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Prag: Marsch durchs Jüdische Viertel verhindert

Proteste von Gegendemonstranten und starke Präsenz der tschechischen Polizei haben den verbotenen Neonazi-Marsch durch das alte Jüdische Viertel in Prag verhindert. Von den zum Teil bewaffneten Neonazis und von Gegendemonstranten wurden insgesamt fast 400 Personen festgenommen. Hunderte protestierten mit angesteckten gelben "Judensternen" gegen den Neonazi-Aufmarsch...

redok, 11.11.2007

Trotz des gerichtlichen Verbotes kamen gestern etwa 300 - 400 Neonazis in Prag zusammen, um durch das alte Jüdische Viertel im heutigen Stadtteil Josefov zu marschieren. Nach Angaben tschechischer Medien waren auch drei Reisebusse mit Rechtsextremisten aus Deutschland nach Prag unterwegs. Auf linken Internetseiten wird jedoch von nur einem deutschen Neonazi-Bus gesprochen, zwei andere Reisebusse aus Deutschland sollen demnach mit Antifa-Demonstranten besetzt gewesen sein.

Zu einer Neonazi-Kundgebung oder gar Demonstration kam es gestern aufgrund der massiven Proteste und der Polizeipräsenz nicht. Fast 2.000 Polizisten waren im Einsatz, Josefov war zeitweise völlig abgeriegelt. Die Rechtsextremen zogen stattdessen in mehreren kleinen Gruppen durch die Stadt. Bereits bis zum Nachmittag hatte die Polizei 50 von ihnen festgenommen, bei denen sie unter anderem Gaspistolen, Äxte, Eisenstangen, Sprengstoff und Schlagstöcke beschlagnahmte. Zu einem gewalttätigen Zwischenfall kam es, als ein Neonazi mit einer Gaspistole in eine Gruppe von Gegendemonstranten schoss und daraufhin heftig attackiert wurde. Nach Angaben aus dem Antifa-Umfeld soll es sich bei dem Pistolenschützen um den Anmelder der Neonazi-Demonstration, Petr Kalinovský, gehandelt haben. Andere Berichte sprachen von Pfefferspray, das von den Neonazis gegen Protestierer versprüht wurde.


Im Laufe des Nachmittags kam es offenbar zu weiteren Auseinandersetzungen. Insgesamt wurden 396 Personen festgenommen, darunter 96 aus dem Ausland. Nach Polizeiangaben waren darunter auch zehn Deutsch sprechende Anti-Nazi-Demonstranten, die mit Stöcken bewaffnet waren.

Im Jüdischen Viertel hielten sich Tausende von Gegendemonstranten auf, die sich zum Teil gelbe "Judensterne" an die Kleidung hefteten, um gegen den Neonazi-Aufmarsch zu protestieren. Etwa 1.000 Menschen hatten sich vor der Synagoge versammelt, um der Opfer der "Reichskristallnacht" zu gedenken. Eine weitere Kundgebung hatte die Jüdische Liberale Union auf dem Altstädter Ring (Staromìstské námìstí), dem zentralen Platz in der Prager Innenstadt, organisiert. Dort versammelten sich Hunderte mit "Judensternen" und zum Teil mit israelischen Fahnen. Politiker und Holocaust-Überlebende sprachen zu der Versammlung.

Weitere Anti-Nazi-Demonstranten kamen von Antifa-Gruppen; insgesamt schirmten etwa 2.000 Nazigegner das alte Jüdische Viertel ab. Der 80-jährige Holocaust-Überlebende Arnost Lustig warnte vor einem Wiederaufleben des Neonazismus in Europa, zeigte sich aber auch froh, dass so viele Tschechen gegen die Neonazis demonstrierten. "Das ist großartig, denn ich erinnere mich noch, dass einige Leute nur auf die andere Straßenseite gewechselt sind, als wir ins Konzentrationslager gingen", sagte er.

© redok

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Category: Tschechien
Posted 12/11/07 by: admin

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