0100</pubDate>
</item><item>
 <title>Die Türkei, die Juden und der Holocaust</title>
 <link>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=3032</link>
<description><![CDATA[Eine Studie untersucht die Situation türkischer Juden bis 1945 und kommt so manchem Mythos auf die Schliche...<i>Von Anke Schwarzer</i><br />
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Corry Guttstadt beleuchtet die Geschichte der Juden im Osmanischen Reich und der Türkei. Sie untersucht auch die Situation türkischer Juden, die während des Holocaust in verschiedenen europäischen Ländern lebten. Etwa 3000 von ihnen wurden in Vernichtungs- und Konzentrationslager deportiert. Ihr Schicksal wurde bisher nicht erforscht. Die Turkologin füllt mit ihrem umfangreichen Buch eine Lücke in der internationalen Holocaustforschung, in der Länderstudien oft noch fehlen.<br />
<br />
Hierzulande gilt die Türkei als wichtiges Exilland während des Nationalsozialismus. Und auch in ihrer Selbstdarstellung präsentiert sich die Türkei gerne als Judenretterin während des Holocaust. Betont wird auch, dass das Osmanische Reich den in Europa verfolgten Juden über viele Jahrhunderte Schutz, Autonomie und große Freiheiten gewährte. Diese Bilder, so zeigt Corry Guttstadt, stimmen nur zum Teil. Im Falle des aufgebauten Mythos, demzufolge türkische Diplomaten überall im besetzten Europa „unter Einsatz ihres Lebens“ Juden gerettet hätten, sei er sogar geradezu makaber.<br />
<br />
Aber der Reihe nach. Corry Guttstadt vereinigt fünf große Themen in einem Buch: Sie zeichnet die wechselvolle Geschichte der Juden des Osmanischen Reichs nach und beschreibt die Zäsur, die die Gründung der Türkei für Juden und andere Minderheiten bedeutete. Das Buch beleuchtet außerdem die Beziehungen zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und der Türkei. Es zeigt die widersprüchliche Politik Ankaras gegenüber Exilsuchenden und die passive Haltung gegenüber den jüdischen Türken, die in Deutschland und den besetzten Ländern um Hilfe baten.<br />
<br />
Insbesondere die türkischen Juden, die in verschieden Ländern Europas lebten und Opfer des Holocaust wurden, sind in der internationalen Forschung bisher kaum berücksichtigt worden. Es existiert noch nicht einmal ein Gedenkbuch. Auch die Türkei zeigt wenig Elan, das Schicksal ihrer jüdischen Staatsangehörigen und weiterer Opfer des Nationalsozialismus aufzuarbeiten. Die Autorin sieht ihre Darstellung des Themas, das gut die Hälfte ihres umfangreichen Werks ausmacht, nur als Zwischenergebnis. Als Grund gibt die Historikerin und Turkologin an, dass die Archive des türkischen Außenministeriums der Forschung nach wie vor verschlossen seien.<br />
<br />
<b>Juden im Osmanischen Reich</b><br />
<br />
Gegen Ende des Osmanischen Reichs lebten dort fast 400.000 Juden: Thessalonika, genannt das Jerusalem des Balkans, Edirne, Smyrna (Izmir) und Bagdad galten als die größten Gemeinden weltweit. Gemessen an der Gesamtbevölkerung des Osmanischen Reichs, das sich damals noch über drei Kontinente erstreckte, bildeten Juden jedoch nur eine kleine Minderheit, etwa zwei Prozent der Bevölkerung. Vor allem die ab dem 16. Jahrhundert während der Reconquista aus Spanien eingewanderten Sepharden belebten die Gemeinden. Die etwa 60.000 Menschen brachten das Judezmo mit. Die auf dem Spanisch des 15. Jahrhunderts basierenden Sprache sollte bald von den meisten osmanischen Juden gesprochen werden.<br />
<br />
Die sephardische Einwanderung wurde begrüßt, belebten sie doch die durch Kriege verwüsteten Städte des Balkans. Neben Kapital, modernem technischen und medizinischem Wissen brachten die Sepharden auch die Kunst des Buchdrucks nach Konstantinopel. Nach und nach bekleideten viele wichtige Positionen als Steuerpächter und in der Organisierung des Zolls und des Münzwesens.<br />
<br />
In dem großen Reich siedelte ein Mosaik jüdischer Gemeinden. Es gab arabisch sprechende Juden etwa im eroberten Mesopotamien, Karäer, kurdische aramäische und italienische Juden und die aus verschiedenen mittel- und osteuropäischen Ländern eingewanderten Aschkenasen. Nachdem die Osmanen unter Sultan Mehmet Fatih 1453 Konstantinopel (heute Istanbul) erobert hatten, war die Stadt verwüstet und entvölkert. Die Osmanen siedelten deshalb viele Türken, aber auch Griechen und Slawen zwangsweise an den Bosporus um. Auch die gesamte jüdische Einwohnerschaft aus dreißig bis vierzig Städten wurden nach Konstantinopel verbracht. Noch bis ins 17. Jahrhundert wurden die Zwangsumgesiedelten in Registern als sürgün (Verbannung) geführt, im Gegensatz zu den kendi gelen (selbst/freiwillig Gekommenen). Die sürgün durften Synagogen errichten, allerdings war es ihnen verboten, für die Dauer mehrerer Generationen die Stadt zu verlassen. Außerdem wurden ihnen bestimmte Berufe vorgeschrieben.<br />
