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Judentum und Israel
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Kartoffelköpfe: Der DGB Berlin-Brandenburg

Sie mag sie nicht, die schmierigen, selbstverliebten, gutmeinenden Kreuzberger Hinterhofidentitätshanseln, die bei jeder ›ky‹-Endung eines Nachnamens an Juden respektive Polen denken und sich mokieren, dass Überlebende gar ›Wiedergutmachung‹ erhalten hätten und mitunter in Hotels, eigenen, wohnten, in sechs Zimmer für sich ganz allein...

Von Clemens Heni

Das nervt auf ›Gerechtigkeit‹ und ›Solidarität‹ getrimmte, gewerkschaftsnahe deutsche Jungakademiker so stark wie ihre Väter und Groß- bzw. Urgroßväter, die erst dafür sorgen mussten, dass solchen Frauen zwischen 1933 und 1945 angetan wurde, was später in seltensten Fällen pekuniär ›entschädigt‹ wurde.

Es gab Juden im DGB, z. B. Max Diamant, der die Unmöglichkeit mit ganz normalen Deutschen in einer Gewerkschaft der 1960er Jahre sein zu müssen, schlicht aushalten musste – es gab nur diese IG Metall im postnationalsozialistischen Deutschland, und wenn er nun mal Gewerkschafter ist, wo hin denn dann? Die Schmerzen sind nicht auszudenken, was es heißt, sich bei so gut wie jedem ›Kollegen‹, der sagen wir vor 1925 geboren wurde, zu überlegen ob er auch ein Judenmörder war oder sonst wie ganz normaler Deutscher im NS. Wenn dann auch noch diese egomanischen, heulsusenstimmigen alt-68er kommen, die so gern irgendwie was Jüdisches in ihrer Familie hätten, dann nennt sie das treffend einen »›post-arischen‹ Tick«.

Gustav Just war ein Judenmörder, später bekam er etwas Zwist mit der DDR, sollte aber in den 1990er Jahren geehrt werden, Sozialdemokraten schlugen das vor, als Alterspräsident des Bundestags. »Wird denn in Deutschland nie etwas verziehen« rülpsten zumal SPDler ins Mikrofon und meinten damit, Judenmord, o.k., war schon blöd, aber Schwamm drüber. Die ganz normalen Biographien von deutschen Gewerkschaftern der BRD sehen so aus. Ihre sieht anders aus: »In meiner Kindheit lagen Splitter auf dem Boden – von Auschwitz, Dachau, Bergen-Belsen. Ich sah sie und fasste sie an. Niemand bemerkte, was ich in der Hand hielt. Die anderen Kinder sahen keine Splitter nicht und fassten keine an. Ihre Eltern wussten davon und fassten keine an. Meine Eltern wussten davon und wollten nicht, dass ich welche sähe. So begann ich mich zu fragen, ob diese Hand zu mir gehöre. Die Selbstverleugnung beginnt, der Zweifel an der Wahrnehmung, das Erleben der Mehrheitsübereinkunft – die Täuschung. Gibt es den einen Körper für den Mensch und Juden, oder teile ich mein Gesicht?«

Die Reflektionen, die das Unsagbare, das Deutsche verbrochen haben, unabweisbar machen, stören, Juden werden als ›Nörgler‹ empfunden. Und ja, ganz genau: sie verzeiht nicht. Wem auch. Warum. Der Kampf gegen rechts findet nicht über ›soziale‹ oder arbeitsrechtliche Initiativen statt. Solche Märchen erzählen sich nur reflektionsresistente Gewerkschafter. Die Erinnerung an die Shoah kann nur durch Sprache, Schweigen, Lyrik mithin, Texte, wissenschaftliche Kritik, Aktionen, dem Zeigen von Leerstellen, Demos gegen Islamfaschismus oder sonstige deutsche Neonazis zumindest versucht werden, zu bewahren. Ja sie erst als spezifische Erinnerung an spezifische, präzedenzlose Verbrechen erkennen lernen. Dazu braucht es Kultur, Zivilisation. Eine wie Esther Dischereit.