<br />
Die Zahl der Juden wuchs aber nicht nur, weil die Osmanen Gebiete mit jüdischer Bevölkerung eroberten wie etwa serbische und bulgarische Gebiete und das anatolische Kernland mit den Städten Diyarbakir und Mardin. Es kamen auch Juden aus christlich-europäischen Ländern, die dort vom vor antijüdischen Massakern und Vertreibungen flohen - seien es die Pest- und Hungersnot-Pogrome im 14. bis 16. Jahrhundert, oder später das Chmelnitzki-Pogrom in Osteuropa. <br />
<br />
Es sei zu betonen, dass das Osmanische Reich zu einer Zeit, als überall in Europa Juden verfolgt oder ausgewiesen wurden, Juden aufgenommen hat – auch wenn dies nicht immer aus altruistischen Motiven geschah, so Guttstadt. Bevölkerungspolitik und Interesse an bestimmten Kenntnissen in Finanzverwaltung und neuen Manufakturmethoden spielten dabei eine wichtige Rolle. Die Situation von Juden unter islamischer Herrschaft sei deutlich sicherer als in christlichen Ländern gewesen. Auch wenn es keine explizite Sonderstellung von Juden gegeben habe, so unterlagen sie doch einer Reihe von Einschränkungen, die auch Christen betrafen: Die gayri müslim (Nichtmuslime) konnten ihre Religion frei ausüben, mussten aber die Überlegenheit des Islam anerkennen. Zudem wurden ihnen eine Kopfsteuer sowie andere Sondersteuern auferlegt. Es war ihnen auch verboten, Waffen zu tragen, muslimische Frauen zu heiraten, Pferde zu reiten und höhere Häuser als die der Muslime zu bewohnen. Zeitweise mussten sie sich auch durch das Tragen bestimmter Farben und Abzeichen identifizierbar machen. Es kam auch zu Vertreibung aus Stadtteilen und zeitweise auch zu Ritualmordbeschuldigungen, die aber von Christen ausgingen.<br />
<br />
<b>Zäsur 1923</b><br />
<br />
Während viele Juden zur Zeit des Osmanischen Reich einwanderten, verließen viele die neugegründete Türkei Anfang des 20. Jahrhunderts. Etwa 25.000 Juden türkischer Herkunft lebten zwischen den beiden Weltkriegen in verschiedenen Ländern Europas. Die erste Generation türkischer Migranten war also mehrheitlich jüdisch. Die Massenauswanderung begann Anfang des 20. Jahrhunderts, als sich die Türkei 1923 als neuer Staat unter Mustafa Kemal (Atatürk) formierte. Seine Partei betrieb eine Türkisierungspolitik, die eine türkisch-muslimische Vorherrschaft zum Ziel hatte. Minderheiten wie christlichen Griechen, Armenier und eben Juden wurde das Leben schwer gemacht – bis hin zur Vertreibung und Massenmord.<br />
<br />
Die rigide Türkisierungspolitik verlangte die Zwangsassimilierung der Minderheiten, verdrängte sie gezielt aus der Wirtschaft, auch aus zahlreichen eher schlecht bezahlten Berufen, und beschnitt ihnen außerdem zahlreiche politische und kulturelle Rechte. So verließ in den zwanziger und dreißiger Jahren ein Drittel bis die Hälfte der Juden die Türkei. Wichtigstes Zielland war Frankreich, weil viele türkische Juden Französisch sprachen und eine Affinität zum »Land der Aufklärung« verspürten. Andere Juden gingen nach Lateinamerika, in die USA oder auch nach Italien oder Deutschland. Jüdische Kaufleute und Teppichhändler aus der Türkei ließen sich in Hamburg, Berlin, in Paris, Marseille, Antwerpen und Wien nieder. Andere arbeiteten als Ingenieure, Übersetzer oder als einfache Arbeiter in der Tabakindustrie. <br />
Europa unter nationalsozialistischer Herrschaft<br />
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Die Nationalsozialisten deportierten 2.200 bis 2.500 Juden türkischer Abstammung aus verschiedenen europäischen Ländern in die Vernichtungslager Auschwitz und Sobibor, weitere 300 bis 400 in die Konzentrationslager Ravensbrück, Buchenwald, Mauthausen, Dachau und Bergen-Belsen, wo viele von ihnen ihr Leben verloren. Ungezählte mussten sich auf Dachböden oder Wäldern verstecken oder haben sich der Deportation entzogen, in dem sie sich selbst das Leben nahmen. Die Hauptakteure wie Heinz Röthke, Leiter des „Judenreferats“ in Frankreich und Kurt Asche, „Judenreferent in Belgien, lebten wie so viele Täter unbehelligt in der Bundesrepublik.<br />
<br />
Der türkische Staat unternahm wenig, um seine Staatsbürger zu retten. Im Gegenteil: Die Politik Ankaras war darauf ausgerichtet, eine Remigration von Juden in die Türkei zu verhindern. Bereits in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die Türkei vielen im Ausland lebenden türkischen Juden die Staatsbürgerschaft entzogen. Damit verbunden war, dass die Ausgebürgerten auf Lebenszeit nicht mehr in die Türkei einreisen durften.<br />
<br />
Was zunächst noch der Nationalstaatsbildung geschuldet war und auch zahlreiche türkische Staatsbürger betraf, die in Gebieten des ehemaligen Osmanischen Reichs wie etwa Griechenland und Bulgarien lebten, richtete sich diese Politik während des Nationalsozialismus vor allem gegen Juden. Die Anerkennung der türkischen Staatsbürgerschaft wurde für sie zur Überlebensfrage, denn als Staatenlose konnten sie leichter in die Konzentrationslager deportiert werden. Selbst noch 1942 ließ Ankara das Ultimatum der Nationalsozialisten an neutrale und verbündete Staaten zur Repatriierung ihrer jüdischen Bürger verstreichen und bürgerte mehrere tausend türkische Juden aus. Gleichwohl nutzen einige Diplomaten der Türkei ihren Handlungsspielraum und auch jüdische Hilfsorganisationen in Istanbul konnten vereinzelt Juden – oft gegen Zahlung hoher Kautionen – aus dem besetzten Europa retten. So wurden 105 türkische Juden aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit. Die meisten stammten aus Istanbul, Edirne und Izmir. Im März 1945 waren sie im Rahmen eines deutsch-türkischen Zivilgefangenenaustausches an Bord des Schiffs Drottningholm nach Istanbul gelangt. Aber erst nach langen Verhandlungen ließen die türkischen Behörden sie von Bord und internierten sie in Pensionen.<br />
<br />
Die Situation für Juden in der Türkei hatte sich allerdings vor allem in den 1940er Jahren weiter verschärft. Zu den zentralen antijüdischen Maßnahmen zählten eine horrende Vermögenssteuer sowie Arbeitslager und Zwangsarbeitsdienste.<br />
<br />
Die etwa 850 türkischen Juden, die während des Holocaust repatriiert oder ausgetauscht wurden, kehrten nach dem Krieg – wohl auch unter dem Eindruck der antijüdischen Politik der Türkei während der Kriegsjahre nach Europa zurück und wanderten nach Palästina/Israel aus. Trotzdem erscheint die Türkei in ihrer Selbstdarstellung als eine positive Ausnahme unter den islamischen Ländern, was den Umgang mit ihren jüdischen Staatsbürgern angeht. Die Türkei nutze die Behauptungen über ihre angeblich so judenfreundliche Politik sehr stark zur Eigenwerbung auf internationaler Ebene, so Guttstadt. Vor allem in den neunziger Jahren, als die Türkei wegen Menschenrechtsverletzungen in den kurdischen Gebieten international kritisiert wurde, betonten türkische Politiker, dass die Türkei zur Zeit des Nationalsozialismus verfolgte Juden aufgenommen habe und dies in der Tradition der Politik des Osmanischen Reiches stehe.<br />
 <br />
Gestützt werde diese Ansicht durch Stanford Shaws Studie „Turkey and the Holocaust“ von 1993. In der einzigen Monographie zum Thema werde betont, dass türkische Diplomaten „häufig unter Gefährdung ihres eigenen Lebens“ türkische Juden gerettet hätten. Diese falsche Darstellung sei nicht nur in der Türkei, sondern auch weltweit begeistert reproduziert wurden. Im vergangenen Jahr erschien in der Türkei außerdem ein Buch unter dem Titel „Der Botschafter“, dessen Autor ein Großneffe des türkischen Botschafters in Frankreich in den Jahren bis 1943 ist. Der Autor behauptet, sein Onkel habe 20&#8201;000 Juden gerettet. In Wirklichkeit wurden laut Guttstadt während seiner Amtszeit nur 100 Jüdinnen und Juden aus Frankreich in die Türkei repatriiert. <br />
<br />
Über 2000 Deutsche und 1000 Österreicher lebten 1939 in der Türkei. Neben Facharbeitern und Ingenieuren zählten auch Universitätsprofessoren und Dozenten an mehreren Hochschulen zu dieser Gruppe, die teilweise von der türkischen Regierung in einer „Bildungs- und Modernisierungsoffensive“ ins Land geholt worden waren. Bei der Mehrheit der in der Türkei lebenden Deutschen habe es sich keineswegs um Gegner und Verfolgte des NS-Regimes gehandelt, so Guttstadt, sondern um „ganz gewöhnliche Deutsche“.<br />
<br />
<b>Fünf Jahre Forschung</b><br />
<br />