Goebbels brauchte Ressentiment, Hass und Hetze. Kartoffeln statt Kultur. Ich dachte früher immer, folgender Spruch stamme von ihm, weit gefehlt, die deutschen Traditionslinien sind unendlich länger. Was der DGB heute propagiert, indem er jüdische ›Nörgler‹, Künstlerinnen entlässt und proklamiert, Kultur sei etwas, was »nice to have«, aber de facto kapitalistischen Sachzwängen unterzuordnen sei, ist nur ein spätes Echo eines schwäbischen Un-Wortes aus dem Jahr 1827, als es in Stuttgart hieß:

»Mir brauchet koi Kunscht, mir brauchet Grombiera« (1).

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Anmerkung:
(1) Auf Hochdeutsch: »Wir brauchen keine Kunst, wir brauchen Kartoffeln«. Das war aus dem Mundes eines Abgeordneten, gleichsam einem Sprachrohr des ›Volksmundes‹, der eine Initiative des damaligen Königs von Württemberg, 1827 eine größere Gemäldesammlung zu kaufen, auf, man ist gewillt zu sagen: typisch deutsche Weise abwehrte. Die Sammlung ging dann seinerzeit nach München. Der Spruch ist pure Ideologie: als ob es in Wirklichkeit darum gegangen wäre, ob der König bzw. das Parlament Kartoffeln kauften anstelle der Kunstwerke! Ganz ähnlich weite Teile der heutigen Politikwissenschaft/soziologie; dort wird immer noch an dem Theorem festgehalten, nur ›entwickelte‹, ökonomisch relativ etablierte Gesellschaften könnten demokratisch werden. Damit werden Entwicklungsdiktaturen zumal in Afrika seit Jahrzehnten gerechtfertigt.

Category: Allgemein
Posted 12/06/07 by: admin

Comments

wrote:
Lieber Clemens,

ich las kürzlich noch - neben Büchern von Esther Dischereit auch G.L. Mosses Buch "Jüdische Intellektuelle in Deutschland. Zwischen Religion und Nationalismus." In letzterem wird dargestellt, wie stark die jüdischen Intellektuellen ihr Hoffnung auf
Kultur und Bildung zur humanistischen Veränderung der Gesellschaft legten. Durch die Dominanz der politischen Ökonomie und der rassistischen - sozialdarwinistischen - Ideologie über die Kultur (und damit wurde auch Kultur der Kulturindustrie untergeordnet und zu Kitsch) siegten die Richter und Henker. Die Dichter_innen und Denker_innen wurden - nachdem ihre Kunst als "entartet" entwertet, Literatur verbrannt wurde - sofern sie nicht mehr flüchten konnten, ermordet.

Das Kündigungsprozedere des DGB gegen Esther Dischereit zeigt auf, dass die Verantwortlichen des gewerkschaftlichen Dachverbandes bzw. dieses Apparates nichts aus der Geschichte, die in den Massenmord kulminierte, gelernt haben.

Suche mal nach Kultur im DGB:
http://www.google.de/search...

Ich widme ihm ein Lied, das nach der Melodie "Oh Tannenbaum" zu singen ist:

Oh Würstelstand, oh Würstelstand,
wie brauen sind Deine Würstel!
Du bräunst sie nicht nur zur Sommerzeit,
nein, auch im Winter wenn es schneit.
Oh Würstelstand, oh Würstelstand, wie braun sind Deine Würstel!

Nachtrag: Kartoffelsalat wird selbstverständlich dazu auch serviert.

Die deutschen Traditionslinien gehen bis auf das Leipziger Heldenallerlei von 1813 zurück:
http://de.wikipedia.org/wik...
http://www.cityinfonetz.de/...

Bedenke, dass Jahn, der von Poliakov als Vorläufer von Hitler angesehen wird, die deutschen Nationalfarben schwarz-rot-gold erfunden hat!
12/06/07 23:26:20

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