Indem Guttstadt Berichte osmanischer und türkischer Juden auszugsweise dokumentiert, Fotos zeigt und Besonderheiten einzelner Gemeinden herausstellt, ist das Buch gut lesbar und anschaulich geschrieben. Es gelingt ihr auch, die türkischen Juden nicht nur als Opfer des Holocaust zu sehen, sondern die Vielfalt der türkisch-jüdischen Gemeinden in Europa während der Zwischenkriegszeit zu zeigen. Das Buch greift nicht nur ein unterbelichtetes historisches Thema auf. Angesichts eines wachsenden Antisemitismus in Europa und in der Türkei erhält es eine besondere Aktualität. Ihre Arbeit dürfte auch so manche Ansätze des Holocaustgedenken in der deutschen Einwanderungsgesellschaft bereichern.<br />
<br />
Das wichtige Buch zeugt von der großen Ausdauer, mit der die Autorin über fünf Jahre hinweg in Europa, Israel, den USA und der Türkei geforscht hat – in Archiven, in KZ-Gedenkstätten, in Gesprächen mit Überlebenden und Zeitzeugen sowie aus Biographien bekannter Personen wie Ted Kollek oder Elias Canetti. Wie bei einer Ausgrabung, so scheint es, hat sie jede winzige Scherbe aufgehoben und den Staub weggepinselt. <br />
<br />
<i>Guttstadt, Corry: <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3935936494/buchundjudenhaga">Die Türkei, die Juden und der Holocaust</a>. Verlag Assoziation A Hamburg/Berlin, 2008. 520 Seiten, 26 Euro, <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3935936494/buchundjudenhaga">Bestellen?</a></i><br />
<br />
Meilenstein:<br />
<a href="http://buecher.hagalil.com/2008/11/tuerkei/">Die Türkei als Zuflucht und verschlossener Hafen</a><br />
Mit dem lange angekündigten und nun endlich erschienen Werk “Die Türkei, die Juden und der Holocaust” legt die Turkologin und Historikerin Corry Guttstadt ein Buch vor, das zu einem Standardwerk über die Situation der jüdischen Minderheit in der türkischen Republik, vor allem aber über die Positionierung der Türkei gegenüber der deutschen Vernichtungspolitik, werden wird…]]></description>
 <category>Bücher</category>
<comments>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=3032</comments>
 <pubDate>Wed, 26 Nov 2008 07:58:12 +0100</pubDate>
</item><item>
 <title>Verzögern, Tricksen, Täuschen: Das Iranische Regime auf dem Weg zur Bombe</title>
 <link>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=3026</link>
<description><![CDATA[Vortrag und Diskussion mit Yossi Melman über das Atomwaffenprogramm der Islamischen Republik Iran und über Strategien zum Stop der Bombe...Yossi Melman ist Journalist bei der israelischen Tageszeitung Haaretz und Autor von "The Nuclear Sphinx of Tehran: Mahmoud Ahmadinejad and the State of Iran" (Caroll&Graf 2007, gemeinsam mit Meir Javedanfar). Er hat im Sammelband "<a href="http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=2187">Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer</a>" (Studienverlag 2008) den Beitrag "Von den Nuklearambitionen des Schahs zur islamischen Bombe. Zur Geschichte des iranischen Atomprogramms und der Rolle der IAEO" veröffentlicht. <br />
<br />
Eine Veranstaltung von STOP THE BOMB, dem Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus und dem Koordinierungsrat deutscher Nicht-Regierungsorganisationen gegen Antisemitismus. Mit einem Grußwort von Klaus Faber (Koordinierungsrat).<br />
<br />
Vortrag und Diskussion werden in englischer Sprache stattfinden. <br />
<br />
Datum: 27.11.2008<br />
Beginn: 19.30 Uhr<br />
Ort: Jüdische Gemeinde, Oranienburgerstr. 28-31, 10117 Berlin. <br />
<br />
Eintritt frei. Um Anmeldung per <a href="mailto:info-de@stopthebomb.net?subject=Anmeldung%20f%C3%BCr%20Yossi%20Melman%20am%2027.11.2008&amp;body=%0AName%3A%0ATelefon%3A%0AGgf.%20Titel%2FInstitution%3A">Mail</a> wird gebeten.<br />
<br />
Weitere Informationen:<br />
<a href="http://de.stopthebomb.net">http://de.stopthebomb.net</a>]]></description>
 <category>Veranstaltungen</category>
<comments>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=3026</comments>
 <pubDate>Mon, 24 Nov 2008 10:03:35 +0100</pubDate>
</item><item>
 <title>Das Projekt Lexikus: Ein Großprojekt des Buches (nicht nur) für das Volk des Buches</title>
 <link>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=2979</link>
<description><![CDATA[Seit ein paar Monaten existiert das Projekt "Lexikus" im Internet, eine Online-Bibliothek für historische Literatur...<i>Von Benjamin Rosendahl</i><br />
<br />
Bei "Lexikus" gibt es Volltexte historischer Bücher, Artikel zu verschiedenen Themen sowie ein Projekt zur Neuauflage von Büchern, die nicht mehr im Umsatz sind. Geleitet wird das Projekt von Stefan Herbst, der auch den Godewind-Verlag leitet, in Zusammenarbeit mit seinem Sohn, Hans-Jürgen Herbst. <br />
<br />
Wie Stefan Herbst betont, ist "das Projekt "Lexikus" gerade heute so wichtig, wo die letzten Zeitzeugen des Holocausts von uns gehen. Mit ihnen geht nicht nur die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und die Shoah verloren, sondern auch ein ganzes Kulturerbe: Jeder der Zeitzeugen erinnert sich nämlich an die Geschichten seiner Eltern und Großeltern, an die Synagoge seiner Kindheit, an die Schule, an die Geschäfte und an die Bücher, die im heimischen Bücherschrank standen. Mit dem Projekt "Lexikus" wird ein wenig von dieser Geschichte gerettet."<br />
<br />
Und so digitalisiert Lexikus historische Werke und stellt sie als Volltext zur Verfügung. U.a. kann man beispielsweise dem Begründer des politischen Zionismus, Theodor Herzl, über die Schulter schauen und sein 1896 veröffentlichtes Meisterwerk "der Judenstaat"  lesen. Oder bei Ludwig Geiger sich über die Juden und die napoleonischen Befreiungskriege informieren. Überhaupt ist jüdische Geschichte – wie könnte es anders sein- sehr stark beim Projekt "Lexikus" vertreten, das sich auf historische Literatur aus der Zeit vom 18. Jahrhundert bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts spezialisiert. Eine wichtige Unterrubrik hierbei ist das Thema Exil, und auch hier sind Juden sehr stark vertreten.<br />
<br />
Aber auch das gedruckte Buch kommt bei "Lexikus” nicht zu kurz: So wird u.a. eine Buchpatenschaft angeboten, wobei man helfen kann, ein historisches Buch, das Out-of-Print ist, wieder aufzulegen. Ein Buch, das bereits im Umlauf ist, ist "<a href="http://www.youtube.com/watch?v=rEmF7E-Lrdo">Stille Erde</a>", ein historischer Roman über das Dorf Tichaja Semlja (russisch für "Stille Erde"), wo Deutsche und Russen im Jahre 1942 aufeinandertreffen. <br />
<br />
Schließlich ist die Regionalgeschichte ein besonderes Anliegen des Projektes: Und so gibt es bereits das Online-Portal "Mein Mecklenburg-Vorpommern". In der Unterrubrik "Land und Leute" schreibt da u.a. Ronald Linowski einen rührenden Artikel über die Freundschaft eines 67-jährigen Deutschen zu einem 88-jährigen Juden aus der Ukraine, der nach Deutschland eingewandert ist. Weitere Unterbereiche sind lokale Kunst und Kultur sowie Geschichte. Insbesonders der Bericht über die Erinnerung an die jüdischen Ärzte ist hierbei sehr zu empfehlen. Weitere Projekte lokaler Geschichte und Kultur sind in Plannung.<br />
<br />
Wer Interesse hat, beim Projekt "Lexikus" mitzuhelfen, oder es sich gerne anschauen würde, der ist herzlichst eingeladen:<br />
<a href="http://www.lexikus.de">www.lexikus.de</a>]]></description>
 <category>Allgemein</category>
<comments>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=2979</comments>
 <pubDate>Thu, 13 Nov 2008 08:13:48 +0100</pubDate>
</item><item>
 <title>Geheimnisvoller Neuanfang</title>
 <link>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=2975</link>
<description><![CDATA[Elsa Zylberstein, 1968 in Paris als Tochter des ju&#776;disch-polnischen Physikers Albert Zylberstein geboren, spielt neben Kristin Scott Thomas die zweite Hauptrolle in dem Kinofilm "So viele Jahre liebe ich dich", der am 13. November in die deutschen Kinos kommt...<i>Von Asta Hemmerlein</i><br />
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Inneres und äußeres Gefangensein bestimmen das Fu&#776;hlen und Handeln von Juliette (Kristin Scott Thomas), der Hauptperson in Philippe Claudels Drama "So viele Jahre liebe ich dich". 15 Jahre Haft haben sie zu einer verschlossenen Frau gemacht, die allen Annäherungsversuchen ihrer Umwelt zunächst misstrauisch gegenu&#776;bersteht. In Nancy, wo sie ihre Schwester Léa (Elsa Zylberstein) in ihre Familie aufnimmt und alles tut, um ihr die Reintegration zu erleichtern, trifft sie auf eine Reihe von Menschen, die selbst Gefangene<br />
ihrer Lebensumstände, ihrer Vergangenheit, ihrer Krankheit oder ihrer bu&#776;rgerlichen Fassade sind. <br />
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Gefängnis wird dabei zur Metapher fu&#776;r vieles, unter anderem fu&#776;r den Geisteszustand in dem sich Juliette, aber auch die anderen Charaktere befinden. Ein langsamer Prozess beginnt, in dem Juliette lernt, sich dem Leben und den Mitmenschen wieder zu öffnen.<br />
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<a href="http://www.hagalil.com/01/de/media/1/ilya1.jpg">null</a><br />
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Vor allem durch das brillante Spiel seiner u&#776;berragenden Hauptdarstellerinnen und eine u&#776;beraus sorgfältige Bildsprache zeigt "So viele Jahre liebe ich dich", wie fragil Freiheit ist. Das Regiedebu&#776;t des Bestsellerautors Philippe Claudel lebt von der genauen Beobachtung und dem Respekt vor seinen Figuren und dem liebevoll ausgearbeiteten Drehbuch. Emotional plausibel illustriert der Film vor allem in den Gesichtern seiner Protagonistinnen die fließende Grenze zwischen Hoffnung, Glu&#776;ck und Trauer – und dass "Familie" mehr als Verwandtschaft bedeutet. "So viele Jahre liebe ich dich" ist ein Film u&#776;ber Schuld, Vergebung und das Recht auf einen Neuanfang.<br />
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Der Film feierte im Februar 2008 seine Weltpremiere im Wettbewerb der 58. Berlinale und gewann dort den Publikumspreis sowie den Preis der Ökumenischen Jury.<br />
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Elsa Zylberstein wurde 1991 mit Maurice Pialats Film "Van Gogh" bekannt, fu&#776;r den sie mit dem Prix Michel Simon ausgezeichnet wurde und fu&#776;r den César Award nominiert war. 1993 erhielt sie den Romy-Schneider-Preis fu&#776;r talentierte französische Schauspielerinnen. Seitdem hat sie in fast 50 Kino- und Fernsehfilmen mitgewirkt und mit Regisseuren wie Laetitia Masson, Raoul Ruiz, Chantal Akerman und James Ivory zusammen gearbeitet. 2008 war sie im Film "La Fabrique des Sentiments" zu sehen. Ihr Film "Diese Nacht" wurde gerade fertiggestellt und "Nucingen Haus", in dem sie an der Seite von Jean-Marc Barr spielt, befindet sich derzeit in der Post-Production.<br />
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Außerdem ist die Französin regelmäßig am Theater engagiert. Neben ihrer ku&#776;nstlerischen Arbeit wirkt sie auch aktiv im politischen Leben Frankreichs mit: 2002 unterstu&#776;tzte sie den Präsidentschaftswahlkampf von Lionel Jospin und 2007 die Kampagne von Ségolène Royal. <br />
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Trailer zum Film:<br />
<a href="http://www.alamodefilm.de/trailer/sovielejahre.htm">http://www.alamodefilm.de/trailer/sovielejahre.htm</a>]]></description>
 <category>Allgemein</category>
<comments>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=2975</comments>
 <pubDate>Wed, 12 Nov 2008 22:38:59 +0100</pubDate>
</item><item>
 <title>&quot;Mama Afrika&quot; ist verstummt!</title>
 <link>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=2951</link>
<description><![CDATA[Miriam Makeba begeisterte in ihrem bewegten Leben Millionen Menschen nicht nur mit ihrer Stimme und ihrer Musik. Auch durch ihr Engagement gegen Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Rassismus wurde sie zu "der" Symbolfigur des afrikanischen Kontinents neben Nelson Mandela...<i>Von Holger Raak</i><br />
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Am gestrigen Sonntag erlitt Miriam Makeba bei einem Konzert einen Herzinfarkt und verstarb später im Krankenhaus. Sie sang auf einem Wohltätigkeitskonzerts vor 2000 begeisterten Menschen zugunsten des von der Mafia bedrohten Schriftstellers Roberto Saviano im italienischen Castel Volturno, einer Hochburg des organisierten Verbrechens.<br />
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Mit ihrer Musik hat sie über Jahrzehnte die Menschen begeistert. Ihr "Pata, Pata" war weltweit ein Riesenerfolg. Nur beließ sie es nicht beim Singen - sie engagierte sich gegen Unterdrückung und Apartheid in ihrer Heimat Südafrika, so dass Miriam Makeba 31 Jahre im Exil verbringen musste. Aber dort wurde ihre Stimme noch lauter und sie klagte auch mit ihren Liedern die Missstände in ihrer Heimat an. Nach der Abschaffung der Apartheid folgte sie dem Ruf Nelson Mandelas und kehrte nach Südafrika zurück. Ihr erstes Konzert nach ihrer Rückkehr wurde ein großer Erfolg. <br />
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Fortan arbeitete sie aktiv am Aufbau der neuen Gesellschaft in Südakrika mit und wurde "Goodwill-Ambassador" bei der UNO. Sie gründete das Makeba-Rehabilitationszentrum für Mädchen und engagiert sich im Kampf gegen AIDS-HIV. Mit feuchten Augen und ausdrucksstarker Stimme hatte sie sich Ende 2005 nach einer mehr als 50 Jahre langen Karriere von ihren Fans auf einer 14-monatigen Welttournee durch 52 Länder verabschiedet.<br />
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Nun ist ihre kraftvolle Stimme für immer verstummt, aber ihr Erbe wird noch lange nachwirken. "Siyabonga - Mamma Africa" - Danke, Miriam Makeba!<br />
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Siehe auch:<br />
<a href="http://www.fairplanet.net/2008/11/musikerin-und-burgerrechtlerin-miriam-makeba-ist-tot/">miriam-makeba-ist-tot/</a>]]></description>
 <category>Allgemein</category>
<comments>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=2951</comments>
 <pubDate>Mon, 10 Nov 2008 15:31:15 +0100</pubDate>
</item><item>
 <title>Anonyme Schenkung: Ehemalige Synagogenleuchter aus Schnaittach</title>
 <link>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=2949</link>
<description><![CDATA[Vor wenigen Wochen erhielt das Jüdische Museum Franken in Schnaittach zwei weitere Messingleuchter aus der einstigen Synagoge in Schnaittach als anonyme Schenkung. Vermutlich handelt es sich um Leuchter, die in der damaligen »Frauenschul« hingen. Im Jahr 2006 ging bereits ein Leuchter mit Engelsfigur als anonyme Schenkung und ein weiterer Leuchter mit Doppeladler als Erbstück an das Jüdische Museum Franken. Diese Leuchter hingen in der »Männerschul« und werden dort seit 2006 präsentiert...Die beiden neusten Schenkungen sind in der Dauerausstellung des Jüdischen Museums Franken in Schnaittach in der ehemaligen »Frauenschul« zu sehen. Einer der Leuchter ging bereits als Leihgabe an das »Mémorial de la Shoah« in Paris und wird dort bis Mai in der Sonderausstellung »Nuit de Cristal« über die Reichspogromnacht zu sehen sein.<br />
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<b>Zur Geschichte der Synagogenleuchter von Schnaittach</b><br />
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Mehr als sechzig Jahre nach der Verwüstung der Schnaittacher Synagoge in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 erhält das Jüdische Museum Franken vier von ursprünglich fünfzehn verschollenen Synagogenleuchtern als Schenkungen. <br />
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Bis zur Übergabe der Leuchter an das Jüdische Museum Franken wurden sie meist als elektrisches Wohnzimmerlicht genutzt. Wahrscheinlich vier Leuchter verkaufte der ehrenamtliche Heimatmuseumsleiter Gottfried Stammler an eine Familie in Franken nach dem 10. November 1938. Bis heute ist ungeklärt, ob die restlichen Synagogenleuchter aus Schnaittach in der Pogromnacht zerstört wurden, oder ob sie sich heute in Privatbesitz befinden. <br />
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Insgesamt fünfzehn Messing-Kronleuchter erwarb die Jüdische Gemeinde in Schnaittach 1735 anlässlich des Synagogenumbaus. Vermutlich wurden alle Synagogenleuchter Schnaittachs in Nürnberg hergestellt, das vom 16. bis ins 18. Jahrhundert ein Zentrum der Rotgusserzeugung war.<br />
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Der größte Leuchter war mit einer Blitze schleudernden Zeusfigur verziert. Unter den übrigen vierzehn Leuchtern waren zwei kleinere mit geflügelten Engelsgestalten und vier mit einem Doppeladler ausgestattet. Weitere sechs kleine und schlichtere Leuchter hingen in der »Frauenschul«. Die Leuchter wurden nicht eigens für die Synagoge angefertigt. Vielmehr handelte es sich um repräsentative Leuchtertypen, die vor allem für die Verwendung in Kirchen und bürgerlichen oder adligen Häusern hergestellt wurden.<br />
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Weitere Informationen:<br />
<a href="http://www.juedisches-museum.org/">http://www.juedisches-museum.org</a>]]></description>
 <category>Allgemein</category>
<comments>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=2949</comments>
 <pubDate>Mon, 10 Nov 2008 15:12:56 +0100</pubDate>
</item><item>
 <title>&quot;unerhörte Musik&quot;: Zur Erinnerung an jüdische Musiker/innen in München</title>
 <link>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=2931</link>
<description><![CDATA[In der Hochschule für Musik und Theater München ist seit Ende Oktober die Ausstellung "unerhörte Musik" zu sehen – zum Gedenken an 106 Musiker/innen, die von den Nazis wegen ihrer jüdischen Familienherkunft  verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden und deren Musik verstummen musste...<a href="http://www.hagalil.com/01/de/media/1/unerhoerte-musik.jpg">null</a><br />
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<i>Eine Ausstellung von Wolfram P. Kastner und Christian Schölzel</i><br />
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An der Fassade des ehemaligen „Führerbaus“, in der die Musikhochschule untergebracht ist, stört ein 12 Meter langes, schräg angebrachtes Transparent mit der Aufschrift „unerhörte Musik“ die klotzige Wucht der NS-Architektur. Im südlichen Lichthof sind an den Stirnseiten der 36 rotbraunen Marmorstufen die Namen der 106 Musiker/innen in großen weißen Lettern unregelmäßig angebracht.<br />
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<a href="http://www.hagalil.com/01/de/media/1/unerhoerte-musik2.jpg">null</a><br />
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In einem Monitor werden permanent Porträts, Lebensläufe der Musiker/innen und Dokumente gezeigt. Im nördlichen Lichthof ist diagonal durch die dreistöckige Halle ein 18 Meter langes weißes Transparent mit den Namen der 106 Musiker/innen gespannt. Auf 58 Notenständern werden Porträts, Biografien, Partituren, und Dokumente der Verfolgung gezeigt.<br />
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Eine konventionelle Ausstellung ist in den trüblichtigen hochfahrenden NS-Hallen nicht möglich. Wir haben versucht, der Architektur etwas entgegen zu setzen, damit die Erinnerung nicht darin untergeht.<br />
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<a href="http://www.hagalil.com/01/de/media/1/unerhoerte-musik1.jpg">null</a><br />
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Über 75 Jahre nach der Ausgrenzung von Musiker/innen, von denen viele an der Münchner Akademie der Tonkunst studiert oder sogar gelehrt hatten, werden erstmals Namen genannt, Gesichter gezeigt und Töne in dieser Stadt hörbar – in der Ausstellung ebenso wie in dem eindrucksvollen Eröffnungskonzert und an zwei öffentlichen Hörstationen (am Jakobsplatz und am Gasteig).<br />
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Beim Eröffnungskonzert  trugen Hochschulangehörige  Kompositionen vor von Klaus Pringsheim (Zwillingsbruder von Katia Mann und Leiter der Kaiserlichen Musikakademie in Tokio), von <a href="http://www.hagalil.com/archiv/2008/10/ben-haim.htm">Paul Ben-Haim</a> (der als Paul Frankenburger in München geboren war, studierte und komponierte, bevor er nach Israel floh und einer der großen israelischen Musiker wurde), von Eugen Auerbach (der 1944 im KZ-Auschwitz ermordet wurde), von Walter Braunfels (der Berufsverbot erhielt und dessen Werke auf der Verbotsliste standen)  sowie von Bruno Walter (der in die USA fliehen musste). <br />
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In ausgiebigen Recherchen in Archiven in München, Berlin, Zürich, Wien, USA und Kanada sowie in privaten Archiven konnten wir Lebensdaten, Fotos und Dokumente zur Biografie und zur Verfolgung der Musiker/innen finden – aber auch unerforschte Nachlässe und nie gespielte Kompositionen – wie z.B. in Zürich von Max Ettinger (Freund des Musikschriftstellers Alfred Einstein und Komponist einiger Opern sowie von Liedern und Chorwerken wie „Jiddisch Leben“ und „Jiddisch Requiem“). <br />
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Von einigen aber fanden wir fast nichts – kein Bild, nichts Persönliches, nur einen Eintrag im polizeilichen Selbstmordregister oder auf einer Deportationsliste.<br />
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Wir hoffen sehr, dass diese Ausstellung sowie die Konzerte, die im nächsten Jahr folgen sollen, als Anregung aufgegriffen werden für weitere Forschungen, Konzerte und Ausstellungen – auch an der Musikhochschule und an der Universität.<br />
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Das Projekt wurde gefördert von der LH München, Kulturreferat und steht unter der Schirmherrschaft von OB Ude und der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch.<br />
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Die Ausstellung ist bis Ende März 2009 zu sehen.]]></description>
 <category>Allgemein</category>
<comments>http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=2931</comments>
 <pubDate>Wed, 5 Nov 2008 22:20:23 +0100</pubDate>
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